26.02.2014, 12:00 Uhr | 0 |

GFT spendiert Gründern eine CeBIT-Halle „Someday some shit comes back“

Der Mittelständler GFT Technologies lädt 50 Gründer aus aller Welt zur CeBIT ein und stellt ihnen eine komplette Messehalle zur Verfügung – kostenlos. Das beste Team nimmt den mit 30.000 Euro dotierten Code_n-Award mit nach Hause. GFT-Chef Ulrich Dietz erklärt im Interview, warum er jährlich einen siebenstelligen Betrag in eine solche Leistungsschau investiert und wo deutsche Jungunternehmer im internationalen Vergleich punkten können.

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Ulrich Dietz, GFT-Vorstandschef, lädt 50 Gründer aus aller Welt zur CeBIT ein und stellt ihnen eine komplette Messehalle zur Verfügung.

Foto: GFT

Venture News: Was bewegt GFT Technologies dazu, Start-ups aus aller Welt zur CeBIT einzuladen und ihnen kostenlos ein riesiges Forum zu bieten?

Dietz: Wir sind ein Innovationsunternehmen im Bereich der IT-Services. Mit rund 2300 Mitarbeitern entwickeln wir individuelle Software-Lösungen vor allem für die Finanzindustrie. Uns fiel auf, dass es für große Firmen sehr schwierig ist, den Einstieg in die digitale Wirtschaft zügig zu vollziehen. Irgendwann kam uns der Gedanke, sie mit führenden Start-ups zusammenzubringen. Mit deren Hilfe und Elan lassen sich Innovationsprozesse deutlich schneller realisieren.

Und wie findet man die besten Gründerteams? Mit einem Wettbewerb! Deshalb haben wir den Code_n-Award ins Leben gerufen. Seit 2012 laden wir nun die innovativsten Köpfe aus bestimmten IT-Bereichen nach Hannover ein. In diesem Jahr lautet das Motto „Driving the Data Revolution“ – es geht also um Big Data im weitesten Sinne. Das Thema geistert ja gerade durch alle Köpfe. Wir geben den Entscheidern großer Unternehmen in der Code_n-Halle die Möglichkeit, sich detailliert darüber zu informieren und interessante Kontakte zu knüpfen. Es ist eine andere Art der Messe-Nutzung. Wir verstehen Messe als Ort der Begegnung, nicht des Verkaufs.

 

 

Venture News: Kontaktbörsen verdienen an Mitgliedsbeiträgen. Woran verdienen Sie?

Dietz: Gar nicht. Zumindest nicht direkt. Uns treibt allein der Marketinggedanke. Das Medienecho zu unserer Aktion ist stets positiv. Selbst die Kanzlerin kommt zu Besuch. Auf keiner anderen Veranstaltung erfährt unsere Marke in so kurzer Zeit eine solche Aufmerksamkeit – weltweit. Eine quantifizierbare Rendite gibt es nicht. Ein Rapper aus New York, der seine Musik kostenlos ins Internet stellt, hat es treffenderweise mal so erklärt: „If I have 100 Mio. Downloads, some shit comes back!“ Wir freuen uns einfach, wenn wir dem Fachpublikum eine tolle Zeit ermöglichen. Auch anderen Besuchern der Halle wird etwas geboten, etwa das umrahmende Messebau-Kunstwerk – ein Meisterstück des Infotainments.

 

Venture News: Was genau erwartet die Besucher? Wo?

Dietz: In Halle 16 präsentieren wir auf 5000 m2 50 der spannendsten Big-Data-Start-ups, ausgewählt aus 450 internationalen Bewerbern. Alle stehen vor einer imposanten Kulisse. Visualisiert ist darauf unter anderem das Wissen sämtlicher Bücher der letzten 200 Jahre – wahrlich Big Data. Die Grafik ist 89m lang und 12m hoch. Abzulesen ist die relative Häufigkeit bestimmter Begriffe im Zeitablauf. Dem Betrachter wird so eine invertierte Form der Trendanalyse ermöglicht. Er kann die Relevanz von Themen in verschiedenen Epochen rückblickend erfassen. Geschaffen wurde das monumentale Werk von den beiden international ausgezeichneten Designern Reed Kram und Clemens Weisshaar.

Auf der Bühne des Code_n-Clubs werden zudem Vorträge gehalten und es finden Podiumsdiskussionen statt. Das Konferenzprogramm, in dem Firmen wie Google, IBM oder Salesforce ihre Einsichten zum Thema Big Data teilen, startet täglich um 10 Uhr. Offizielles Ende ist um 18 Uhr. Die Partys gehen vielleicht auch länger...

 

Venture News: Was lassen Sie sich das Ganze kosten? 

Dietz: Das Budget liegt im siebenstelligen Bereich. Wir werfen aber ganz sicher kein Geld aus dem Fenster. Wir sind ein schwäbisches Unternehmen...

 

 

Venture News: Haben Sie einen Favoriten im Wettbewerb um den Code_n-Award?

Dietz: Nein, nicht einen – sondern 50! Interessant aus deutscher Sicht ist aber sicher die Firma Sablono. Die Berliner nutzen virtuelle 3-D-Gebäudemodelle, um die Terminpläne der einzelnen Gewerke auf der Baustelle zu synchronisieren. Die entstehenden Zeittafeln sind so detailliert, dass erstmals eine digitale Steuerung des gesamten Bauprozesses möglich wird.

Spannend ist auch Soma Analytics. Dahinter steckt ein vierköpfiges Team aus München. Sie haben ein Frühwarn- und Präventionssystem für Stress entwickelt. Um Burn-out und Depressionen vorzubeugen, misst ihre Smartphone-App Parameter wie Stimmhöhe, Schlafqualität und Motorik der Nutzer. Sie haben es als erstes deutsches Start-up in den Londoner Health-Accelerator Healthbox geschafft.

 

 

Venture News: Investiert GFT in die Unternehmen?

Dietz: Das haben wir bislang nicht gemacht. Aktuell spielen wir aber mit dem Gedanken.

 

 

Venture News: Woran fehlt es der deutschen Gründerszene im weltweiten Vergleich? 

Dietz: An Hightech-Gründern! Es gibt Bereiche in Deutschland, da sind die Voraussetzungen zur Gründung eines eigenen Unternehmens ideal. Etwa in der Industrie 4.0. Wir haben schließlich eine starke Automobilbranche. Auch sind weltweit führende Werkzeugmaschinenbauer bei uns zu Hause. Da gibt es derzeit viele Nischen für junge Unternehmen, die die Digitalisierung dort vorantreiben können. Dazu braucht es aber Menschen die sagen: Ich pack's, ich pack's an!

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