26.09.2013, 09:43 Uhr | 0 |

Start-up-Portrait: Codeatelier Smartes Home für kleines Geld

Per Smartphone, PC & Co daheim Licht, Rollläden oder Heizung zu steuern, muss nicht teuer sein. Das zeigen die Gründer der Codeatelier GmbH aus Burgstetten. Handelsübliche DSL-Router als Steuerzentrale sind in ihrem System „Homee“ dank ausgefeilter Software mit Funkschaltern, -ventilen und -sensoren aller gängigen Standards kompatibel. Bald soll Router-unabhängige Hardware folgen.

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Waldemar Wunder, Mit-Gründer von Codeatelier, stieß an der Uni auf das Thema Gebäudeautomation.

Foto: Codeatelier

„Wir fanden es damals einen coolen Gedanken, Licht mit dem Smartphone an- und auszuschalten“, erinnert sich Waldemar Wunder. Im Zuge einer Studienarbeit an der Hochschule Esslingen machte er sich mit Jochen Schöllig und den Brüdern Markus und Tobias Graf daran, der Technik auf den Grund zu gehen. Was folgte war ein sehr arbeits- und lehrreiches Semester, in dem die jungen Informatiker den Grundstein für die Gründung ihrer Codeatelier GmbH legten.

Im Zuge der Arbeit erkannten sie, dass Gebäudeautomation im Privatkundenbereich wahlweise etwas für technisch versierte Tüftler oder für Vermögende ist. „Nach erschwinglichen Plug&Play Lösungen suchten wir vergebens“, so Schöllig. Als einen Grund dafür machten sie das Nebeneinander von Funkstandards wie Z-Wave, ZigBee und EnOcean aus. Per Funk steuerbare Lichtschalter, Steckdosen, Heizungsventile, Rollläden oder Sensoren von unterschiedlichen Herstellern sind wegen der Vielfalt an Protokollen oft nicht kompatibel. „Es gibt viele Insellösungen“, erklärt er.

Dem Quartett leuchtete dieser Missstand nicht ein. Also machte es sich mit vereinten Kräften daran, per Software Brücken zwischen diesen Insellösungen zu schlagen. Erst nach und nach wurde ihnen das Potenzial des Brückenschlags klar: wo sich die Schalter, Ventile und Sensoren herstellerübergreifend per Funk steuern lassen, können nicht nur die jeweils günstigsten Hardwarelösungen kombiniert werden. Sondern es wird möglich, sie über jene internetfähige Zentrale miteinander zu verbinden, die ohnehin in fast jedem Haushalt vorhanden ist: den DSL-Router.

Exakt das haben die vier getan und mittlerweile auch Apps für Apple und Android programmiert, mit denen diese Zentrale auch dann Befehle entgegen nimmt, wenn die Nutzer unterwegs sind. Umgekehrt meldet sie sofort, wenn Bewegungs- und Brandmelder oder Fenster- und Türensensoren verdächtige Signale funken.

Seit Oktober 2012 sind die vier Studenten Unternehmer, die ihre Lösung unter dem Produktnamen „Homee“ anbieten – und weiterentwickeln. Aktuell bereiten sie mit zwei mittelständischen Unternehmen aus der schwäbischen Umgebung die Fertigung eigener Hardware vor: kleine bunte stapelbare Würfel, in denen W-LAN- und Funk-Module für die unterschiedlichen standardisierten Protokolle untergebracht sind. „Wir reagieren mit dieser Stand-Alone-Lösung darauf, dass nicht alle DSL-Router unsere bisherige Hard- und Softwarelösung akzeptieren“, erklärt Wunder. Das aber widerspreche der Philosophie, dass „Homee“ auch blutigen Laien direkt nach dem Einstöpseln reibungslos dienen soll. Außerdem erlaube es der modulare Ansatz, die smarte Gebäudetechnik jederzeit um neue Funkstandards zu erweitern.

Der Schritt aus der Uni in den Chefsessel verlief für die Gründer erstaunlich glatt. Das lag auch daran, dass Wunder neben Informatik vier Semester Entrepreneurship studiert und sein Studium obendrein mit selbstständiger Arbeit finanziert hat. „Ich habe nebenher Industrieanlagen geplant“, berichtet der ausgebildete Mechatroniker.

Dieser unternehmerische Hintergrund und das Gründerstudium prädestinierten ihn für den betriebswirtschaftlichen Part. Mit Schöllig übernahm er die Geschäftsführung. Beide kümmern sich zudem um die App-Entwicklung, während sich die Zwillinge auf die Linux-Programmierung, die grafischen Oberflächen und den Aufbau des Online-Shops konzentrieren, in dem die Gründer allerlei Funk-Schalter, -ventile, -steckdosen und Sensoren verkaufen.

Finanziert haben sie ihr Start-up aus unterschiedlichen Quellen. Einerseits nahm sie früh ein Business Angel unter seine Fittiche, der beim Businessplan-Wettbewerb von „Baden-Württemberg: Connected“ (bwcon) auf sie aufmerksam wurde. Andererseits haben sie in Wettbewerben diverse Preisgelder eingestrichen und Fördermittel aus dem Innovationsgutschein-Programm des Landes Baden-Württemberg erhalten. Das Land übernimmt in dessen Variante „Innovationsgutschein B Hightech“ die Hälfte von maximal 40 000 € Ausgaben für Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen inklusive Materialkosten für Prototypen. „Der Zuschuss hat es uns ermöglicht, unsere Hardware-Würfel mit einer professionellen Designagentur zu entwickeln“, berichtet Schöllig.

Mit ihrer Hardware-Lösung „Homee 2.0“ wollen die Gründer die nächste Phase ihres Unternehmens einläuten. „Wir wollen personell wachsen und uns dabei vor allem bei Marketing und Vertrieb verstärken“, sagt Wunder. Dafür wird das Quartett perspektivisch Kapital benötigen. Ihre Idealvorstellung wäre ein Investor, der neben Geld eine Vertriebsstruktur mitbringt und sein Produktportfolio mit der Lösung des Start-ups ergänzen will. „Auch die Übernahme durch einen solchen Investor käme infrage, wenn sie beide Seiten voranbringt“, sagt er.

Zu bieten hat Codeatelier schon jetzt eine Menge. „Gebäudeautomation wird mit Homee massenmarkttauglich. Schon mit 800 € lässt sich eine Vierzimmerwohnung komplett mit ferngesteuertem Licht und Steckdosen, Heizkörpern, Jalousien sowie Fenstersensoren ausrüsten“, erklärt Wunder. Daneben gebe es das bereits bestehende Fertigungsnetzwerk für die Hardware, das Kern-Know-how im Softwarebereich und nicht zuletzt das bestens eingespielte Gründerteam.

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Von PETER TRECHOW | Präsentiert von VDI Logo
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