30.03.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Börse Weltweiter IPO-Boom geht derzeit noch an Deutschland vorbei

Der weltweite IPO-Markt ist stark ins Jahr 2014 gestartet – weltweit trauten sich so viele Unternehmen an die Börse wie seit 2011 nicht mehr: Im ersten Quartal wurden weltweit 228 Börsengänge (Initial Public Offering, kurz: IPO) durchgeführt – ein Anstieg um 40% gegenüber dem Vorjahr, als nur 163 IPOs gezählt wurden. Das Emissionsvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 75% von 24,4 Mrd. Dollar auf 42,6 Mrd. Dollar. Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY).

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Es geht aufwärts an den weltweiten Börsen. Fast überall steigt die Zahl der Neuemissionen. In Deutschland ist der Elan allerdings weiterhin verhalten.

Foto: istockphoto

Mit Abstand am dynamischsten entwickelte sich der chinesische Markt (einschließlich Hongkong): Die Zahl der Transaktionen stieg von 11 auf 67, das Emissionsvolumen von 1,1 Mrd. Dollar auf 11,5 Mrd. Dollar. Grund für den starken Anstieg ist die Wiederöffnung der chinesischen Börsen für neue Listings nach einer Zwangspause von gut einem Jahr.

Auch der US-Markt entwickelte sich stark: Die Zahl der Börsengänge in den USA  kletterte von 33 im ersten Quartal 2013 auf 60 in diesem Jahr – dabei wurden insgesamt 10,2 Mrd. Dollar erlöst (Vorjahr: 8,6 Mrd. Dollar).

Europaweit wurden 38 Transaktionen gezählt, deren Gesamt-Emissionsvolumen bei 12,9 Mrd. Dollar lag – ein Anstieg um 36% bzw. 153% gegenüber dem ersten Quartal 2013.

In Deutschland fiel der Jahresauftakt weniger vielversprechend aus: An den deutschen Börsen gab es im ersten Quartal mit Tintbright einen Neuzugang, zudem wagte mit Summit Germany ein deutsches Unternehmen einen Börsengang an der Londoner AIM. Im Laufe dieses Jahres dürfte sich das aber ändern: Zehn bis 15 IPOs werden für den deutschen Markt erwartet.

„Weltweit sehen wir seit einigen Monaten geradezu ein Run auf die Börsen – vor allem in China und den USA“, kommentiert Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. „Der amerikanische Markt profitiert stark von den Erleichterungen des JOBs Act für Börsenkandidaten – über 80% der Unternehmen qualifizieren sich dafür, nutzen diese und sorgen für rege IPO Aktivitäten.“

Angetrieben wird der aktuelle IPO-Boom von Private Equity-Investoren, die hinter knapp jedem dritten (68) der weltweit 228 Börsengänge standen (Vorjahr: 38) und deren Portfoliounternehmen bei ihren Börsengängen insgesamt 16,9 Mrd. Dollar erlösten (Vorjahr: 8,4 Mrd. Dollar). „Gerade Finanzinvestoren nutzen das offene IPO Fenster, um sich in großem Stil von Beteiligungen zu trennen“, beobachtet Steinbach. Dieser Trend werde im weiteren Jahresverlauf anhalten.

Nachdem es im ersten Quartal einen Börsengang in Deutschland gab (Vorjahresquartal: ebenfalls 1), dürfte der deutsche IPO-Markt in den kommenden Monaten wieder an Dynamik gewinnen, so Steinbachs Einschätzung: „Hierzulande stehen einige IPO-Kandidaten in den Startlöchern, die mit guter Vorbereitung das Primärmarktjahr 2014 fest im Visier haben.“ Dabei dürften allerdings andere Branchen im Vordergrund stehen als im Vorjahr: „2013 war das Börsenjahr der Immobilienwerte, nun erwartet man für 2014 einen Schwerpunkt bei den Technologie-Werten.“ Insgesamt rechnet Steinbach in diesem Jahr mit zehn bis maximal 15 Börsengängen in Deutschland.

Von den weltweit fünf größten Börsengängen fanden zwei in Europa statt – ein Indiz für die deutlich verbesserte Verfassung des europäischen IPO-Marktes. Die Zahl der Börsengänge in Europa stieg im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 38, das Emissionsvolumen sogar von 5,1 Mrd. Dollar auf 12,9 Mrd. Dollar. Investoren profitierten von Kurssteigerungen der Börsengänge im ersten Quartal nach der Erstnotiz von durchschnittlich 6,5% in Juniormärkten und 10,2% in Hauptmärkten. „Dies fördert Investorenvertrauen und den Appetit nach Börsengängen auf Investorenseite“, kommentiert Steinbach.

Der mit Abstand aktivste Börsenplatz Europas war im ersten Quartal London – mit 23 IPOs und einem Emissionsvolumen von insgesamt 6,2 Mrd. Dollar. Größter europäischer Börsengang war der IPO des französischen Kabelnetzbetreibers Altice (2,04 Mrd. Dollar), gefolgt vom IPO des dänischen Gebäudedienstleisters ISS mit einem Emissionsvolumen von 1,52 Mrd. Dollar.

Das IPO-Fenster dürfte weltweit noch eine Weile offen bleiben, meint Steinbach: „Das Wirtschaftswachstum legt zu, die Zinsen bleiben niedrig: Aktuell spricht vieles für ein starkes IPO-Jahr 2014 – zumal die Pipeline an Börsenkandidaten gut gefüllt ist:“

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