20.11.2013, 12:00 Uhr | 0 |

Berlin Sozial gründen in den social impact labs

Wer ein Sozialunternehmen gründen will, sollte die social impact labs in Berlin kennen. Sie bieten physischen Raum für Arbeit, Vernetzung und Austausch. Innerhalb des CoWorking-Spaces werden außerdem Consulting- und Qualifizierungsprogramme angeboten. Wer gerade in den Labs arbeitet und wie es dort abläuft, beschreibt die Berliner Landesinitiative Projekt Zukunft.

Rubycup
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Maxie Mathiessen (rechts) hat gemeinsam mit Kolleginnen den Ruby Cup entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Menstruationstasse aus medizinischem Silikon, die viele Male wiederverwendet werden kann. Sie dient als Tamponersatz in armen Ländern.

Foto: Ruby Cup

In einem Kreis auf Stühlen sitzen die neuen Stipendiaten des Social Impact Labs in Berlin. Die erste Kennenlernphase haben die etwa 15 Neuankömmlinge schon hinter sich. In den kommenden acht Monaten können die Geschäftsgründer intensiv an ihren Geschäftsideen feilen. Unterstützt werden sie dabei von mehreren Experten, die Tipps und Ratschläge zum Beispiel in Marketing, Steuer- und Finanzierungsfragen geben. Was alle Stipendiaten in den lichtdurchfluteten Räumen eint, ist das Bestreben mit ihren Geschäftsideen Antworten auf soziale Probleme geben zu wollen.

„Mit unseren Programmen sprechen wir Sozialunternehmer an“, erklärt Norbert Kunz, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH. Unter den Neuankömmlingen ist auch Sara Wolf. Die Jungunternehmerin hat mit Geschäftspartnerinnen das Unternehmen „Original Unverpackt“ gegründet. Zusammen möchten sie im kommenden Jahr den ersten Supermarkt eröffnen, der weitgehend auf Einwegverpackungen verzichtet. „Das Stipendium des Social Impact Lab wird uns unserem Ziel ein ganzes Stück näher bringen. Hier erhalten wir professionelle Begleitung durch das Lab, SAP und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“, so die Jungunternehmerin.

Während Wolf noch am Anfang des Förderprogramms und dessen Umsetzung steht, sind viele der Unternehmer, die an den zahlreichen Schreibtischen in dem insgesamt 650 Quadratmeter großen Coworking Space arbeiten, schon weiter: Da ist zum Beispiel Maxie Mathiessen, die stolz den Ruby Cup präsentiert. Die Entwicklung soll vor allem Mädchen in Afrika die Teilnahme am Schulunterricht ermöglichen: „Die Mädchen verpassen rund 20% des Unterrichts, weil sie sich keine Tampons leisten können und während ihrer Tage aus Scham nicht in die Schule gehen“, erklärt Mathiessen. Ihre Erfindung ist eine Menstruationstasse aus medizinischem Silikon, die viele Male wiederverwendet werden kann und dieses Problem lösen soll. Durch den Verkauf in Deutschland werden Ruby Cups für kenianische Mädchen mitfinanziert.

Unweit von ihr sitzt Jan Löwenherz, Gründer von Vehement, an seinem Schreibtisch. Unter dem Motto „Destroy your enemies - not your planet“ produziert Löwenherz vegane und ökologisch verträgliche Bekleidung, darunter auch Kampfsportequipment. Fabian Lindenberg hat ecotastic gegründet, eine Internetplattform, die umweltgerechtes Verhalten mit Gutscheinen von Partnerunternehmen belohnt. Wer seinen Kaffee zum Beispiel mit einem mitgebrachten Thermobecher im Coffeeshop käuft, statt einen Pappbecher zu nehmen, erhält Punkte, die er dann gegen Gutscheine einlösen kann. „Dazu muss man mit unserer Smartphone-App ein Beweisfoto schießen, welches dann von der Nutzer-Community bewertet wird“, so Lindenberg.
 Wolf, Matthiessen, Löwenherz und Lindenberg sind vier von zwölf Unternehmensgründern, die laufend gefördert werden. Den Überblick über sämtliche Start-ups und Förderprogramme hat Geschäftsführer Norbert Kunz: „Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt über eine schriftliche Bewerbung und einen öffentlichen Pitch.“ Wer mit seiner Idee die Zuschauer und die Jury überzeugen kann, darf einen Schreibtisch im Lab in dem Bürogebäude am Erkelenzdamm beziehen.
 Das Stipendium hat einen Gegenwert von rund 12.500 Euro und beinhaltet neben dem Arbeitsplatz und den Büroräumen mehrere Coaching-Einheiten. Gleich nach dem Start steht ein Refraiming-Kurs auf dem Programm. Dabei werden Stärken und Schwächen einer Geschäftsidee untersucht und eine Strategie erarbeitet. Ziel ist es, dass die Jungunternehmer nach acht Monaten erfolgreich auf eigenen Beinen stehen können. „Dafür geben wir ihnen das bestmögliche Rüstzeug“, sagt Kunz.

Das Social Impact Lab richtet sich an Start-ups, etablierte Unternehmen und Organisationen im Bereich Sozialunternehmertum. Gesucht werden innovative Ideen und Konzepte, die soziale Probleme lösen können, wirtschaftlich umsetzbar und nachhaltig sind. Auch ohne Werbung ist das Stipendium sehr gefragt: Auf die fünf Plätze, die alle drei Monate neu vergeben werden, kommen rund 50 Bewerbungen.

http://socialimpactlab.eu

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