15.07.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Portrait "Handy Power" Russischer Gründer will Akku mit Wasser aufladen

Um den Akku seines Handys aufzuladen, braucht Rinat Nafikov kaum mehr als einen Schluck Wasser. Vorsichtig befüllt er damit ein Aluminiumgehäuse. Darin steckt eine grüne Patrone, kleiner als eine Streichholzschachtel. „Sie enthält aktiviertes Aluminiumpulver“, so der Moskauer. „Dieses reaktionsfreudige Metall entzieht dem Wasser den Sauerstoff.“ Übrig bleibe Aluminiumoxid – und Wasserstoff. Letzteren verwandelt eine Brennstoffzelle in elektrische Energie. Eine Patrone liefere 1500 mAh. „Genug, um damit binnen 90 Minuten einen Standardakku zu laden.“

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Rinat Nafikov, Mitgründer von „Handy‧Power“ aus Moskau, will Akkus laden mit Hilfe von Brennstoffzellen. Rechts ein Prototyp, links das Design des Zielprodukts.

Foto: S. Asche

Im ersten Quartal 2015 soll der Verkauf des Ladegeräts starten. 30.000 Einheiten will das Start-up „Handy Power“ im ersten Jahr herstellen. Die weltweite Nachfrage nach portablen Brennstoffzellen-Ladegeräten beziffert Mitgründer Nafikov auf 7 Mio. Einheiten. Eine Patrone soll nach Angaben des Finanzexperten weniger als 1 Euro kosten. Das Stecksystem mit Brennstoffzelle und Wandlungselektronik werde mit rund 50 Euro zu Buche schlagen.

Nafikov sieht sein System im Vorteil gegenüber anderen Speichern. „Es ist leichter als Lithium-Ionen-Akkus und günstiger als ein Vorrat von Batterien der Gerätehersteller.“ Umweltfreundlich sei es auch. „Die Patronen werden wir im Rahmen eines Pfandsystems recyclen.“

In puncto Sicherheit scheut Nafikov keinen Vergleich. „Der US-Wettbewerber Lilliputian Systems nutzt statt Aluminium Butangas als Energieträger. Im Inneren ihres Westentaschenreaktors entstehen Temperaturen von 900°C – das ist heiß!“ Auch die Konkurrenz aus Fernost schreckt Nafikov nicht. „Toshiba baut Ladegeräte mit Brennstoffzellen auf Methanolbasis. Diese Flüssigkeit ist – anders als unser Aluminium – hochgiftig.“

Finanziert hat sich das Jungunternehmen bisher mithilfe der staatlichen Skolkovo-Stiftung. Insgesamt wurden 350.000 Euro in die Entwicklung investiert. „Etwa die gleiche Summe brauchen wir jetzt noch, um den Prototypen zu perfektionieren und die Produktion anlaufen zu lassen.“

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