15.11.2013, 12:11 Uhr | 0 |

Start-up-Porträt: SimScale Simulieren im Webbrowser

SimScale nennt sich ein Gründerquintett, das Simulationstechnologien ins Web verlagern will. Statt Zehntausende Euro für Soft- und Hardware auszugeben, sollen gerade kleine und mittlere Betriebe zu festgelegten Stundensätzen per Webbrowser simulieren. Hightech-Gründerfonds, Bayern Kapital sowie drei Business Angels hat das Team schon von seinen Plänen überzeugt.

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Die SimScale-Gründer David Heiny, Vincenz Dölle, Alexander Fischer, Anatol Dammer und Johannes Probst (v.l.) ermöglichen kleinen Unternehmen, mit professioneller Simulationstechnik zu arbeiten.

Foto: Simscale

Keine 60 Sekunden dauert das Gespräch, da ist David Heiny schon voll im Thema. „Wir sehen uns aktuell nicht als Konkurrenz zu Anbietern klassischer Simulationssoftware, sondern wir wollen die Barrieren für Betriebe senken, die noch nicht simulieren“, sagt der Mitgründer der SimScale GmbH aus Garching.

Hinter dem 2012 gegründeten Start-up stehen fünf junge Ingenieure, Mathematiker und Informatiker. Alle haben sich im Studium auf Simulation spezialisiert. „Wir haben simuliert, Tools entwickelt und eigentlich ständig Open-Source-Code genutzt und generiert“, sagt Heiny, der für das Quintett spricht. Nach dem Studium beschlossen sie, ihr geballtes Know-how gemeinsam als Simulationsdienstleister zu vermarkten.

Die Idee webbasierter Simulationen geisterte da bereits in ihren Köpfen. Sie hatten vage Konzepte für eine entsprechende Plattform und deren Programmierung. Und sie erlebten selbst, wie teuer die Soft- und Hardware für thermodynamische, akustische, fluid- oder strukturmechanische Simulationen ist. „Allein die Software kostet so viel wie ein gehobener Mittelklasse-Wagen. Auch für die Hardware fallen hohe Fixkosten an“, so der Gründer. Das sei für kleinere Betriebe kaum leistbar, zumal sie die Systeme meist nur temporär brauchen.

Vor diesem Hintergrund beschloss das Team Mitte 2011, die Idee webbasierter Simulation genauer zu untersuchen. „Unsere Machbarkeitsstudie hat uns endgültig davon überzeugt, es anzugehen“, so Heiny. Parallel zu Dienstleistungsprojekten trieb das Quintett die Entwicklung der Plattform voran. Zugleich streckten sie die Fühler nach Kapital aus. „Für ein Exist-Gründerstipendium waren wir zu weit, für VC-Firmen nicht weit genug“, sagt er. Ein typischer Fall für eine Seed-Finanzierung also. Diese kam Ende 2012 zustande. Hightech-Gründerfonds (HTGF), Seedfonds Bayern und drei Business Angels beteiligten sich an SimScale.

Seither konzentriert sich das Team voll auf seine Plattform. Neben finanziellen soll sie inhaltliche Einstiegshürden senken. Denn auch die Komplexität und der schnelle Fortschritt der Simulationstechnik erschweren kleinen Betrieben den Einstieg. Das Start-up reagiert darauf mit einer interaktiven Anleitung der Nutzer. Und im Sinne steter Aktualisierung und schnellen Know-how-Transfers sollen Ingenieurbüros, Unis und Softwarehäuser neu entwickelte Tools auf der Plattform vermarkten. „Einerseits erreichen sie über die SimScale-Community viele Nutzer und damit auch potenzielle Beratungskunden. Zum Anderen können sie sich für die Nutzung ihrer Tools direkt bezahlen lassen“, erklärt Heiny. Und zwar, indem sie wie das Start-up selbst eine Marge auf jene Gebühren aufschlagen, die für die beanspruchte Rechnerleistung anfällt.

SimScale selbst investiert nicht in Hardware, sondern vermittelt seine Kunden samt Projektdaten an die Rechenzentren großer Cloud-Anbieter. Dort haben sie freie Wahl, wo ihre Simulationen von wie vielen Prozessorkernen gerechnet werden; auf Wunsch bleiben alle Daten im Inland und unterliegen damit dem deutschen Datenschutzrecht. Doch ist fraglich, wie viele Mittelständler bereit sind, Daten von Neuentwicklungen an Rechenzentren zu übermitteln.

„Das ist ein hoch emotionales Thema“, räumt Heiny ein. Rational betrachtet seien die Sicherheitsvorkehrungen professioneller Rechenzentren viel umfassender als in einem normalen Betrieb. Doch letztlich müsse jeder Unternehmer für sich abwägen, ob der Mehrwert webbasierter Simulation oder das diffuse Risikogefühl überwiegt.

Damit Kunden diese Entscheidung leichter treffen können, bietet das Start-up einen Gratis-Einsteigertarif. Auch danach können sich Kunden schrittweise annähern: Der Umfang der Nutzung ist frei skalierbar. Kosten fallen erst an, wenn Kunden den Befehl zum Rechnen einer Simulation geben. Nach dem Befehl bleibt der Computer des Nutzers voll einsatzfähig. Denn die rechenintensiven Simulationen laufen im fernen Rechenzentrum. „Anschließend können die Simulationsergebnisse mit marktüblichen Browsern visualisiert werden“, so Heiny. Das schlanke Verfahren, so hofft er, könnte auch Großkunden anlocken, die Simulationen auslagern, wenn die eigenen Systeme ausgelastet sind.

Aktuell arbeitet das Quintett mit ersten Mitarbeitern intensiv an der Umsetzung der Plattform und der Einbindung erster Lösungen von Drittanbietern. Daneben feilen sie mit den Business-Angels an kommerziellen und rechtlichen Feinheiten. „Dabei sind die Erfahrungen der Drei goldwert“, betont Heiny. Zumal keiner der Gründer einen kaufmännischen Hintergrund oder längere Berufspraxis hat. Dieses Defizit machen sie mit Engagement wett. Wenn alle im Team so sehr für das Projekt brennen wie Heiny, dann wird dieses Start-up seinen Weg gehen.

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Von P. Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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