30.08.2017, 08:15 Uhr | 1 |

Neuer Studiengang Für wen eignet sich das Studium der Technischen Informatik?

Technische Informatik verbindet Hardware mit Software, Elektrotechnik mit Informatik. Wer gerne programmiert, bastelt und tüftelt, könnte hier genau richtig aufgehoben sein. Eines aber sollten Interessierte nicht unterschätzen.

Technische Informatik
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Die technische Informatik bildet IT-Experten aus, die sich mit maschinennaher Programmierung, Signalverarbeitung und Messtechnik auskennen. 

Foto: Universität der Bundeswehr München

Tim Wigbels plant gerade die Revolution der Landwirtschaft. Genauer gesagt: die Öko-Revolution. Roboterfahrzeuge sollen alsbald über die Felder fahren, mittels eingebauter Kamera Unkräuter erkennen und diese gezielt mit einem Laserstrahl zur Strecke bringen. Alles vollautomatisch. Am Anfang könnten Bio-Landwirte zu den Abnehmern des Systems zählen, letztlich aber auch große Agrarbetriebe den Einsatz von Düngemitteln reduzieren. „Unser langfristiges Ziel ist es, dass wir mit unserer Technologie auf Dauer die Herbizide verdrängen“, sagt Wigbels.

Zusammen mit Julio Pastrana hat er das Startup Escarda Technologies gegründet, eine Ausgründung der Universität Bonn. Pastrana ist der Roboter-Spezialist, Wigbels kümmert sich um die Bildverarbeitung. Er hat Technische Informatik an der RWTH Aachen studiert und 2015 mit einem Master abgeschlossen. „Die reine Informatik erschien mir zu theoretisch“, begründet Wigbels seine Studienwahl. Außerdem habe er „diesen Hang zum Basteln.“ Diesen Hang zu löten oder ein Radio auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen.

Technische Informatik: Was ist das?

„Jeder kennt Smartphones, jeder kennt Apps. Aber die meisten wissen gar nicht, was genau dahintersteckt“, so Wigbels weiter. Wie reagiert mein Smartphone, wenn ich auf dem Display nach links wische? Damit das Handy reagiert – und zwar schnell reagiert – müssen verschiedene Hard- und Softwarekomponenten zusammenwirken. Ein typischer Fall für Technische Informatiker. Das Fach befasst sich sowohl mit den Grundlagen technischer Systeme als auch mit der Informatik, die in diesen Systemen zur Anwendung kommt.

Wigbels würde sein Fach am ehesten als „Verbindung zwischen Elektrotechnik und Informatik“ beschreiben. Interrupts, boolesche Prozessoren, C-Compiler, Debugger - derartige Begriffe sind ihm während des Studiums häufiger über den Weg gelaufen. „Es ist sehr viel Mathe“, warnt er, das dürfe man auf keinen Fall unterschätzen.

Technische Informatik ist interdisziplinär, auch die sogenannte hardwarenahe Systementwicklung gehört dazu. Der Entwickler sitzt also nicht ausschließlich vor seinem Rechner, sondern programmiert etwa Mikrocontroller. Weniger Algorithmen, mehr Praxisbezug, darauf könnte man die Unterschiede zwischen Technischer und reiner Informatik ganz grob herunterbrechen.

Technische Informatik: Was kann man damit machen?

Nach Angaben des Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz gibt es aktuell 60 grundständige Studiengänge (vornehmlich Bachelor) im Bereich der Technischen Informatik, dazu 27 weiterführende (Master). Zum Vergleich: Im Wintersemester 2007/08 waren es erst 53, respektive 17.

Die Jobperspektiven erscheinen vielversprechend. Zum einen sind eingebettete Systeme – gewissermaßen das Spezialgebiet der Technischen Informatik – aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: Sie stecken in Handys, Waschmaschinen, Robotern, Flugzeugen, sogar in Kraftwerken. Welche Aufgaben Embedded Systems Engineers haben und wer sie einstellt, steht hier. Zum anderen kommen Technische Informatiker aber auch als „gewöhnliche“ Software-Entwickler auf dem Arbeitsmarkt unter.

Auch Wigbels hatte sich unmittelbar nach dem Studium als Entwickler bei einem Software-Unternehmen beworben und war prompt eingestellt worden. Alternativen gab es zuhauf, die Jobsuche habe er insgesamt „als relativ einfach empfunden.“ Grund dafür ist ein Engpass, auf den auch die Arbeitsagentur hinweist. Ein genereller Fachkräftemangel an IT-Fachleuten seit in Deutschland zwar nicht erkennbar, so ein Report im April 2017. Die Arbeitsagentur fügte aber hinzu: „Punktuelle Engpässe zeigen sich jedoch bei Softwareentwicklern, deren Kenntnisse einem mindestens vierjährigen Informatikstudium entsprechen.“ Noch so eine Entwicklung, von der Technische Informatiker profitieren könnten.

Wo kann man Technische Informatik studieren?

Der Studiengang Technische Informatik kann an zahlreichen Universitäten und Hochschulen deutschlandweit studiert werden und auch die damit zu erwerbenden Abschlüsse sind vielfältig: vom Bachelor of Science (B.Sc.) oder Engineering (B.Eng.), den Master of Science (M.Sc.) und den Bachelor of Education (B.Ed.) bis zum Lehramtsstudiengang.

Einen Numerus clausus gibt es für den Studiengang Technische Informatik in der Regel nicht, was aber nicht heißt, dass er nie gefordert wäre. Die HS Osnabrück etwa hatt für den Bachelor Engineering technischer Systeme sehr wohl eine Zulassungsbeschränkung.   

Hier eine (unvollständige) Auswahl an Standorten, an denen der Studiengang als Kombination oder anderslautender Bezeichnungen angeboten wird:

RWTH Aachen Elektrotechnik, Informationstechnik und Technische Informatik B.Sc./M.Sc.
Beuth HS Berlin Technische Informatik-Embedded Systems B.Eng./M.Eng.
  Computational Engineering M.Eng.
HTW Berlin Computer Engineering B.Eng.
TU Berlin Computer Engineering B.Eng.
HS Bochum Technische Informatik – Kooperative Ingenieurausbildung B.Sc.
HS Bremen Internationaler Studiengang Technische Informatik B.Sc.
HS Furtwangen Elektronik und Technische Informatik B.Sc.
TU Bergakademie Freiberg Computational Science and Engineering M.Sc.
HS Osnabrück Informatik – Technische Informatik B.Sc.
Uni der Bundeswehr München Technische Informatik und Kommunikationstechnik B.Eng.
HS Reutlingen Medizinisch-Technische Informatik B.Sc.
Uni Rostock Informationstechnik/Technische Informatik B.Sc./M.Sc.
  Computational Science and Engineering M.Sc.
FH Südwestfalen Medizintechnische Informatik B.Sc.
     
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Von Sebastian Wolking
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schlagworte: 
IT
kommentare
31.08.2017, 14:13 Uhr ctb13
Neuer Studiengang?
Von wegen!
1981 konnte der Dipl-Ing (FH) an der FHTE (vormalig staatl. Ing.-Schule) Esslingen erworben werden. Das war die grosse Zeit, als herkömmliche Nachrichtentechnik auf digitale Signalverarbeitung umstieg. Besonders gravierend war die Umstellung im Bereich Telefon auf digitale Technik, der "Heb-Dreh-Wähler" hatte ausgedient, und der PC stand kurz vor dem Einzug in die Büros. Die "Nerds" jener Zeit "Peekten und pokten" die Bits in die Memories der ZX81. Man "sprach" Basic, oder in besseren Kreisen Fortran.
Nichts Neues unter der Sonne!

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