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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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2017: Das Jahr der Entscheidungen


SMART-METER-ROLLOUT | Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende und der Festlegung der Interimsprozesse für die Marktkommunikation sind die Rahmenbedingungen für den Rollout der modernen Messeinrichtungen (mME) und intelligenten Messsysteme (iMSys) festgeschrieben. Die meisten Netzbetreiber haben die geforderten neuen Preisblätter für den grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB) bereits veröffentlicht.
Die Gespräche mit den Stadtwerken auf der diesjährigen E-world haben gezeigt: Viele Fragen sind noch offen, wichtige strategische Entscheidungen müssen noch getroffen werden. Das liegt in der Komplexität der Aufgabenstellung begründet. Beim Einbau der iMSys und deren Integration in die energiewirtschaftlichen Prozesse geht es schließlich um eine technische Evolution, von der fast alle energiewirtschaftlichen Marktrollen und Prozesse langfristig betroffen sind.
Stadtwerke stehen in diesem Jahr vor der wichtigen strategischen Entscheidung, den grundzuständigen und womöglich auch den wettbewerblichen Messstellenbetrieb zu übernehmen. Unsere Empfehlung: Die Stadtwerke sollten beide Marktrollen wahrnehmen und die vielfältigen Möglichkeiten der iMSys nutzen. Dies sichert langfristig den Kundenkontakt und die aktive Gestaltung des Messstellenbetriebs.
Klar ist: Die neuen Prozesse erfordern ein breites Fachwissen für den Betrieb der iMSys und der neuen IT-Infrastruktur mit hochautomatisierten Prozessen – und dies im engen wirtschaftlichen Rahmen der festgeschriebenen Preisobergrenzen.
Die Einführung der iMSys und die Digitalisierung der Prozesse sind entscheidende Bausteine des künftigen dezentralen Energiesystems. Mit den rechtlich vorgegebenen Sicherheitsniveaus an Datenschutz und Datensicherheit durch die Vorgaben des BSI und der Gateway-Administration betritt die deutsche Energiewirtschaft absolutes Neuland.
Ebenfalls beachtet werden müssen die neuen Strommarkt- und Tarifmodelle sowie die umfassenden Änderungen in der Marktkommunikation. Die ersten Geräte und Systeme nach FNN-Standard stehen zur Verfügung und wurden auf der E-world präsentiert. Schon jetzt, Anfang 2017, werden mME nach diesem Standard in Kundenanlagen eingebaut. Die Funktionalitäten der iMSys werden zurzeit im Rahmen des FNN-Teststufenplans bundesweit getestet. Dadurch werden Praxistauglichkeit und Interoperabilität der aktuell angebotenen Geräte und Anwendungen überprüft. Nach Abschluss des Labortests läuft nun der „kleine Feldtest“ an. Trotz der zum Teil noch nicht hundertprozentigen Testerfüllung sind alle Beteiligten optimistisch, zum Rollout-Start die erforderliche Marktreife erreicht zu haben. Der Rollout wird nicht in Form eines „Big Bang“ erfolgen, sondern stufenweise – so die Erkenntnis aus den bisherigen Erfahrungen.
Dies liegt an den Rahmenbedingungen. In den ersten drei Jahren, dem Geltungszeitraum des Interimsmodells, wird es „G1-Gateways“ geben, die eine CC-Zertifizierung besitzen und aufwärtskompatibel sind. Das Interimsmodell sieht allerdings nur eingeschränkte Tarifanwendungsfälle vor. Die Steuerboxen werden voraussichtlich als Geräte der ersten Generation verfügbar sein. Sie können zur Ablösung der heutigen Rundsteuertechnik, hauptsächlich im Bereich der Niederspannung, eingesetzt werden. Für eine konsequente Marktintegration mit einer Koordinierungsstelle und der Umsetzung des BDEW-Ampelmodells besteht aber noch erheblicher Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen zum Marktmodell. Besonders wichtig für die Branche – insbesondere für alle, die wirtschaftliche Verantwortung tragen – sind belastbare Bestandsschutzregelungen für den Einsatz der G1-Gateways und der Steuerboxen. Ohne diese sind die erforderlichen Investitionen in Geräte und Systeme nur schwer vorstellbar.
Auch wenn die ersten zertifizierten Gateways und Steuerboxen erst in einigen Monaten zur Verfügung stehen, sollte die Planung des Rollouts nun aktiv angetrieben werden. Neben den technischen Gegebenheiten sollten die Stadtwerke neben der System- und Prozessanpassung auch die Entwicklung neuer Vertriebsprodukte und Dienstleistungen zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen im Blick haben.

Autoren

 Peter Zayer

Geschäftsführer Voltaris GmbH, Maxdorf
www.voltaris.de