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Ausgewählte Ausgabe: 04-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Energieverbundzentrale versorgt Industrie und kommunale Einrichtungen

ENERGIEVERSORGUNG | In der Gemeinde Waldbronn bei Karlsruhe wurde im Februar 2017 eine neue, vom Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg AG errichtete Energieverbundzentrale offiziell in Betrieb genommen. Das Besondere an dieser Lösung ist, dass aus einer hocheffizienten Energiezentrale mehrere große Verbraucher mit verschiedenen Energiearten versorgt werden. Durch die intelligente Vernetzung mehrerer Aggregate werden gleichzeitig Wärme, Kälte und Strom erzeugt und an zwei Industrieunternehmen und zwei kommunale Einrichtungen geliefert.


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BHKW-Kompaktmodul GG 330 in der Energieverbundzentrale Waldbronn.

Herzstück der Energieverbundzentrale in Waldbronn ist das BHKW-Kompaktmodul GG 330 der Firma Sokratherm, das mit über 90 % Gesamtwirkungsgrad 330 kW Strom und rund 460 kW Wärme liefert. Ein Brennwertwärmeaustauscher stellt zusätzlich noch rund 40 kW Wärme aus dem Abgas des BHKW zur Verfügung und sorgt dadurch für eine besonders hohe thermische Effizienz des BHKW. Der Spitzenlastkessel mit gut 1,6 MW Wärmeleistung kommt nur selten zum Einsatz.
Der vom BHKW-Kompaktmodul erzeugte Strom wird primär für den Betrieb der Kälteverdichter, Wärmepumpen und Rückkühlanlagen in der Energieverbundzentrale eingesetzt. Darüber hinaus wird er für den Betrieb der Tiefkälte-Erzeugungsanlage (– 12 °C) in der benachbarten, von der Gemeinde Waldbronn betriebenen Eissporthalle „Eistreff“ und an die Agilent Technologies Deutschland GmbH geliefert.
Für die Fertigung bei Agilent liefern die Kältemaschinen der Energieverbundzentrale in einem 6/12-°C-Kreislauf Prozesskälte. Die beim Betrieb der Kälteanlagen entstehende Abwärme beheizt – nach einer Temperaturanhebung auf 40 °C durch Wärmepumpen – im Sommer das neben dem Eistreff gelegene kommunale Freibad und im Winter das neu gebaute Agilent Kunden- und Technologiezentrum.
Die Rückkühlanlage der Energiezentrale kommt schließlich der Taller GmbH, einem führenden Hersteller für Steckerbrücken, zugute: Sie liefert 26 °C Kühlwasser für deren Fertigung von Metall- und Kunststoff-Hybridteilen. Dadurch wurde es für Taller möglich, sich von der abgängigen Kühlwasserversorgung zu trennen und eine kostenintensive eigene Neuinvestition zu vermeiden.
Die angeschlossenen Gebäude und Verbraucher werden mit rund 7 Mio. kWh/a Kälte auf unterschiedlichen Temperaturniveaus und rund 3 Mio. kWh/a Wärme versorgt.

Günstige Erzeugungskosten

Hier zeigt sich der Mehrwert der zentralen Energielösung vor Ort: Im Vergleich zu kleinteiligen Individuallösungen profitieren alle Beteiligten von den Synergieeffekten und dadurch günstigen Erzeugungskosten für Kälte, Kühlwasser, Wärme und Strom. Die verschiedenen Verbraucher können nun ganzjährig und über Eigentumsgrenzen hinweg BHKW-Wärme und Abwärme optimal nutzen.
Die Umwelt wird ebenfalls deutlich entlastet: Durch die Realisierung des ausgeklügelten Konzeptes wird der jährliche CO2-Ausstoß im Vergleich zur getrennten Versorgung aus Kesseln und Strombezug aus dem Netz um 680 t CO2 gesenkt.

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