28.09.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Studie Weltweite IPO-Welle schwappt auch nach Deutschland

Der Boom auf dem weltweiten Markt für Börsengänge (IPOs) hält an: In den ersten neun Monaten dieses Jahres gingen weltweit 851 Unternehmen an die Börse – im Vorjahreszeitraum waren nur 570 Börsengänge gezählt worden. Das Gesamtemissionsvolumen lag mit 186,6 Mrd. Dollar sogar noch deutlicher – um 94% – über dem Vorjahresniveau (96,2 Mrd. Dollar). Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young).

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Das bisherige Emissionsvolumen übersteigt schon jetzt den Wert des gesamtzen Vorjahres.

Foto: E&Y

Besonders gut entwickelten sich die europäischen Börsenplätze: Hier hat sich das Emissionsvolumen mehr als vervierfacht – von knapp 13 Mrd. auf gut 53 Mrd. Dollar –, die Zahl der Börsengänge in Europa hat sich immerhin mehr als verdoppelt: von 99 auf 211. Und weitere IPO-Kandidaten stehen – gerade in Deutschland – in den Startlöchern. Bislang wurden in Deutschland in diesem Jahr sieben IPOs gezählt, für das Gesamtjahr wird mit insgesamt 15 bis maximal 20 Börsengängen gerechnet. Der weltweit aktivste Börsenplatz war im bisherigen Jahresverlauf Nordamerika: In den USA wagten seit Jahresbeginn 220 Unternehmen mit einem Volumen von 77 Mrd. Dollar den Sprung aufs Parkett – nach 155 IPOs im Vorjahreszeitraum. Zudem fand dort der größte Börsengang aller Zeiten statt: der IPO des chinesischen E-Commerce-Handelsplattform Alibaba mit einem Emissionsvolumen von 25 Mrd. Dollar.

Das IPO von Alibaba unterstreicht die enorme Bedeutung, die China inzwischen für die Weltwirtschaft und die weltweiten Kapitalmärkte hat: Immerhin sind damit nun die drei größten IPOs aller Zeiten Börsengänge chinesischer Unternehmen. Neben Alibaba waren dies die Agricultural Bank of China (22,1 Mrd. Dollar) und die Industrial & Commercial Bank of China (21,9 Mrd. Dollar).

Ebenfalls bemerkenswert sei, dass sich damit erstmals ein Internet-Handelsunternehmen in der Liste der zehn größten Börsengänge platzieren kann – und zudem gleich an erster Stelle. „Dies zeigt auch, welche Chancen die Investoren derzeit internetbasierten Geschäftsmodellen einräumen“, so Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

„Für den europäischen und deutschen IPO-Markt hat der Mega-Börsengang von Alibaba eine positive Signalwirkung“, beobachtet Steinbach, „insbesondere für Transaktionen im Bereich E-Commerce. Derzeit sind Technologie-Unternehmen besonders en vogue – ein Trend, der aus den USA nach Europa geschwappt ist.“

Grundsätzlich seien die Investoren wieder risikofreudiger geworden, beobachtet Steinbach: „Anleger suchen derzeit wieder stärker nach Wachstumswerten, nachdem im vergangenen Jahr noch Dividendenwerte im Vordergrund standen.“

Trotz der aktuell großen Zahl von Börsengängen und trotz zum Teil relativ hoher Bewertungen sieht Steinbach derzeit keine Blase am IPO-Markt: Zum einen sei man bei der reinen Zahl der Börsengänge noch weit vom Niveau des Jahres 2001 entfernt. Vor allem aber seien die Investoren heute grundsätzlich vorsichtiger und wählerischer als früher, meint Steinbach.

Er sieht vielmehr nach wie vor einen erheblichen Nachholbedarf gerade bei Börsengängen von Internetunternehmen. „Wenn der Erfolg der jüngsten Technologie-IPOs in den kommenden Wochen weiteren deutschen IPO-Kandidaten den Weg aufs Parkett ebnete, wäre das eine gute Nachricht für den Finanzplatz Deutschland. Denn der IPO-Markt braucht Leuchttürme – Beispiele, die anderen Unternehmen zeigen, dass ihnen die Börse als Finanzierungskanal offensteht.“

Auf dem deutschen IPO-Markt wurden in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt sieben Neuzugänge gezählt, darunter als bislang größte Transaktion des Jahres der IPO des Baustoffhersteller Braas Monier (470 Mio. Euro). Insgesamt brachten die sieben Neuemissionen des ersten Halbjahres gut 900 Mio. Euro an Platzierungsvolumen. Zusätzlich gingen mit Orion Engineered Carbons und Affimed Therapeutics zwei deutsche Unternehmen in den USA an die Börse und erlösten dabei etwa 400 Mio. Dollar.

Mit den unmittelbar bevorstehenden IPOs von Zalando und Rocket Internet wird das Emissionsvolumen in Deutschland in diesem Jahr auf mindestens 3 Mrd. Euro klettern – nach 2,35 Mrd. Euro im Vorjahr.

Es könnte in diesem Jahr aber noch mehr werden, meint Steinbach: „Aktuell sind weitere größere Transaktionen in der Umsetzung. Wenn die anstehenden IPOs funktionieren, wird das ein Signal an ähnliche Unternehmen mit Börsenplänen senden, das aktuelle Zeitfenster zu nutzen.“

In Deutschland dürfte das Jahr 2014 – gemessen am Emissionsvolumen – somit das stärkste IPO-Jahr seit 2007 werden. Damals wurden insgesamt 7,85 Mrd. Euro bei Börsengängen in Deutschland erlöst.

Die Vielzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit bremse den IPO-Markt derzeit noch nicht, beobachtet Steinbach. Vielmehr sorgten die hohe Liquidität im Markt, eine relativ niedrige Volatilität sowie hohe Bewertungen an den Börsen nach wie vor für Rückenwind auf dem IPO-Markt.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres lag die Zahl der IPOs weltweit um 49% höher lag als im Vorjahreszeitraum, im dritten Quartal betrug das Plus hingegen nur noch 29% (von 202 auf 260). Steinbach führt diese relativ verhaltene Entwicklung in den vergangenen drei Monaten darauf zurück, dass etliche Kandidaten ihren Börsengang nicht unmittelbar vor der Alibaba-Transaktion durchführen wollten: „Angesichts des Mega-IPOs von Alibaba drohten andere IPO-Kandidaten weniger Aufmerksamkeit zu bekommen als gewünscht. Daher ist es verständlich, dass in den Wochen vor dem Alibaba-IPO etwas Zurückhaltung spürbar war. Das heißt aber auch, dass in den kommenden Monaten viele Unternehmen an die Börse drängen werden“. Entsprechend stark dürfte nach seiner Einschätzung das vierte Quartal werden. Sogar der Nachkrisenrekord von 2010, als das weltweite Emissionsvolumen 285 Mrd. Dollar betrug, sei nun in Reichweite, so Steinbach.

Insbesondere Private-Equity-Investoren nutzen derzeit das positive Umfeld am Kapitalmarkt, um sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Sie erlösten im bisherigen Jahresverlauf bei 208 IPOs insgesamt 70 Mrd. Dollar – so viel wie nie zuvor (Gesamtjahr 2013: 58,4 Mrd. Dollar bei 187 Börsengängen). Und die Pipeline ist nach wie vor gut gefüllt: Mehr als 100 IPOs von Unternehmen aus dem Portfolio von Private Equity-Unternehmen stehen an, die nach EY-Schätzung mindestens 20 Mrd. Dollar einbringen dürften.

Neben den USA und Europa erwies sich China im dritten Quartal als wichtiger Wachstumsmotor des weltweiten IPO-Marktes – nach einem sehr starken Jahresauftakt und einem Durchhänger im zweiten Quartal: Im bisherigen Jahresverlauf stieg die Zahl der Börsengänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 272% (von 43 auf 160), das Emissionsvolumen legte um 222% zu (von 7,9 auf 25,4 Mrd. Dollar). Im dritten Quartal wuchs das Emissionsvolumen in China (inklusive Hongkong) um 232%, die Zahl der Transaktionen hat sich verdreifacht.

http://www.de.ey.com

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