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Ausgewählte Ausgabe: 4-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Lohnt sich Kraft-Wärme-Kopplung eigentlich noch?


ENERGIEVERSORGUNG | Der Jahreswechsel hat für Verbraucher wie Unternehmen eine wichtige Gemeinsamkeit. Jedes Jahr zum ersten Januar verändern sich gesetzliche Bestimmungen, die unter Umständen unser Leben oder Wirtschaften betreffen können. Dann fragen wir uns automatisch: Was bedeutet das für mich oder mein Unternehmen? Zum ersten Januar 2017 sind auch das novellierte Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) sowie das überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 in Kraft getreten. Sie regeln in Deutschland die Einspeisung und Vergütung des Stroms aus Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung.
Die neuerlichen Änderungen betreffen insbesondere die Zuschlagshöhe sowie die Unterscheidung von Eigenversorgung und Netzeinspeisung. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Neuanlagen. Aus Gesprächen mit Unternehmen nehmen wir eine gewisse Verunsicherung wahr: Lohnt sich KWK noch? Oder sollen Unternehmen bei der Suche nach nachhaltigen, effizienten und lukrativen Energiekonzepten lieber auf Alternativen wie Wärmepumpen, Solarenergie usw. umsteigen?
 Neue oder modernisierte KWK-Anlagen mit einer elektrischen Leistung zwischen 1 und 50 MW sind nun ausschreibungspflichtig. Das heißt, es gibt für diesen Leistungsbereich keine festen Vergütungssätze mehr wie in der Vergangenheit. Um eine Förderung gemäß KWKG zu bekommen, müssen Unternehmen an einem Ausschreibungsverfahren teilnehmen. Im Ausschreibungssegment gibt es keine Vergütung mehr für die Anlagen mit Eigenversorgung – der Strom muss komplett ins Netz eingespeist werden. Die Eigenversorgung von neuen Anlagen wird künftig nur noch unterhalb 1 MW sowie oberhalb von 50 MW gefördert.
Lohnt sich KWK immer noch? Eines vornweg: Kraft-Wärme-Kopplung hat sich in den letzten Jahren zur festen Größe auf dem Energiemarkt etabliert – vom Mini-BHKW für das Eigenheim bis hin zu Großanlagen für Kommunen und Industrie. Die Strom erzeugende Heizung ist durch ihren hohen Wirkungsgrad besonders effizient. Bei der Suche nach einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Energielösung lohnt sich der Blick auf KWK in jedem Fall. Speziell für Unternehmen gilt: Durch KWK können sie ein Stück weit unabhängiger von steigenden Netzentgelten und Strompreisen werden. Dabei wird zukünftig insbesondere die Kombination von KWK mit Stromspeichern immer interessanter. Denn Stromspeicher helfen, teure Lastspitzen zu kappen.
Ein anderer Aspekt sollte bei der Beurteilung ebenfalls in Betracht gezogen werden: Viele Branchen – beispielsweise Papier oder Pharmazie – verfügen über sensible Produktionsprozesse, die auf geringste Schwankungen in der Netzstabilität reagieren. Eine KWK-Anlage gekoppelt mit Energiespeicher kann hier gute Abhilfe schaffen, um die natürliche Volatilität der Energienetze auszugleichen.
Bei der Suche nach nachhaltigen, effizienten und kostengünstigen Energielösungen stehen Unternehmen, Kommunen und Eigenheimbesitzern sprichwörtlich „alle Türen offen“. Gemeinsam mit unabhängigen Energiepartnern lassen sich optimale Lösungen finden.

Autoren

 Robert Hienz

Vorsitzender der Geschäftsführung der E.on Energie Deutschland GmbH, München.

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