24.10.2013, 07:58 Uhr | 0 |

Venture Capital Panel Finanzierungsflaute bei Hightech-Gründern

Nach einem erfreulichen ersten Halbjahr gingen die Wagnisfinanzierungen im dritten Quartal deutlich zurück. Hightech-Gründern drohen magere Zeiten, denn die Venture Capital Gesellschaften tun sich schwer beim Fundraising, so das Venture Capital Panel, das die VDI nachrichten und die Beratungsfirma FHP Private Equity Consultants erheben.

Im Sommer dieses Jahres hielten die meisten Venture Capital Gesellschaften ihr Geld zusammen: Von Juli bis September ging die Zahl der Beteiligungen im Vergleich zum Vorquartal um 15 % zurück, das investierte Kapital sank dramatisch um 41 %. Insgesamt investierten die 31 im Venture Capital Panel befragten Finanzierer rund 69 Mio. € in 131 Start-ups. Negativ fällt auch der Vergleich zum Vorjahr aus: Hier ergibt sich ein Minus von 17 % bei der Zahl der Beteiligungen und von 44 % beim zugesagten Kapital.

Investiert haben im dritten Quartal lediglich 23 der 31 Gesellschaften. Mit 13 Investments war dabei die Berliner IBB Beteiligungsgesellschaft einmal mehr das aktivste Unternehmen, gefolgt von MIG aus München mit zehn Investments. Von den Münchnern kam mit rund 10 Mio. € auch das meiste Kapital. Öffentliche Investoren, wie der High-Tech Gründerfonds, die KfW (ERP-Startfonds), die NRW.Bank und BayernKapital investieren 63 Mal und stellten 21 Mio. € Startkapital zur Verfügung.

„Im Fokus der Investoren standen im Sommer vor allem Internetunternehmen“, erläutert Götz Hoyer, Leiter des Venture Capital Panels und Partner bei FHP, die aktuelle Marktentwicklung. Über ein Viertel aller Beteiligungen entfielen auf den seit Langem beliebten Sektor. Auch Biotech-Firmen (19 % der Beteiligungen) und Software-Unternehmen (18 %) waren abermals stark gefragt. In die drei genannten Top-Branchen flossen auch drei Viertel des gesamten Investitionsvolumens.

Wenig Bewegung gab es auf dem sogenannten Exit-Markt, also bei der Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen. Die Panelteilnehmer meldeten fünf Trade Sales (Verkäufe an Industrieunternehmen). In drei Fällen gelang es den Wagnisfinanzierern, Aktien an bereits börsennotierten Beteiligungsfirmen zu veräußern. Sechs Mal kauften Gründer im Zuge von „Buy Backs“ Unternehmensanteile von ihren Investoren zurück. In acht Fällen mussten Kapitalgeber aufgrund von Unternehmenspleiten ihre Anteile vollständig abschreiben.

Für Branchenexperten Hoyer kommt die Finanzierungsflaute in Deutschland wenig überraschend. „Die Wagniskapital-Investitionen werden nur dann nachhaltig ansteigen, wenn künftig wieder mehr neue Fonds aufgelegt werden.“ Doch danach sieht es im Augenblick nicht aus. Zwar gelang es zuletzt Earlybird und Wellington Partners neue Fonds zu schließen, aber mit diesem Erfolg stehen die beiden etablierten Gesellschaften ziemlich allein da.

Bis ein Investitionsvehikel geschlossen wird (Final Closing), vergehen im Schnitt fast zwei Jahre. Aktuell befinden sich über die Hälfte der im Panel erfassten Finanzierer im Fundraising oder müssen in Kürze damit beginnen. Hoyer: „Klassische Fondsinvestoren wie Pensionseinrichtungen und Versicherungen bevorzugen Private Equity-Fonds. Sie sind in deutschen Wagniskapitalfonds seit Jahren auf dem Rückzug.“ Sollte sich die wichtigste Investorengruppe der Family Offices künftig ebenfalls zurückhalten, stehen dem deutschen Venture Capital-Markt schwere Zeiten bevor, fürchtet Hoyer.

Immerhin: Das für neue Investitionen verfügbare Kapital aller privaten Fonds hat sich zuletzt erhöht. Laut-Panel-Studie stieg es gegenüber dem Vorjahr um 100 Mio. € auf 800 Mio. €. Zählt man die Mittel der öffentlichen Wagnisfinanzierer hinzu, stehen für Investitionen in Hightech-Gründer insgesamt noch 1,3 Mrd. € zur Verfügung.

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Von ps
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