Heiko Mell


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Wie laufen Beförderungen ab?

Frage:

Da ich als Student selbstredend noch nie beruflich befördert worden bin, habe ich keinerlei Erfahrungen dahingehend, wie Beförderungen entschieden und durchgeführt werden. Gibt es in der beruflichen Praxis gängige Abläufe oder Muster, nach denen Arbeitnehmer befördert werden?
Steht der Abteilungsleiter eines Tages vor dem erstaunten Sachbearbeiter und eröffnet diesem feierlich, dass er nun Gruppenleiter sei? Oder wird beispielsweise in Großkonzernen jeder einzelne Aufstieg durch eine interne Stellenausschreibung vorangetrieben?

Antwort:

Studenten werden nicht befördert, Berufsanfänger in der Regel auch nicht. Erst das Examen, dann der Einstieg in die Praxis, dann mindestens drei, eher wohl fünf Berufsjahre - in dieser ganzen Zeit geschieht im Sinne der Fragestellung praktisch gar nichts. Außer dass Sie immer vertrauter mit dem System werden, Erfahrungen sammeln, alle möglichen Personalentscheidungen um Sie herum beobachten, im Kollegenkreis heiß diskutieren - und Ihr Wissen darüber ständig erweitern. Und kurz bevor Sie das erste Mal von einer Beförderung betroffen sind - stellen Sie diese Frage nicht mehr. Sie warten dann nur noch auf positive Nachricht über Ihren ersten Aufstieg, fragen aber nicht mehr, wie so etwas abläuft. Ich garantiere es Ihnen, verlassen Sie sich darauf.
Andererseits: Ist diese Erklärung für den Einsender einer berechtigt erscheinenden Frage befriedigend? Vermutlich nicht. Also noch ein paar Randinformationen:
Es gibt in der deutschen Wirtschaft kein einheitliches System, nach dem Mitarbeiter befördert werden. Manche Konzerne haben eines. Dort muss man z. B. erst einmal in einen "Förderkreis" aufgenommen werden, bevor man überhaupt eine Chance bekommt. Häu-fig wird dieser spezielle Nachwuchs systematisch geschult. Oft gibt es aussagefähige Personalbeurteilungen mit ausführlichen Kritikgesprächen, in denen man etwas über seine grundsätzlichen Chancen erfährt.
Mitunter planen Unternehmen die Nachfolge einer Führungskraft langfristig und bauen einen Mitarbeiter konsequent dafür auf. Im Zuge plötzlicher Strukturveränderungen oder z. B. beim Tod eines Vorgesetzten muss aber oft auch spontan eine Lösung her. Immer aber gelten drei eiserne Regeln:
1. Kein Unternehmen befördert einen Mitarbeiter, bloß weil der es verdient hätte, qualifiziert oder gar "dran" wäre. Stets muss auch interner Bedarf bestehen, also z. B. eine offene Gruppenleiterstelle vorhanden sein. Das bedeutet: Der Zufall spielt eine große Rolle. Und: Die Unternehmen lösen mit Beförderungen vorrangig ihre Probleme ("Löcher stopfen"), weniger die ihrer Mitarbeiter ("ich warte so sehnsüchtig darauf").
2. Zwingende Grundvoraussetzung ist eine in den Augen der Vorgesetzten erstklassige, engagierte, überdurchschnittliche Leistung im heutigen Job (also vor der Beförderung). Und das über einige Jahre hinweg.
3. Wer Gruppenleiter werden will, muss über längere Zeit hinweg schon wie ein solcher denken, handeln, auftreten. Er muss in seinem heutigen Job "Potenzial" zeigen für den Aufstieg in die nächste Ebene. Mitunter gibt es eigene Testsysteme (Assessment-Center) für diesen Aspekt.
Achtung: "Befördert mich erst mal, dann leiste ich auch mehr", das funktioniert nicht.
Und dann, nur mal so am Rande, gibt es auch "Beförderungsverhinderungskonstellationen": Es kann sein, dass eine Abteilung fünf hochqualifizierte Top-Sachbearbeiter hat, von denen jeder Gruppenleiter werden könnte, aber niemand es wird. "Die sind so gleichwertig und zugleich eifersüchtig - wenn ich einen befördere, werden die vier anderen kündigen. Das riskiere ich nicht, also kommt jemand von außen", sagt dann der Abteilungsleiter.
Dieser Bewerber "von außen" gilt oft mehr als die eigenen Mitarbeiter. Von letzteren kennt man auch die Schwächen, von den externen Kandidaten nicht. Ebenso gilt: Wenn Sie "reif" sind für eine Beförderung, aber intern nichts geschieht, müssen Sie sich extern bemühen - in Ihrem ureigenen Interesse.
Es ist also ein weites Feld, das hier vor Ihnen liegt. Aber nach einigen Berufsjahren "verinnerlichen" Sie alles, was hier steht. Und vielleicht noch ein bisschen mehr.