21.07.2015, 12:00 Uhr | 0 |

Portrait: Payever Freie Kassenwahl in Geschäften und Webshops

Payever verschafft Händlern und anderen Firmen maximale Flexibilität beim Kassieren. Mit kinderleicht zu installierenden Apps können sie ihren Kunden das Bezahlen per PayPal, Sofortüberweisung, Kreditkarte oder Bitcoins sowie im Raten- und Rechnungskauf anbieten.

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Die Payever-Gründer Artur Schlaht (li.) und Viktor Butsch machen es (Online-)Einzelhändlern und Gewerbebetrieben kinderleicht, verschiedene Bezahlvarianten anzubieten.

Foto: Payever

Schon als Schüler war Artur Schlaht selbstständig. Er handelte auf Ebay. Als Student baute er später den Eigenkapital-Marktplatz fianc.me auf. In all den Jahren hat er sich über komplizierte Bezahl-Schnittstellen geärgert. Diesen Groll hat er mittlerweile in konstruktive Bahnen gelenkt und mit Viktor Butsch die Payever gegründet. Das Unternehmen bietet Bezahl-Lösungen für kleine Läden, Online-Shops, Handwerker und andere Gewerbetreibende an, die ihren Kunden Flexibilität beim Bezahlen bieten wollen.

Über 3000 Händler und Betriebe hat das Start-up schon überzeugt. Auch bei Jurys von Gründerwettbewerben kommt Payever bestens an. Reihenweise Hauptpreise hat das Team eingeheimst – und damit zehntausende Euro an Siegprämien. Damit und mit einem Exist-Gründerstipendium haben Schlaht und Butsch ihr Unternehmen bisher finanziert. Jüngst hat sich nun auch der Hightech-Gründerfonds (HTGF) beteiligt. Zwischenzeitlich hatte Payever bereits Accelerator-Programme von ProSiebenSat.1 und Microsoft durchlaufen. Und obendrein ist es dem Team gelungen, Kooperationen mit der Santander Bank und der dänischen Debitoor zu schließen, deren Rechnungssoftware von 275.000 Kunden in 30 Ländern genutzt wird.

Der Kurzabriss der kaum zweijährigen Firmengeschichte zeigt, dass das Hamburger Start-up die Dynamik im Fintech-Markt zu nutzen weiß. Angefangen hat alles in Würzburg. Butsch arbeitete an seiner Promotion. Schlaht quälte sich durchs Studium, weil er nebenher den leidlich angelaufenen Eigenkapital-Marktplatz pushte. „Wir haben öfter über Geschäftsideen im Finanzsektor geredet und sind auf eine Lücke gestoßen. Es gab im Online-Handel keinen Ratenkauf“, berichtet Butsch. Sie fingen an zu recherchieren und fragten in einer Telefonumfrage einige hundert Händler nach den Gründen. Ergebnis: mangelnde Angebote von Banken und ein zu hoher technischer Aufwand.

Die Gründer bastelten jedem Kunden eine eigene Formular-Webseite

Für Schlaht und Butsch kam der Stein ins Rollen. Um die Technik so einfach wie möglich anzugehen, dachten sie über Weiterleitungslösungen nach – und befragten die Händler erneut: Würde ein Link im Bezahlvorgang helfen, der Kunden zu Ratenkauf-Angeboten leitet? – Fast alle Befragten bejahten. Mit diesem Votum in der Tasche machte sich das Duo auf die Suche nach einer Bank – und fand Santander. Danach entwarfen sie mit OpenSource-Software ein Online-Formular, in das Kunden alle nötigen Daten für den Ratenkauf eingeben konnten.

Nicht minder pragmatisch ging es weiter. „Wir haben jedem Händler, der zu uns kam, seine eigene Formular-Webseite gebaut. Ausgefüllte Formulare gingen automatisch an die Bank“, berichtet Schlaht. Hunderte Webseiten entstanden über die immer mehr Transaktionen liefen. Erste Provisionen von Bank und Händlern flossen. Und die Händler wollten mehr: „Sie fragten, ob wir günstige Lösungen für flexibles Bezahlen hätten – Kreditkarte, PayPal, Sofortüberweisungen oder Bitcoins“, so der Gründer.

Die Anfragen waren das Startsignal. Mitte 2013 brachen Schlaht und Butsch ihre Zelte an der Uni ab und konzentrierten sich voll auf die Gründung. Finanziert mit Gründerstipendium und Preisgeldern professionalisierten sie ihre Lösungen. In den Accelerator-Programmen sammelten sie Tipps und Know-how. „Wir haben unter anderem den Rat bekommen, unser Angebot auf Handwerker, Betriebe und den stationären Handel auszuweiten“, so Schlaht. Im modular aufgebauten Angebot von Payever können diese die Bezahl-Möglichkeiten auswählen, die sie ihren Kunden anbieten wollen. Installiert wird mittels eines kinderleichten Online-Prozesses – gratis. Auch bis zu zehn Transaktionen monatlich sind kostenfrei. Wer mehr Bezahlvorgänge abwickelt, zahlt 10 Euro monatlich plus 0,10 Euro pro Transaktion an die Gründer. Dafür können Händler, Handwerker und andere Gewerbetreibende ihr Smartphone, Tablet oder PC zum vollwertigen Kassensystem machen. Belege können sie per SMS oder Mail an Kunden senden. Obendrein bietet Payever in Kooperation mit den Partnern Tools zur Umsatzauswertung, Buchhaltung und Kundenanalyse.

Schlaht hat die Kooperation so hemdsärmelig angebahnt, wie die gesamte Gründung: „Ich habe den Chef von Debitoor über LinkedIn geschrieben, dass unsere Lösungen gut zusammenpassen“, berichtet er. Prompt kam eine Einladung nach Kopenhagen, aus der sich die Zusammenarbeit ergab.

Angesichts der Kooperationsbereitschaft und ihrer einfach gestalteten Lösung sehen die Gründer keine Grenzen für ihr Modell. Abo- und Gutscheinsysteme lassen sich darüber ebenso abwickeln, wie Shops auf Facebook oder Instagram. Denn statt aufwendiger Integration und Wartung teurer Bezahlschnittstellen in Shopsystemen reicht das Installieren ihrer Apps, Plug-Ins oder HTML-Codes.

Sicherheitsprobleme drohen nicht. „Wir selbst gehen nicht mit sensiblen Daten um“, stellt Schlaht klar, „sondern stellen als Mittler nur sichere SSL-Verbindungen zwischen Shops bzw. mobilem Endgerät des Händlers und den gesicherten Systemen der Zahlungsabwickler her.“

Obwohl die Tinte unter den HTGF-Verträgen kaum getrocknet ist, denkt das Team schon über die nächsten Schritte nach. Payever müsse im In- und Ausland noch bekannter werden, damit sich das Geschäft über Transaktionsgebühren und Provisionen trägt. Dazu brauche es weiteres Wagniskapital. „Wir haben den Break-even noch nicht erreicht“, räumt Schlaht ein.

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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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