27.05.2015, 12:00 Uhr | 0 |

Start-up-Portrait: Dedrone Abwehr der Bedrohnung

Das 2014 im hessischen Lohfelden gegründete Unternehmen Dedrone entwickelt den Drone-Tracker. Das Gerät identifiziert unbemannte kleine Flugobjekte zuverlässig und schlägt notfalls Alarm. Seit April testen ersten Kunden aus Autoindustrie, Justiz und dem Rüstungsbereich das Warnsystem.

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Ingo Seebach, promovierter Maschinenbauer aus dem hessischen Lohfelden, mit dem Dronetracker. Das Gerät identifiziert unerwünschte Flugobjekte, beispielsweise über Industriekomplexen oder Justizvollzugsanstalten.

Foto: Dedrone

„Das hat ein extrem großes Potenzial für Gutes wie auch für Böses“, dachte Ingo Seebach, als er vor zwei Jahren einen Vortrag über Drohnen hörte. Obwohl er bis dahin keine Ahnung von der Materie hatte, machte sich der promovierte Maschinenbauer aus Lohfelden bei Kassel gemeinsam mit Mathematikern und Informatikern an die Entwicklung eines Drohnentrackers. Anfang 2014 gründete er das Unternehmen Dedrone – und bewies damit eine gute Nase: Seit Ende 2014 häufen sich die Nachrichten, was man alles mit Hobbydrohnen anstellen kann. Die Fluggeräte wurden über dem Élysée-Palast und französischen Atomkraftwerken gesichtet, störten ein internationales Fußballspiel und die Dreharbeiten von Star Wars, landeten auf dem japanischen Regierungssitz, stürzten auf zwei deutsche Gefängnisse und flogen in den Garten des Weißen Hauses.

Die Drohnen, meist Multicopter mit mehreren Propellern, sind leistungsfähiger und billiger geworden. Für weniger als 1600 € gibt es Modelle, die mehrere Kilometer zurücklegen, sich per GPS und Autopilot selbstständig orientieren und bis zu 5 kg Last tragen können. Weltweit werden rund 300 000 zivile Drohnen pro Monat verkauft, schätzt Seebach. Auch wenn die meisten ein Freizeitvergnügen sind und schöne Panoramafotos schießen sollen, in Händen von Kriminellen sind sie ein prima Werkzeug für den Schmuggel von Drogen und Waffen, das Ausspähen von privaten oder Betriebsgeheimnissen wie auch für Terrorakte.

Bisherige Erkennungssysteme erfassen die Geräusche oder die Funksignale der Drohne und funktionieren z. B. in lauter Umgebung nicht sehr zuverlässig. Der Tracker des Kasseler Start-ups erfasst mehrere akustische und visuelle Signale des nahenden Objekts. „Das macht unsere Detektion sehr sicher“, sagt Seebach. Das robuste System kombiniert Sensoren für Schall, Ultraschall und Infrarotlicht sowie hochauflösende Kameras und Funkfrequenzen-Scanner. Damit erkennt es nach Unternehmensangaben Drohnen Tag und Nacht in einem Umkreis von 100 m und kann sie von Vögeln, Spielzeug-Hubschraubern und Ähnlichem unterscheiden.

Der Drone-Tracker erkennt die „DNA“ der meisten Drohnen

„Unsere Erkennungssoftware gleicht die Signale automatisch mit einer Datenbank ab, sodass wir im besten Fall sagen können: Das ist eine Drohne Modell XY, sie kann soundso viel tragen und hat eine Reichweite von soundso viel“. Von „Drohnen-DNA“ spricht der Gründer, die sich aus der Gestalt, dem Flugmuster, dem Geräusch und den Funkfrequenzen zusammensetze. Wie bei einem Antiviren-Programm, das stets aktualisiert werden müsse, baue Dedrone seine Datenbank aus und passe die Software an. Die Mitarbeiter schauen sich auf den Modellflugplätzen um, kaufen die Neuerscheinungen, um sie zu fotografieren, abzuscannen und fliegen zu lassen.

Sie vom Himmel zu holen, ist ihre Sache nicht: Zu unklar ist die Rechtslage. „Wir beschränken uns auf die Detektion und gehen davon aus, dass bei unseren Kunden Sicherheitspersonal beschäftigt ist“, so Seebach. Die Sicherheitsleute bekommen den Alarm als Mail oder via Handy-App. Die hochauflösenden Bilder und Videos von den Kameras werden gespeichert: Diese liefern Informationen über Eindringling und Beweise.

Im September soll der Drone-Tracker in Serie gehen

Neben der Autoindustrie, die ihre Testgelände oder Designzentren gern vor fremden Blicken schützen möchte, hat Dedrone die Justiz als potenziellen Abnehmer ausgemacht. Gerichte und Gefängnisse sind sensible Objekte: „Wir haben bei einigen angerufen und viele offene Ohren für unsere Idee gefunden“, erzählt der Geschäftsführer. Um große Objekte abzusichern, können mehrere Tracker zusammengeschaltet werden. Prominente wie auch Luxushotels sind die dritte Zielgruppe des Start-ups: Wer will schon Paparazzi-Drohnen vor dem Fenster oder über dem privaten Strand kreisen haben.

Zurzeit testen die ersten Kunden das Verhalten der Sensoren unter verschiedenen Umweltbedingungen. Mit Herstellern von Alarmanlagen arbeitet Dedrone an gemeinsamen Standards, damit das neue Warnsystem in die vorhandene Ausrüstung problemlos integriert werden kann. Im September soll der Tracker in Serie gehen. Die Komponenten kauft das Unternehmen auf dem Markt und baut sie selbst zusammen. „Unsere Kernkompetenz ist aber vor allem die Erkennungssoftware“, sagt der Firmenchef. Zurzeit hat Dedrone 15 Mitarbeiter, die Zahl dürfte sich bis Ende des Jahres verdoppeln.

In der Anfangsphase aus eigenen Mitteln der Gründer finanziert, konnte das Start-up im April für die weitere Entwicklung und Markteinführung 2,7 Mio. € bei Investoren einwerben. Hauptfinanzierer wurde die Münchener VC-Gesellschaft Target Partners, zusätzlich beteiligten sich drei private Geldgeber. „Das Thema ist spannend, das sehen auch die Investoren so“, sagt Seebach. Die Millionen würden für anderthalb bis zwei Jahre reichen. Danach werde sich zeigen, ob Dedrone aus eigener Kraft weiter wachsen kann.

Seebach weiß, wovon er spricht, denn er ist ein Seriengründer. Ihm gehört auch Seetech, ein Produzent von Filtertechnik für den Bergbau und die Industrie. „Das ist guter deutscher Maschinenbau, ein klassisches mittelständisches Unternehmen, das organisch wächst und nie etwas mit Risikokapital zu tun gehabt hat“, schmunzelt er. Aber die 2008 gegründete Firma laufe gut und brauche ihn nicht mehr im operativen Geschäft. „Ein Unternehmer will immer etwas Neues ausprobieren. Dedrone ist das Gegenteil von Seetech: Ein Software-Start-up von hoher Dynamik und mit hohem Kapitalbedarf, das international expandieren will.“ Eine Niederlassung in den USA ist bereits eröffnet.

http://www.dedrone.com

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Von M. Jordanova-Duda | Präsentiert von VDI Logo
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