13.03.2013, 14:59 Uhr | 0 |

Markttrends Nachfolge: 8% der Firmen werden von Externen übernommen

Ein großes Defizit herrscht bei mittelständischen Unternehmen, was die Regelung der Nachfolge betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt im Wintersemester 2012/2013 zusammen mit dem Mittelstandsberatungsunternehmen Ecovis durchgeführt haben. Das wichtigste Ergebnis ist: Der Unternehmer muss sich dieser Aufgabe frühzeitig stellen.

Die Herausforderung für die gesamte Volkswirtschaft ist enorm. Nach Angaben der Münchner Stiftung Familienunternehmen sind 93% der rund 2,8 Mio. Unternehmen kleine und mittlere familienkontrollierte Betriebe. Sie erwirtschafteten 2010 mit insgesamt 14,6 Mio. Beschäftigten rund 47% des gesamten deutschen Umsatzes. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung sieht jedes Jahr 22.000 Unternehmen mit 287.000 Beschäftigten in der Situation, die Nachfolge regeln zu müssen. Die Gründe für die Übergabe liegen bei 86% der Unternehmen im Alter, bei 4% in einer Krankheit und bei 10% im Tod der Inhaber.
"Wie es mit dem eigenen Unternehmen einmal weitergehen soll, ist für die Verantwortlichen eine ebenso schwierige wie unangenehme Überlegung", weiß Holger Fischer, Mittelstandsberater von Ecovis Consulting in Würzburg und Betreuer der Studie, aus der Erfahrung mit vielen Mandanten. "Doch die Augen zu verschließen oder notwendige Entscheidungen so lange wie möglich aufzuschieben führt nicht weiter. Am besten ist es, sich möglichst früh mit dem Thema zu befassen und eine durchdachte Lösung zu entwickeln."
Die von Ecovis unterstützte Studie richtete sich an mehr als 2.800 mittelständische Unternehmen in Bayern. Der Rücklauf war mit ca. 8% überdurchschnittlich hoch. Im Durchschnitt hatten die antwortenden Betriebe 40 Mitarbeiter.
Rund 50% der Unternehmen haben bereits die Nachfolge geregelt. Danach sehen 83% eine Übergabe innerhalb der Familie vor, 9% wollen an einen Mitarbeiter übergeben und 8% an einen Fremdgeschäftsführer. Noch völlig im Unklaren sind sich 48%. Von den Unternehmen ohne konkreten Plan haben sich immerhin 12% Gedanken über eine mögliche Übergabe gemacht. So würden 30% eine Übernahme innerhalb der Familie bevorzugen, 38% würden an einen Mitarbeiter und 30% an einen Fremdgeschäftsführer übergeben wollen.
Wer die Nachfolge bereits geregelt hat, geht in 61% der Fälle den Weg einer Schenkung. 21% werden verkaufen und 12% den Nießbrauch übertragen. Bei der Finanzierung planen 16% eine sofortige oder spätere Einmalzahlung, 11% eine monatliche Ratenzahlung, je 21% wollen eine Rente oder streben eine Mischfinanzierung an.
Unternehmer ohne Nachfolgeplanung setzen mit 64% eher auf den Verkauf, nur 24% auf eine Schenkung und 11% auf Übertragung des Nießbrauchs. Bei der Finanzierung können sich 57% eine sofortige oder spätere Einmalzahlung vorstellen, 24% eine Rente und 18% eine Ratenzahlung.
Nur 62% der Unternehmen haben mit einer Notfallregelung auch Vorsorge für den plötzlichen Ausfall des Geschäftsführers getroffen. Rund 46% haben einen Ehevertrag abgeschlossen. Ein Testament haben knapp 56% aufgesetzt und überwiegend mit dem Gesellschaftsvertrag abgestimmt.
Unterstützung brauchen die mittelständischen Unternehmer vor allem bei der Auswahl und Vorbereitung eines geeigneten Nachfolgers, bei steuerlichen Fragen und der Unternehmensbewertung, der Organisation und dem konkreten Ablauf der Nachfolgeregelung.
Fachlichen Rat von außerhalb haben sich bereits 43% aller Unternehmer geholt. Für 93% liegt das Gespräch mit ihrem Steuerberater am nächsten 24% ziehen auch einen Rechtsanwalt und 16% einen Unternehmensberater hinzu. Auf die Angebote der Handwerks- sowie der Industrie- und Handelskammern griffen 11% zurück, auf den Rat einer Bank 7%. Die wichtigsten Themen sind für 66% der Unternehmer die steuerlichen Aspekte und für 56% die Vertragsgestaltung. Immerhin 22% würden Beratung bei der Suche nach einem geeigneten Käufer in Anspruch nehmen, 17% bei Verhandlungen mit dem Käufer, 15% für private Verträge sowie je 11% für die Ermittlung von Grundstückswerten und für Vermögensanlagen. (sta)
http://www.ecovis.com/nachfolge

Anzeige
Von Stefan Asche | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden