29.09.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Start-up-Porträt Neue Übersicht in der Patentflut

Die Zahl der erteilten Patente wächst um über 1 Mio. jährlich. Patentrecherchen werden dementsprechend stetig komplexer. Die Gründer von Novis IP schaffen Übersicht. In Sekunden gleichen ihre Algorithmen Terrabytes an Patentdaten in semantischen und statistischen Analysen ab. Schon mehrere Dax-Konzerne zählen zu den Kunden der Münchener.

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Das Team der Novis IP GbR: Dietmar Harhoff, Matthias Pötzl, Michael Natterer und Douglas Bahiense.

Foto: Novis IP

„Die Motivation unsere Software zu nutzen, ist bei unseren Kunden ganz unterschiedlich“, berichtet Matthias Pötzl, Mitgründer der Novis IP GbR. Mal seien es Patentrecherchen im Vorfeld von Anmeldungen. Mal Analysen der F&E- und Patentstrategien von Wettbewerbern. Zuweilen gehe es um potenzielle Absatzmärkte für bestehende Technik. Und Headhunter und Personalabteilungen würden damit nach Spezialisten in bestimmten Technologiebereichen fahnden.

Das Spin-off des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb sowie der LMU München basiert auf selbst entwickelten Algorithmen, die in Sekunden viele Millionen Patente abgleichen. „Patentdatenbanken sind heute mehrere Terrabyte groß“, sagt Pötzl. Jährlich kamen zuletzt weltweit über 1 Mio. Neuanmeldungen dazu. Das Besondere an der Novis IP-Software: Neben statistischen Daten rund um Anmeldung und Anmelder gleicht sie die Volltexte sämtlicher Patente ab. Für die semantische Feinanalyse identifiziert sie Wortstämme und gewichtet die jeweilige Bedeutung der Begriffe in den Patenten. „Das Sprachverständnis einer Maschine ist natürlich nicht so präzise wie das eines Menschen, doch sie kann wesentlich mehr Informationen und Parameter zugleich abgleichen und kompensiert dadurch mangelnde Präzision“, so der Gründer.

Die Software filtert alle für den Suchauftrag relevanten Patente aus den Datenbanken. Patentanwälte, Recherche-Dienstleister oder Entwickler finden in dieser Auswahl, wonach sie suchen. „Wir sind bereits mit gut der Hälfte aller Dax-Firmen im Gespräch“, so die Gründer.

Und das, obwohl sie das Start-up von 2012 bis Juli 2014 nebenher führten. Urzelle sind Pötzl, Michael Natterer und ihr Doktorvater Dietmar Harhoff. Letzterer ist Direktor des Max-Planck-Instituts und gilt als Koryphäe im Bereich Intellectual Property. Die Suchalgorithmen waren schon lange Teil seiner Forschung, bevor sie Natterer in seiner Dissertation zur Marktreife trieb – und bei Pilotkunden erprobte.

Das durchweg positive Echo überzeugte das Trio, die Vermarktung zu forcieren. Seit Juli treiben Natterer und Pötzl die Gründung als Stipendiaten im Exist-Förderprogramm voran. Mit Douglas Bahiense und Florian Klemt haben sie zwei IT-Experten für ihr Team gewonnen, mit deren Hilfe sie ihre Software für globale Recherchen in verschiedenen Sprachen fit machen. Noch funktioniert der semantische Volltextabgleich nur in englischer Sprache.

Gerade die explodierende Zahl chinesischer Anmeldungen – bis 2020 sollen es nach Regierungsplänen jährlich 2 Mio. sein – sorgt wegen der Sprachbarriere für Verunsicherung. Ohnehin schwingt wegen der global anschwellenden Patentflut immer mehr Unsicherheit mit, ob die Vorab-Recherche tief genug war. Auch die Überwachung der Neuanmeldungen auf etwaige Verletzungen ihrer Schutzrechte wird für Unternehmen immer komplexer. Die Software der Münchener soll hier für neue Übersicht sorgen.

Als Team werden sie die Exist-Phase nutzen, um ihre Software zu optimieren. „Wir wollen uns dabei möglichst lange aus laufenden Einnahmen finanzieren“, so Pötzl. Doch dränge sich der Schritt in globale Märkte förmlich auf. „Spätestens dann werden wir eine externe Finanzierung brauchen“, sagt er. Auch in dieser Frage will das Team in der Förderphase weiterkommen. Dafür sucht es auch Kontakte im Silicon Valley. Der US-Markt ist interessant und die Gründer haben dort ein gutes Argument: Ihre Software geht auch auf Harhoffs Forschung am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zurück.

http://www.novis-ip.com

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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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