05.11.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Interview mit Ulrich Schmitz vom Axel Springer Verlag „Verlage haben die Pflicht, zu investieren“

Bei vielen Zeitungsverlagen gehen sowohl Auflage als auch Anzeigenvolumen zurück. Auf der Suche nach neuen Erlösquellen beteiligen sie sich an Start-ups. Ein Vorreiter dieser Strategie ist der Axel Springer Verlag. Dipl.-Ing. Ulrich Schmitz, Geschäftsführer des Bereichs Digital Ventures, gibt im Interview Einblicke in die Szene.

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Ulrich Schmitz, CTO bei der Axel Springer SE: „Nur zu sparen ist für Verlagshäuser keine Alternative.“

Foto: Axel Springer

VDI nachrichten: Wo investiert der Axel Springer Verlag? Zu welchen Konditionen?

Schmitz: Neben unseren strategischen Spätphaseninvestitionen sind wir auch im Frühphasenbereich aktiv. Dort investieren wir mit unserem Accelerator Axel Springer Plug and Play in Start-ups, bei denen ein starkes Team ein großes Wachstum verspricht. Wir bieten im Rahmen des dreimonatigen Programms Gründern ein Coaching, Vernetzung, 25 000 € Startkapital und Büroräume in Berlin. Dafür erhalten wir 5 % der Unternehmensanteile.

Mitentscheider im Hinblick auf Investitionen ist unser US-Kooperationspartner, das Plug and Play Tech Center in Kalifornien. Als reiner Venture Capitalist ist er exit- und sehr marktorientiert. Ausgewählte Start-ups sollten mediennah aufgestellt sein, denn wir können Firmen, die beispielsweise im Rubrikengeschäft tätig sind – also im Bereich Jobvermittlung, Immobilien oder Autos – am meisten Mehrwert bieten. Biotechs passen daher gar nicht zu uns.

 

Welchen Mehrwert können Verlage bzw. unternehmensnahe Investoren denn konkret bieten?

Fachliche Expertise und ein großes Geschäftsnetzwerk. Wir bringen sie mit Unternehmen zusammen, zu denen wir etwa in der Werbevermarktung bereits in Verbindung stehen. Wir öffnen ihnen Türen zu Kunden und Lieferanten.

 

Ist das Risiko, in Start-ups zu investieren, nicht viel zu hoch angesichts der schwierigen Situation im Verlagswesen?

Nein. Das Risiko, nichts zu tun, ist ungleich höher. Nur zu sparen, ist ganz sicher keine Alternative. Jeder Verlag hat heute die Pflicht, zu investieren. Sonst wird er von der Innovation abgehängt. Man kann die aktuelle Situation als Krise werten und den Kopf in den Sand stecken. Man kann sie aber auch als Chance sehen. In unserem Rubrikengeschäft waren wir früher etwa meist lokal aufgestellt. Heute agieren wir weit über Deutschland hinaus. Unser Geschäft ist also nicht kleiner, sondern deutlich größer geworden. Und es ist höchst profitabel! Im ersten Halbjahr 2014 hat der Axel Springer Verlag zwei Drittel seines Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im digitalen Bereich erwirtschaftet. Und rund drei Viertel der Werbeerlöse stammten aus diesem Bereich.

 

Welche Rolle wird redaktioneller Content künftig noch spielen?

Eine wachsende! Wir gehen davon aus, dass die Konsumenten künftig wieder eher bereit sein werden, für qualitativ hochwertige Texte zu bezahlen. Wenn man in die USA blickt, sieht man auch bei den Start-ups viele neue und interessante Content-Angebote. Deshalb haben wir jüngst 20 Mio. $ in Ozy.com investiert, ein Online-Magazin für Politik, Nachrichten, Reportagen und Kultur.

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