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Ausgewählte Ausgabe: 4-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Paradigmenwechsel in der Leitungsauskunft

DIGITALISIERUNG | Leitungen und Kabel sind die Lebensadern moderner Industriegesellschaften. Als Transportbahnen für verschiedenste Medien und Informationen stellen sie die technische Basis für Versorgungssicherheit und Wohlstand dar. Betreiber tun viel für den Schutz ihrer Netze. Trotzdem kommt es vielfach zu Einwirkungen Dritter, insbesondere im Rahmen von Bautätigkeiten. Fahrlässigkeit und Unwissenheit der Akteure sind die häufigsten Schadensursachen. Die BIL eG mit Sitz in Bonn hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Prävention zu verbessern. Informationen zur Lage von Leitungen und Kabeln werden bundesweit über ein Internetportal für Anfragende transparent, schnell und kostenlos zugänglich gemacht. BWK besuchte den Roadshow-Termin der Genossenschaft in Hannover. Das Interesse an BIL ist groß. Die Veranstaltung war mit rund 80 Teilnehmern bis auf den letzten Platz ausgebucht.


Den genauen Verlauf von Versorgungsleitungen kennt nur der Betreiber. Das Online-Portal BIL will dazu beitragen, dass die Zahl unbeabsichtigter Beschädigungen durch Baumaßnahmen oder sonstige Eingriffe im Trassenbereich reduziert wird.

Den genauen Verlauf von Versorgungsleitungen kennt nur der Betreiber. Das Online-Portal BIL will dazu beitragen, dass die Zahl unbeabsichtigter Beschädigungen durch Baumaßnahmen oder sonstige Eingriffe im Trassenbereich reduziert wird.

Henning Stegemerten, Leiter Genehmigungsverfahren und Wegerechtserwerb beim Gastgeber Gasunie Deutschland Services GmbH, brachte die Problematik exemplarisch auf den Punkt: „Das größte Risiko für die Sicherheit einer Leitung sind Einwirkungen von außen durch Dritte.“
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Dipl.-Ing. Jens Focke, Vorstand der BIL eG aus Bonn, verspricht einen „Produktivitätsgewinn bei der Leitungsauskunft durch vollständig digitalisierte Geschäftsprozesse bei Anfragenden und Betreibern.“

Und die Gefahr nehme zu: „Zwischen 2010 und 2016 hat sich die Zahl der bei Gasunie Deutschland eingehenden Plananfragen mehr als verdoppelt. Die Anzahl der identifizierten unerlaubten Eingriffe in den Schutzstreifen einer Leitung stieg im gleichen Zeitraum sogar um den Faktor 2,5.“ Jens Focke, Vorstand der BIL eG, erläuterte die bundesweite Dimension: Rund 100 000 Kabel- und Leitungsschäden pro Jahr verursachen Kosten zur Schadensbeseitigung von 2 Mrd. €/a. Setzt man die Fallzahl in Relation zu mehr als einer Million Baustellen jährlich in Deutschland, bedeutet dies, dass etwa auf jeder zehnten Baustelle ein Malheur mit einer Versorgungsleitung passiert.
Wie kommt es zu diesem Dilemma? Eine DVGW-Untersuchung von 16 000 Schäden zeigte, dass in 45 % der Fälle mechanische Einwirkungen verantwortlich waren. Im Wesentlichen hervorgerufen wurden diese durch unsachgemäße Bedienung des Baugerätes und nicht vorhandene Informationen zum Vorhandensein von Leitungen.

Leitungsauskunft ist bislang ein umständlicher Prozess

Wo liegen welche Leitungen, und wer ist im Einzelfall der zuständige Betreiber? Die Beantwortung dieser Frage ist für die Bauwirtschaft bislang oft mit Schwierigkeiten verbunden. Ein zentrales Problem bestand und besteht darin, alle tatsächlich betroffenen Leitungsbetreiber zu ermitteln. Namensänderungen, Umorganisationen, unbekannte Versorgungsgebietsgrenzen und neu hinzukommende Leitungsbetreiber machen es der Bauwirtschaft zusätzlich schwer, für Anfragen Leitungsbetreiber und Ansprechpartner ausfindig zu machen. Außerdem kommen organisatorische Hemmnisse hinzu. Grundsätzlich besteht der Prozess der Leistungsauskunft aus drei Einzelschritten: der Bauanfrage, der Auskunftserteilung und der rechtssicheren Archivierung sowie Nachverfolgung. Medienbrüche und manuelle Arbeitsschritte wirken vielerorts als Prozessbremsen. Oft werden Bauanfragen unvollständig oder nicht konform zur angefragten Maßnahme gestellt, was Rückfragen erforderlich macht und die Arbeit zusätzlich verzögert.
Die Leitungsbetreiber haben selbstredend ein großes Interesse, die benötigten Auskünfte zu erteilen. „Gasunie hat es sich zum Ziel gesetzt, die unerlaubten Trasseneingriffe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu reduzieren, im Idealfall zu eliminieren“, machte Stegemerten deutlich.

Seite des Artikels
BIL eG hat große Pläne

Die BIL eG wurde am 15. Juni 2015 von 17 Netzbetreibern aus der Gas-, Öl- und Chemieindustrie als Genossenschaft ohne Gewinnerzielungsabsicht gegründet. Mittlerweile liegt die Zahl der registrierten Mitglieder bei 35, darunter 80 % der deutschen Leitungsbetreiber in den Branchen Gas, Öl und Chemie. Angestrebt wird, dass möglichst viele Infrastrukturbetreiber aller Sparten in Deutschland bei BIL mitmachen. Unterstützt wird BIL durch die Fachverbände DGKM, DVGW, MWV, VCI und ZDB. Nach 40 Wochen Entwicklungszeit wurde das BIL-Portal am 29. Februar 2016 in Betrieb genommen. In den ersten zehn Monaten konnten darüber gut 20 000 Anfragen bearbeitet werden. Für Nutzer auf der Anfrageseite ist die Anwendung kostenfrei. Leitungsbetreiber, die von BIL profitieren wollen, müssen einen Dienstleistungsvertrag mit der Genossenschaft abschließen. Dieser beinhaltet ein längen- beziehungsweise flächenabhängiges Nutzungsentgelt. Die Mitgliedschaft ist eine freiwillige Option.

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