27.08.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Portraits Start-ups rollen Mobile-Payment-Markt von unten auf

Während große Handelsketten und Telefongesellschaften an den künftigen Standards für das mobile Bezahlen arbeiten, starten immer mehr Jungunternehmen ihre eigenen Ideen zum Thema. Fünf Beispiele.

Das Starnberger Start-up Lendstar versteht sich als „soziales Finanznetzwerk“. Die gleichnamige App bietet verschiedene Features. Sie erlaubt es Freunden u.a., sich untereinander Geld zu senden, Ausgaben innerhalb einer Gruppe gerecht aufzuteilen oder im Vorfeld einer gemeinsamen Aktion Geld zu sammeln. Damit das Funding in der Minicrowd funktioniert, müssen alle Beteiligten die App installiert und idealerweise ihre Bankdaten hinterlegt haben.

Die App ist kostenlos – und soll es bleiben. Finanzieren will sich Lendstar über Premiumdienste: „Ende 2014 wollen wir mit der Lendstar Wallet und der Lendstar Card an den Markt gehen“, so Pressesprecherin Jennifer Fizia. Die virtuelle Geldbörse ermöglicht dann den Geldtransfer unter Lendstar-Freunden in Echtzeit. Eingehende Beträge werden sofort der Kreditkarte gutgeschrieben und lassen sich von dieser sofort abrufen – an jedem Bankautomaten und in fast jedem Geschäft. Beim Pricing sind die Lendstar-Gründer noch unschlüssig: „Wir überlegen derzeit, ob wir Transaktionsgebühren oder eine Jahrespauschale erheben“, so Fizia.

Ein ähnliches Leistungsspektrum bietet auch das Start-up Avuba. Es erlaubt, im Freundeskreis bis zu 150 Euro per SMS anzuweisen. Hat der Empfänger die App nicht installiert, so wird er per Kurznachricht informiert und muss seine Kontodaten in einem Weblink eingeben.

Nach der Testphase soll Avuba aber mehr als bloß eine virtuelle Geldbörse sein. „Wenn alles gut läuft, wollen wir Ende 2014 mit einem vollwertigen Konto an den Markt gehen“, so Sprecher Carl-Christian Bruns. Avuba wird dafür – genau wie Lendstar – mit einer konventionellen Bank zusammenarbeiten. Bei dieser liegt das Geld und sind die Einlagen versichert – wie bei konventionellen Konten.

Neu soll die Nutzerfreundlichkeit sein: Jede Transaktion wird direkt angezeigt und kann bestimmten Kategorien zugeordnet werden – etwa „Wohnen“, „Kleidung“, „Essen“ etc. Die App kann die Ausgaben statistisch aufbereiten und so dabei helfen, Sparziele zu erreichen.

Für den Geldtransfer kann der Kunde verschiedene Sicherheitsstufen einrichten. 10 Euro lassen sich ohne jede Verifizierung übertragen. Bei größeren Summen setzt Avuba auf biometrische Stimmerkennung. Mittelfristig soll die App auch mobiles Bezahlen ermöglichen. „Die Entwicklung in diesem Bereich geht sehr schnell, auf eine bestimmte Technologie für das Mobile Payment wollen wir uns noch nicht festlegen“, erklärt Bruns. Gute Erfahrung habe das Team im Ausland aber mit Near Field Communication (NFC) gemacht. Dahinter verbirgt sich ein internationaler Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per Funktechnik.

Das Berliner Start-up Number26 bietet ein App-gesteuertes Girokonto, derzeit in Kombination mit der Mastercard. „Der Nutzer sieht in Echtzeit am Handy, wo er mit der Karte eingekauft hat“, so Maximilian Tayenthal, einer der Gründer des Unternehmens. Die physische Karte sei nur am Anfang das Trägermedium für Geldtransfers. Welche Technologie künftig zusätzlich eingesetzt wird, verrät der Gründer nicht. Erst im Juni konnte das Team in einer Seedrunde 2 Mio. Euro für die weitere Entwicklung einsammeln. Der öffentliche Launch des Angebots ist für den Herbst geplant – etwas früher als bei Avuba.

An Freunde kann Geld einfach via E-Mail oder SMS gesendet werden. „Wir bieten Echtzeit-Banking mit zahlreichen Financial Management Tools in Verbindung mit einzigartigen Sicherheitsfeatures, die alte Banken aufgrund der veralteten IT-Systeme nicht anbieten können“, bewirbt Tayenthal sein Produkt. So kann zum Beispiel die Karte innerhalb von Sekunden ge- und entsperrt werden.

Nicht nur Käufer werden mit dem Smartphone mobil, auch am Point of Sale (POS) bewegt sich was. Möglich machen das Kreditkartenleser für Smartphones. Die kleinen, vergleichsweise günstigen Geräte ersetzen teure Kartenterminals. Erster großer Hersteller war das US-Unternehmen Square, aktuell überlegt Handelsriese Amazon, mit einem eigenen Gerät nachzuziehen. Für kleine Gemüseläden oder Cafés eröffnet die Technologie die Möglichkeit, auch bargeldlose Zahlungen entgegenzunehmen. Payworks bietet die Software dazu als White Label an. Diese regelt im Hintergrund die Bankgeschäfte und die vielen Millionen Transaktionen, die über die virtuelle Ladentheke gehen.

 „Wir wollen für Entwickler von Mobile-Payment-Anwendungen die Eintrittsbarriere in den Markt so niedrig wie möglich machen“, so Christian Deger, einer der vier Gründer. Denn wenn jedes Start-up die Verbindungen zu den Banken und die damit verbundenen Zertifizierungen selbst organisieren muss, gehen viele Energien verloren.

Zu den Kunden des Münchner Start-ups gehört etwa Opentabs, eine App, über die Gastwirte Bestellungen am Tisch aufnehmen und Rechnungen stellen können.

„Die ersten Lösungen, die auf Basis der Payworks-Plattform gebaut wurden, ermöglichen insbesondere kleinen Händlern, mobil Kartenzahlungen entgegenzunehmen. Wir sehen aber mittlerweile eine hohe Dynamik auch bei traditionellen Kassenherstellern und großen Retailern, die unsere Lösung einsetzen“, so Deger.

Welche Technologie für den Datentransfer vom Kunden zum Händler genutzt wird, ist für die Programmierer von Payworks unerheblich. Aktuell kommt die Software meist in den mobilen Kartenlesern zum Einsatz. Doch es gibt Alternativen. Das zeigt die Wiesbadener Paij GmbH. Das Start-up arbeitet ebenfalls mit Payworks-Lösungen, nutzt aber einen QR-Code, um den Geldtransfer zu veranlassen. Mit der Paij-App können Nutzer derzeit deutschlandweit in rund 15.000 Taxis bezahlen. Fahrgäste, die die App installiert haben, scannen den QR-Code im Auto und lösen dann per Knopfdruck die Zahlung aus.

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Von Kai Weller/sta | Präsentiert von VDI Logo
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