18.07.2013, 10:45 Uhr | 0 |

Internet-Plattformen Partnervermittlung für Gründer und Investoren

Plattformen wie EuroQuity, fianc.me oder Capmatch Medical wollen Start-ups und Investoren zusammenbringen. Beide Seiten geben dafür Profil und Interessen ein. Gibt es viel Übereinstimmung, bahnen die Vermittler Kontakte an. Noch sind die Erfolgsquoten aber mäßig.

KfW-Logo
Á

Seit einem halben Jahr kooperiert die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW mit dem Webportal EuroQuity der französischen Förderbank OSEO. Die Börse bringt Kapital suchende Unternehmen und Investoren zusammen. Dadurch können auch deutsche Gründer ihre Geschäftsidee und ihren Kapitalbedarf kostenfrei präsentieren, um mit ihrem Profil Interesse bei Investoren aus aller Welt zu wecken.

Bildquelle: KfW

Seit 2008 betreibt die französische Förderbank OSEO ihr Webportal EuroQuity. Die Börse bringt Kapital suchende Unternehmen und Investoren zusammen. Fast 17 000 Nutzer sind hier registriert, darunter 6400 Investoren, 4000 etablierte Firmen und jeweils über 2000 Gründer und Berater. Und in den ersten fünf Jahren sind laut OESO bereits 165 Mio. € über die Plattform geflossen.

Kooperation mit der KfW

Seit einem halben Jahr steht die Plattform dank einer Kooperation mit der ebenfalls staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auch deutschen Gründern offen. Sie können sich, ihre Geschäftsidee und ihren Kapitalbedarf kostenfrei präsentieren, um mit ihrem Profil Interesse bei Investoren aus aller Welt zu wecken. Zugelassen sind VC-Gesellschaften, Business Angels und Family Offices. Für die Jungunternehmen gilt die Bedingung, dass sie ihren Firmensitz in Frankreich oder Deutschland haben.

Neben dieser nicht kommerziellen, staatlichen Plattform, die für alle Nutzer kostenlos ist, gibt es eine wachsende Zahl privatwirtschaftlicher Vermittler – etwa exchangeBA, fianc.me, Finpoint oder die auf den Life-Science-Bereich spezialisierte Nürnberger Capmatch Medical. Wie bei EuroQuity können Gründer und Investoren hier passwortgeschützt ihre Profile und Interessen eingeben und für andere Nutzer in weitgehend anonymisierter Form sichtbar machen. Sie behalten die Datenhoheit und entscheiden selbst, ob und welchen Interessenten sie wann wie viele Details sichtbar machen.

Interessantes Detail: Die staatliche Partnervermittlungsbörse verlinkt auf die private Konkurrenz. Doch was unterscheidet die kostenpflichtigen Angebote von EuroQuity? Bei Capmatch Medical, einem Ableger des Netzwerkes Nordbayern, ist es die Spezialisierung auf den Bereich Life-Sciences. Die Plattform kooperiert mit dem Medical Valley rund um Nürnberg und vielen weiteren Biotech- und Medizintechnik-Clustern. "Unsere Vision ist es, europaweit zu arbeiten. Deshalb auch der englischsprachige Webauftritt", sagt Projektmanager Alexander Becker.

Capmatch Medical wirbt im Netz mit 135 Deals, bei denen insgesamt 175 Mio. € den Besitzer wechselten. Becker relativiert diese Daten allerdings selbst: "Das sind die Zahlen des Netzwerkes Nordbayern, unser Angebot gibt es ja erst seit November letzten Jahres." Seither habe man zwei Frühphasen-Deals unter Dach und Fach gebracht, weitere würden aktuell verhandelt.

Info-Pakete der Gründer werden redaktionell aufbereitet

Aber brauchen Life-Science-Investoren angesichts der Fülle spezifischer Cluster, Gründerförderer an Hochschulen und Businessplan-Wettbewerben überhaupt weitere Hinweise auf spannende Gründer? Laut Becker ist das durchaus ambivalent. Wenn ein Start-up die dritte Finanzierungsrunde einläute, kenne man sich natürlich. Bei frühen, oft noch fast wissenschaftlichen Projekten sei dem nicht so. "Bei den bisher 36 bei uns registrierten internationalen Investoren stößt unser Angebot offensichtlich auf Interesse", sagt er. Das liegt wohl auch daran, dass es die Plattform nicht beim Web-Kontakt belässt, sondern die Info-Pakete der Gründer redaktionell aufbereitet und das persönliche Gespräch mit den Investoren sucht. Das spart den Investoren Zeit und hilft den Gründern, Interesse zu wecken. Der Preis dafür: einmalig 500 € für die Beratungsleistungen und 3 % des Deal-Volumens als Erfolgsprovision – zu zahlen von den Gründern. Dabei haben die Nürnberger aber eine Obergrenze von 20 000 € eingezogen. "Es geht nicht darum, reich zu werden, sondern finanziell auf eigenen Beinen zu stehen", sagt Becker.

Reich ist auch Artur Schlaht, Geschäftsführer der jungen Würzburger fianc.me, mit der Kontaktvermittlung noch nicht geworden. Bisher finanziert sich das Start-up noch aus staatlichen Fördertöpfen. Das ursprüngliche Konzept, Private Equity Firmen und Mittelständler zusammenzubringen, trug nicht.

Künftige Finanzierung der Plattform fianc.me noch ungeklärt

Im letzten Herbst ist fianc.me darum auf kapitalsuchende Gründer umgeschwenkt. Seither haben sich 2500 Gründer und 1000 Investoren angemeldet. Sie geben komplett anonyme Profile ein. Analog zu Partnerbörsen gleichen Algorithmen die Profile auf Interessenübereinstimmungen hin ab – und regen Kontaktaufnahme an. "Wir beobachten regen Verkehr, es gab tausende Kontaktanfragen in beide Richtungen", berichtet Schlaht. Das Ergebnis der ersten neun Monate: zwei Deals im sechsstelligen Bereich.

Auch wenn die geringe Erfolgsquote der frühen Phase geschuldet sein mag, stellt sich die Frage, wie sich die Plattform künftig finanzieren will. Schlaht glaubt nicht mehr daran, dass Gründer und VC-Gesellschaften den Service bezahlen werden. Allerdings hätten Business-Angels und etablierte Unternehmen Zahlungsbereitschaft signalisiert. Letztere teilweise, weil sie als Corporate-VC interessante Gründungsprojekte suchen, andererseits aber auch, weil ihnen die Plattform eine bequeme Möglichkeit bietet, den Markt auf neue Technologieentwicklungen hin zu scannen. Schlaht schwebt vor, fianc.me künftig über feste monatliche Gebühren der zahlungsbereiten Nutzer zu finanzieren.   

Von P. Trechow | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
MEHR ZUM THEMA
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden