27.04.2015, 15:29 Uhr | 0 |

Neuer AR-Chef gesucht Rücktritt von Ferdinand Piëch beflügelt VW-Aktie

Nach dem Rücktritt des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch hat die VW-Aktie bis zum Mittag um 3,41 Prozent zugelegt. Die Anleger hoffen, dass jetzt wieder Ruhe in den Konzern einkehrt. Ein Sturm könnte aufziehen, wenn Piëch als Aktionär aus dem Konzern aussteigt.

Ferdinand Piëch mit dem Ein-Liter-Auto XL1
Á

Ferdinand Piëch mit dem VW Ein-Liter-Auto XL1: Der VW-Patriarch hat auch nach seinem Rücktritt noch einen Joker in der Hand. Er besitzt VW-Stammaktien im Wert von 4,6 Milliarden Euro. Steigt er als Aktionär aus, könnte das Machtkämpfe im Konzern auslösen. 

Foto: Jochen Lübke/dpa

Plötzlich ging alles ganz schnell: Kaum hat das VW-Präsidium dem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am Samstag das Vertrauen entzogen, ist der VW-Patriarch überraschend und mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Und beflügelt damit die Aktien der Volkswagen AG. Sie haben trotz schwachen DAX am Morgen um 3,41 Prozent auf 241 Euro zugelegt – Platz Eins im deutschen Leitindex. Auch die Aktien der Porsche AG haben sich mit einem Plus von knappen drei Prozent erholt.

Steigt Piëch jetzt als Aktionär aus?

Doch Piëch könnte im Konzern noch einen kräftigen Sturm auslösen: Der bisherige Aufsichtsratschef hält rund 13 Prozent der Stammaktien an der Gesellschaft Porsche SE, über die die Familien Porsche und Piëch 50,7 Prozent der Stimmrechte bei VW kontrollieren. Rein rechnerisch verfügt der 78-Jährige damit über 6,7 Prozent der VW-Stammaktien mit einem Börsenwert von 4,6 Milliarden Euro.

Á

Der Machtkampf zwischen dem bisherigen Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piëch (l.), und Konzernvorstandschef Martin Winterkorn ist entschieden: Piëch trat am Wochenende zurück, nachdem ihm das VW-Aufsichtsratspräsidium das Vertrauen entzogen hatte.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

 

Und von diesen Aktien könnte er sich trennen wollen, befürchtet Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, in einem Bericht der Rheinischen Post. „Das wäre die Konsequenz aus dem verlorenen Machtkampf, und Piëch war immer sehr konsequent.“

Gewerkschaften könnten Sparmaßnahmen blockieren

Was könnte passieren, wenn Piëch als Aktionär aussteigt? Verzichten beide Familien angesichts dieses enormen Kaufpreises auf ihr Vorkaufsrecht, droht die Porsche SE als VW-Mehrheitsaktionär auszufallen, warnt Dudenhöffer. „Dann gewinnt bei VW wieder die Verteilungsmentalität der Gewerkschaften Oberwasser.“ Sie könnten ihren Einfluss bei VW ausbauen und das milliardenschwere Sparprogramm des Konzerns blockieren.

ARCHIV - Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech, und seine Frau, VW-Aufsichtsratsmitglied Ursula Piech, kommen am 25.04.2013 in Hannover zur Hauptversammlung der Volkswagen AG. Foto: Julian Stratenschulte/dpa (zu dpa: "VW-Patriarch Piëch und Ehefrau legen Aufsichtsratsmandate nieder" vom 25.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piëch, und seine Frau, VW-Aufsichtsratsmitglied Ursula Piëch, sind am Samstag von ihren Ämtern zurückgetreten. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wird Skoda-Chef Vahland Piëchs Nachfolger?

Derzeit besteht ein Machtvakuum bei VW: Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber hat kommissarisch den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen. Der Konzern brauche aber so schnell wie möglich einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, sagt Unionsfraktionsvize Michael Fuchs dem Handelsblatt: „Eine Hängepartie in der Führung kann sich VW nicht leisten.“ Die US-Investmentbank JP Morgan geht davon aus, dass Skoda-Chef Winfried Vahland den Posten besetzen wird.

Erst am Samstag hat das sechsköpfige VW-Aufsichtsratspräsidium nach einer Krisensitzung in Braunschweig bekanntgegeben, dass Piëch kein Vertrauen mehr genießt: „Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist.“ Piëch ist daraufhin zurückgetreten. Auch seine Ehefrau Ursula hat ihr Mandat im Aufsichtsrat abgegeben. 

Anzeige
Von Patrick Schroeder
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden