03.04.2013, 16:48 Uhr | 0 |

Start-up Porträt Lernstift vibriert bei Schreibfehlern

Die Pädagogin Mandy Wolsky wünschte sich für ihren Sohn einen Stift, der bei Schreibfehlern ein Signal abgibt. Ehemann Falk (Foto) hat die Idee umgesetzt. Die gemeinsame Lernstift UG soll noch in diesem Jahr an den Markt gehen.

Falk Wolsky
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Im Prototyp des Lernstiftes sind Sensoren, die alle Handbewegungen des Nutzers registrieren

Foto: Lernstift UG

Im Prototyp des Lernstiftes sind Sensoren, die alle Handbewegungen des Nutzers registrieren. „Diese Informationen werden in ein 2-D-Abbild gewandelt“, erklärt Falk Wolsky. „Die erstellte 2-D-Form wird anschließend einer Handschriftenerkennungssoftware zugeführt.“ Ein ebenfalls integriertes Rechtschreibprogramm überprüft dann das Geschriebene. Steht da statt „Bahn“ etwa „Bahhn“, schüttelt sich das Gerät.

Der Lernstift wird via WLAN netzwerkfähig sein. Über den heimischen PC oder das Smartphone können andere Sprachen aufgespielt werden. Außerdem wird es eine ganze Reihe von Apps geben, die mit dem Stift interagieren – Lernerfolgsmessung, Lernspiele, bis hin zu Mathetrainern sind in Planung.

Im Rechtschreibmodus erkennt der Stift orthografische Fehler in einzelnen Worten. In Zukunft sollen auch grammatikalische Fehler erkannt werden. Schulanfänger können auch den Schönschreibmodus wählen: Dann geht es darum, ob ein Buchstabe sauber ausgeführt ist.

Der Rechtschreibmodus ist auch für Erwachsene interessant. „Wir haben Anfragen von Legasthenikern und Sprachlernern“, so Wolsky. Es gebe bereits über 600 Vorbestellungen.

Dabei steckt der Lernstift noch mittendrin in der Entwicklung. So wird gerade am Timing gearbeitet: Wann soll der Stift den Fehler signalisieren? Nachdem der Schreiber das falsche Wort gerade beendet hat? In Händen von Lernanfängern könnte das Gerät dann ständig vibrieren: ganz schön frustrierend. Oder erst am Zeilenende? Nach der Produktion der ersten Kleinserien im Sommer soll das Produkt mit Schülern und Erwachsenen getestet und in der Handhabung optimiert werden.

Ende 2013 soll die Erfindung auf den Markt kommen. Produzieren will das Start-up selbst. Der Vertrieb läuft zunächst über den eigenen Online-Shop, möglichst bald aber auch über den Einzelhandel und große Versender von Büroartikeln und Konsumelektronik. Auch die Kooperation mit Bildungseinrichtungen und Verlagen sei denkbar. „Unser Fernziel ist ein Preis von 40 Euro bis 50 Euro. Erst wenn der Stift so günstig ist, werden ihn die Eltern den Kindern überlassen“, sagt Wolsky. Die ersten Exemplare werden zunächst das Dreifache kosten. 2014 wird dann die 70 Euro-Marke angepeilt.

Falk Wolsky hat sich schon als Kind für Computer begeistert und ist ein Seriengründer im Bereich Internet. Co-Founder der Lernstift UG ist der Hamburger Werbetexter Daniel Kaesmacher. Die Gesellschafter haben die Rechtsform der UG (Mini-GmbH) ausgesucht, weil sie eine unkomplizierte Gründung mit wenig Startkapital ermöglicht. Ihre allererste Finanzierungsrunde absolvieren die Jungunternehmer aktuell in einem selbst organisierten Crowdfunding. Auf ihrer Website werben sie um Investoren, die mindestens 500 Euro anlegen wollen. Knapp 30 gebe es schon, so Wolsky. Das Ziel für das DIY-Crowdfunding sind 50.000 Euro. „Ich bin sehr zufrieden, mit Privatinvestoren arbeiten zu können“, sagt Wolsky. Komplexität und Zeitaufwand stünden hier im optimalen Verhältnis.

Zu den Investoren zählt die Lern-Plattform Tutorize.com. Geschäftsführer Michael Morgen sieht Potenzial für Kooperationen. Die Verbindung des Stifts mit Handy oder Computer ermögliche eine Erfolgskontrolle des Lernens. Morgen: „Lehrer können auf Tutorize.com Aufgaben an die Schüler verteilen. Gegenüber einer bisherigen Hausarbeit auf Papier bietet der Lernstift Vorteile, da dem Lehrer ein Playback des Schreibvorgangs angezeigt werden kann.“

Tatkräftige Unterstützung erhält das Lernstift-Team auch von Wayra, dem Start-up-Förderprogramm der Telefónica. Zudem ist eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Kickstarter geplant. Wolsky hofft auf über 300.000 Euro. „Gleichzeitig wollen wir damit eine Reihe neuer Kunden für den Lernstift gewinnen.“

Der Stift kann jeweils nur eine Sprache. Zum Markteintritt sind deutsch und englisch geplant. Wenn man z. B. die deutsche Rechtschreibung ausreichend beherrscht, aber Englisch noch üben muss, kann man per PC oder Smartphone einfach eine andere Sprache installieren. Je nach Nachfrage sollen zügig weitere Sprachen verfügbar werden. Der Stift wird in der Hardware nur wenige Veränderungen erfahren, verspricht Wolsky, sodass man auch mit einer frühen Version des Geräts auf dem aktuellen Stand bleiben kann.

„Wir können dank der Bewegungssensoren auch in der Luft schreiben“, sagt Wolsky. Das klingt zunächst spinnert, eröffnet aber weitere Möglichkeiten: Eine SMS ließe sich in den Äther skizzieren und per WLAN aufs Handy übertragen. Mehrere Personen könnten ihre Stifte vernetzen und Ideen wie auf einem digitalen Whiteboard gemeinsam zeichnen. (mjd/sta)

http://www.lernstift.com

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Von M. Jordanova-Duda/Stefan Asche
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