06.09.2017, 13:25 Uhr | 0 |

Beruf mit Zukunft Was macht ein Testmanager?

Testmanager arbeiten an Apps, an der intelligenten Produktion und dem Internet der Dinge mit. Sie testen Software, mit denen Ingenieure später arbeiten. Alexandra Schladebeck leitet als Head of Software Quality and Test Consulting das Qualitätsmanagement der Bredex GmbH in Braunschweig. Hier erklärt sie, was ein guter Testmanager können muss.

Alexandra Schladebeck
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Die Sprachwissenschaftlerin Alexandra Schladebeck hat selbst als Testmanagerin gearbeitet. Heute stellt sie Testmanager ein.

Foto: Bredex GmbH

ingenieur.de: Frau Schladebeck, früher haben sie selbst als Testmanagerin gearbeitet. Wie sieht der Arbeitsalltag in diesem Beruf aus?

Alexandra Schladebeck: Das ist je nach Projekt unterschiedlich. Das Wichtigste ist aber, eine Schnittstellenposition einzunehmen, aus der heraus der Testmanager mit der Projektleitung, anderen Testern, den Entwicklern und dem Kunden kommuniziert. Und zwar nicht erst, wenn die Entwicklung fast abgeschlossen ist. Dann kann der Testmanager nur noch feststellen, dass es Qualitätsprobleme gibt. Nur wenn das Testen fest im Entwicklungsprozess integriert ist, lassen sich Probleme früh und zuverlässig lösen.

Wie kann man sich das konkret vorstellen? Sitzt da jemand und spielt jede Funktion der Anwendung manuell durch?

Das gehört auch dazu, ja. Aber man soll in der Teststrategie festlegen, welche Tests manuell durchgeführt werden und welche automatisiert werden. Je nach Projekt müssen Methoden und Techniken ausgewählt und angewendet werden. Für professionelle Tests ist Systematik notwendig – ob sie manuell oder automatisch ausgeführt werden. Es wird sich allerdings niemals alles automatisieren lassen, denn das setzt voraus, dass das Team im Vorfeld immer an jede Eventualität gedacht hat. Es wird aber immer Fälle geben, die man nicht berücksichtigt hat.

An welchen Projekten arbeitet ein Testmanager üblicherweise mit?

Das kann jede Anwendung von der App bis zur komplexen Enterprise-Software sein. Auch das Internet der Dinge mit seinen kommunizierenden Maschinen benötigt Tests. Qualität wird überall wichtiger. Nicht nur, weil Menschen in immer mehr Situationen mit Software in Kontakt kommen. Gerade die junge Generation wächst mit ihren eigenen Vorstellungen auf, was eine Anwendung können muss. Leistet sie das nicht, wird sie schnell wieder verworfen.

Was bedeutet das für das Testmanagement?

Dass wir ganz verschiedene Kriterien im Auge behalten müssen. Bei einer einfachen Smartphone-App ist es vielleicht die Funktionalität und die Geschwindigkeit, bei einem Flugzeug die Sicherheit und wenn es um selbstfahrende Automobile geht, kommt sogar die Ethik ins Spiel. Ein guter Testmanager muss stets die Qualität über alles andere stellen.

Zum Testen gehört aber nicht nur die Frage, ob die Anwendung alles richtig macht, sondern auch, ob sie das Richtige tut. Überspitzt gesagt: Was nutzt mir die korrekte Wettervorhersage, wenn ich eigentlich gerade nach Mode suche. Hier ist wieder die enge Abstimmung mit dem Kunden notwendig.

Wie wird man überhaupt Testmanager?

Es gibt dafür kein Studium und keine geregelte Ausbildung. Das geht zulasten der Akzeptanz, lässt aber auch Freiheiten zu. Wir selbst suchen Akademiker ganz unterschiedlicher Fachrichtungen. Bei einem Wirtschaftsinformatiker oder Ingenieur weiß man, dass er sich für Technik interessiert. Aber auch der Quereinstieg als Biologe, Soziologe oder Betriebswirt ist denkbar. Ich selbst bin ursprünglich Sprachwissenschaftlerin.

Wichtig ist, dass jemand strukturiert denken und arbeiten kann, kreativ und neugierig ist und ausgezeichnet kommuniziert.

Und damit kann ein Neuankömmling direkt mit dem Testen loslegen?

Aber nein. Bei uns lernt ein angehender Testmanager in den ersten sechs Monaten die Grundlagen. Wie ziehe ich eine Automatisierung auf? Wie sehen mögliche Strukturen aus? Wie gehe ich vor? Wie kommuniziere ich und wie funktioniert ein exploratives Testen? Dafür gibt es Zertifikate und Akkreditierungen. Parallel begleitet ein Anwärter möglichst schnell ein echtes Projekt. Diese Mischung aus Theorie und Praxis hat sich bei uns bewährt.

Wie beurteilen Sie die Berufsaussichten für Testmanager?

Die Aussichten sind sicherlich gut. Die Automobilindustrie, die Luftfahrt, die Medizintechnik, die Logistik, Banken und Versicherung – alle Branchen, in denen Software vorkommt, benötigen Testmanager.

Das Berufsbild wird sich vielleicht verändern, aber das Risiko, dass es der Automatisierung zum Opfer fällt, sehe ich nicht. Das wertvollste Tool eines Testers ist schließlich sein Verstand. Es lässt sich nur automatisieren, was zuvor jemand als Risiko erkannt hat. Zudem wird es immer einen Menschen geben müssen, der zwischen Entwicklung, Projektleitung und Kunden vermittelt.

Und wie könnte es außerhalb des Qualitätsmanagements für einen Softwaretester weitergehen?

Er kann in das Anforderungsmanagement wechseln, als Release Manager arbeiten oder sich zum Agilen Coach weiterentwickeln. Ein Testmanager mit Berufserfahrung hat so viel gelernt und mitbekommen, dass ihm viele Türen offen stehen.

Wenn Sie heute einen neuen Testmanager in Ihr Team holen, worauf achten Sie persönlich am meisten?

Auf seine Kommunikationsstärke. Methodik und Fachwissen lassen sich lernen. Aber die Fähigkeit, einen Fehler anzusprechen, ihm nachzugehen und zu wissen, wann man nicht locker lassen und wann man nachgeben darf, ist unverzichtbar. Die Leidenschaft für IT muss natürlich auch vorhanden sein.

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Von Tatjana Krieger
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