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Ausgewählte Ausgabe: 3-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Ressourcen intelligent steuern

ROLLOUT-STRATEGIEN | Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende gibt Netzbetreibern und Verbrauchern Planungssicherheit, wann und wo die neuen Messsysteme installiert werden müssen. Für die Umsetzung sollten sich Netz- und Messstellenbetreiber Gedanken über Strategie, Einsatzplanung und IT-Systeme machen, um den massenhaften Geräteaustausch fristgerecht und wirtschaftlich über die Bühne zu bekommen.


Der Startschuss für den Rollout intelligenter Messsysteme ist mit dem Jahreswechsel gefallen. Ab 2017 sind zunächst Großabnehmer mit einem Verbrauch von mehr als 10 000 kWh und Erzeuger mit mehr als 7 kW Leistung zum Einbau intelligenter Messsysteme verpflichtet. Haushalte mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6 000 kWh müssen ab 2020 mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet werden. Kleinverbraucher sollen nur mit den modernen Basis-Zählern ausgerüstet werden.

Rollout-Strategie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit

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Mit einem WFM-System lassen sich beim Rollout intelligenter Messsysteme eigene und externe Personalressourcen effizient steuern.

Die stufenweise Verordnung stellt Stadtwerke und Netzbetreiber vor schwerwiegende, strategische Entscheidungen, die über die Wirtschaftlichkeit des Rollouts und über ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Messwesen entscheiden. Wegen der Kurzfristigkeit der Umsetzung und des hohen logistischen Aufwands kann es gerade für kleine Stadtwerke wirtschaftlicher sein, den Rollout an einen Drittanbieter zu vergeben, der schon ein fertiges Smart-Meter-Konzept entwickelt hat.
Auch die Entscheidung gegen einen stufenweisen Austausch und für einen optionalen Komplettaustausch kann je nach der Beschaffenheit des Versorgungsgebiets sinnvoll sein. In Mischgebieten, in denen Gewerbeflächen, Büro- und Praxisräume sowie Wohneinheiten vertreten sind, würde der stufenweise Wechsel nach Höhe des Stromverbrauchs zu mehrfachen Anfahrten für Netzbetreiber führen. Der damit verbundene Aufwand würde die Gesamtkosten für den Rollout unnötig in die Höhe treiben. Hier kann ein einmaliger, flächendeckender Komplettaustausch wirtschaftlicher sein. Die Bundesregierung hat diese Option in ihrem Gesetzentwurf den Netzbetreibern ausdrücklich offengehalten. Einzige Bedingung dafür ist die Einhaltung der nutzenorientierten Preisobergrenzen. Diese liegen bei einem Stromverbrauch bis zu 6 MWh/a zwischen 23 und 60 €, bei einem Verbrauch von 6 bis 100 MWh/a im gewerblichen Bereich zwischen 100 und 200 €/a.

Einbau und Wartung von zwei Systemen gefordert

Langfristig wird die Fernablesung der intelligenten Zähler zwar die Ablesungen vor Ort ersetzen. Doch wird dies erst nach dem kompletten Rollout an allen Zählpunkten nach 2032 vollständig der Fall sein, sofern sich der Messstellenbetreiber nicht früher für einen Komplettaustausch entscheidet. Außerdem betrifft das aktuelle Gesetz nur die Stromsparte. Die Ablesung der anderen Sparten (Gas, Wasser, Wärme) ist bisher noch nicht verbindlich geregelt. Deswegen gilt es zumindest bis 2032, neben dem Einbau der modernen Zähler auch noch die mechanischen Ferraris-Zähler zu warten und turnusmäßige Wechsel vorzunehmen. Auch diese Einheiten sollten Messstellenbetreiber mit in ihre Rollout-Strategie und -Kalkulation einbeziehen, um eine möglichst wirtschaftliche Umsetzung zu erzielen.
Nach dem vollständigen Austausch aller Stromzähler im Jahr 2032 entfallen zwar die Ablesungen vor Ort, doch müssen die modernen Zähler im Rahmen der gesetzlichen Eichfrist von acht Jahren ausgetauscht oder die Eichgültigkeit über eine Stichprobenprüfung verlängert werden. Dazu kommen noch Störungen, die ein Monteur nur vor Ort beheben kann. Denn darin sind sich die Experten einig: Die Komplexität der neuen Systeme macht sie um einiges störanfälliger und somit wartungsintensiver als die Vorgängermodelle.

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Autoren

 Hannes Heckner

Vorstandsvorsitzender, mobileX AG, München

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