20.10.2013, 12:00 Uhr | 0 |

Start-up-Porträt Skoobe bietet Bücherflatrate

Das Münchener Start-up Skoobe bietet eine Bücherflatrate. Kunden zahlen monatlich zwischen 9,99 Euro und 19,99 Euro und können dafür lesen, soviel sie wollen.

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Henning Peters gründete Skoobe im Auftrag von zwei Verlagen. Abonnenten können für knapp 10 Euro pro Monat die Bücher aus 250 Verlagen lesen.

Foto: Skoobe

Henning Peters ist seit seinem 17. Lebensjahr Unternehmer. Er war Mitgründer der Jobbörse Absolventa und beteiligte sich als Business Angel an Start-ups. Nun ist er angestellter Geschäftsführer – und doch Gründer geblieben. Denn sein Arbeitgeber, die Münchener Skoobe GmbH, ist ein „Auftrags-Start-up“. Auftraggeber sind die Verlagsgruppen Random-House und Holtzbrinck.

Seit Gründung Mitte 2010 treibt Peters den Aufbau von Skoobe voran. „Im Team mit 14 Mitarbeitern und bis vor Kurzem mit CEO Christian Damke“, betont er. Der Sprung von Start-up zu Joint Venture war für ihn unproblematisch. „Als Softwareentwickler bin ich es ohnehin gewohnt, Ideen Anderer umzusetzen“, sagt er. Zudem herrsche bei Skoobe Start-up-Atmosphäre: „Wir sind ein junges Team, haben im operativen Geschäft viel Freiraum und auch die Kontrolle ist vergleichbar.“ Statt einer VC-Gesellschaft berichte er nun den Geschäftsführern der Verlagshäuser.

Unterschiede zum unabhängigen Start-up sieht Peters darin, dass nun im Umfeld viel operative Erfahrung abrufbar ist. Außerdem fallen die Finanzierungssorgen weg. „In Start-ups beginnt nach einer Finanzierungsrunde sofort die Arbeit an der nächsten.“ Skoobe könne sich dagegen auf das Wesentliche konzentrieren: den Aufbau einer Bibliothek.

Statt eBooks einzeln zu kaufen, bezahlen Kunden bei dem Portal einen monatlichen Mitgliedsbeitrag. Je nach Tarif sind das 9,99 Euro 14,99 Euro oder 19,99 Euro. Dafür können sie mit bis zu drei Endgeräten so viele Bücher lesen, wie sie wollen. „Unsere Kunden sind frei, zu stöbern. Sie können Bücher anlesen oder nur kurz etwas nachschlagen“, so Peters. Je nach Tarif dürfen sie zwischen drei und 15 Bücher gleichzeitig ausleihen. Leihfristen gibt es nicht.

Zum Lesen der eBooks braucht es kostenlose Apps, die das Team für iPad, iPhone, iPod touch, Android-Geräte und den Kindle Fire entwickelt hat. „Nur unsere App öffnet bei uns abgerufene eBooks und stellt sie korrekt dar“, erklärt der CTO. Das sei angesichts der geringen Abo-Preise genug Schutz vor unberechtigtem Vervielfältigen. „Es wird immer irgendwie möglich sein, Inhalte zu kopieren. Doch Aufwand und Ertrag stehen hier in keinem Verhältnis.“

Die Skoobe-Apps entwickelt das Team mit Blick auf den Aufwand für künftige Plattformen in den Programmiersprachen C und C++ – also plattformunabhängig. Stolz ist Peters auch auf die Layout-Engine. Sie basiert auf dem OpenSource-Webbrowser Dillo, der für leistungsschwache Endgeräte optimiert ist. So erreicht Skoobe zügige Downloads trotz hoher Darstellungsqualität in allen Displayformaten. „In Sachen Schnelligkeit sind wir weit vorn“, sagt er. So ließen sich die eBooks im Schnitt binnen 2 s öffnen. Und da das Know-how inhouse verfügbar ist, könne man Probleme sofort lösen.

Konkurrenz durch eReader fürchtet Peters nicht. Deren Anbieter versuchen, mit geschlossenen Systemen, die nur bei ihnen gekaufte Bücher lesbar machen, Claims abzustecken. Peters sieht dieses Modell auf dem absteigenden Ast. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis offene Reader auf den Markt kämen oder die steigende Qualität von Smartphone- und Tablet-Displays eReader überflüssig mache. „Mit unserer App-Lösung sind wir gut aufgestellt“, sagt er.

Darin bestärken ihn nicht nur positive Urteile der Fachpresse, sondern auch die nackten Zahlen. Im ersten Jahr des operativen Geschäfts hat sich der Umfang der Skoobe-Bibliothek auf fast 30.000 Titel verdoppelt und die Zahl der angeschlossenen Verlage stieg von 250 auf 400. Die Kundenzahl nennt das Unternehmen nicht. Ein Hinweis gibt die Zahl der Downloads der Lese-App: Bis August waren es 300.000.

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