18.09.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Gründungsstatistik Rhein-Ruhr-Region spielt nur in 2. Liga

Der Deutsche Startup Monitor analysiert einmal im Jahr verschiedene Daten rund um das Thema Unternehmensgründungen. Erstmals wurde in den Bericht für das Jahr 2014 neben den etablierten Gründungszentren Berlin, Hamburg und München auch die Metropolregion Rhein-Ruhr aufgenommen. „Die Analyse zeigt: Wir haben an einigen Stellen noch deutlichen Nachholbedarf“, sagt Thilo Pukall vom Entrepreneurship Zentrum Witten (EZW) der Uni Witten/Herdecke.

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Thilo Pukall vom Entrepreneurship Zentrum Witten (EZW) der Uni Witten/Herdecke: "Wir haben an einigen Stellen noch deutlichen Nachholbedarf."

Foto: Universität Witten/Herdecke (UW/H)

„Allerdings ist es ein Erfolg, dass wir mittlerweile überhaupt als Gründungsregion wahrgenommen werden.“ Ziel des erst in diesem Jahr gegründeten EZW ist es, im Ruhrgebiet ein tragfähiges Netzwerk sowie die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, um innovationsorientierte Unternehmensgründungen aus dem Kontext der Hochschulen zu erleichtern und ihre Anzahl und Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Dass derartige Anstrengungen notwendig sind, zeigt ein Blick in den Startup Monitor, der alljährlich vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk KPMG herausgegeben wird. So landeten Start-ups aus der Rhein-Ruhr-Region beim durchschnittlichen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr im Vergleich der vier Regionen hinter Berlin, München und Hamburg nur auf dem letzten Platz. Allerdings gaben 5,1% der hiesigen Neugründungen an, in diesem Zeitraum einen Umsatz von mehr als 10 Mio. Euro erzielt zu haben. Nur in Berlin schafften das mehr junge Unternehmen (9,4%), in Hamburg und München waren es 4,9% beziehungsweise 2,8%. Der größte Teil der Start-ups an Rhein und Ruhr (56%) erzielte jedoch einen vergleichsweise geringen Umsatz zwischen 1 Euro und 250.000 Euro. Auch bei der durchschnittlichen Anzahl der von „12-Months-Startups“ (Unternehmen, die jünger als ein Jahr sind) beschäftigten Mitarbeiter landete die Region mit 1,7 hinter Berlin (5,5), Hamburg (3,3) und München (1,8) auf dem letzten Platz. „Die Statistik zeigt aber auch Lichtblicke“, so Pukall. „Nur 2,6% der hiesigen Start-ups haben im vergangenen Geschäftsjahr gar keinen Gewinn gemacht. Damit liegen wir in dieser Kategorie deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10%, aber auch vor Berlin mit 10%, Hamburg mit 9,8% und München mit 5,6%.“

Die Tendenz zu Teamgründungen, die Start-ups in der Regel erfolgreicher macht, ist in der Rhein-Ruhr-Metropole nicht so ausgeprägt wie in den „klassischen“ Gründungsregionen. Bei den „12-Months-Start-ups“ gründeten in der Region lediglich knapp 63% im Team, fast 37% versuchten es allein. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (77% Teamgründungen). Spitzenreiter bei den Gründungen im Team ist Hamburg (94%) vor Berlin (82%) und München (78%). „Statistisch gesehen erhöht sich die Erfolgswahrscheinlichkeit von Start-ups, wenn sie von mehr als einer Person gegründet werden“, erläutert Pukall. „Durch die geschickte Kombination der Gründer-Kompetenzen wird nicht nur der Markteintritt einfacher, sondern auch der durchschnittlich erzielte Umsatz höher.“ Ein Grund für die vergleichsweise geringe Anzahl der Teamgründungen an Rhein und Ruhr könne die oftmals noch unzureichende Vernetzung der beteiligten Akteure sein. Pukall: „Unter anderem aus diesem Grund haben wir das EZW gegründet. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Verbesserung der Gründungsbedingungen vor Ort, brauchen dabei aber trotzdem auch einen langen Atem.“

Problematisch ist für junge Unternehmen der Region vor allem die Beschaffung der notwendigen Finanzmittel. Während sich im Bundesdurchschnitt 21,4% der Start-ups unter anderem mit Hilfe von Risikokapitalgebern finanzierten, waren es an Rhein und Ruhr nur 20,6% (Berlin 27,9%, München 24,3%, Hamburg 16,7%). Dabei ist zu beachten: Im Deutschen Startup Monitor (DSM) werden nicht alle Unternehmensgründungen in Deutschland, sondern lediglich „Start-ups“ analysiert. Laut dieser Definition sind Start-ups jünger als zehn Jahre und mit ihrer Technologie oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ, zudem haben oder streben sie ein signifikantes Mitarbeiter- oder Umsatzwachstum an.

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Von sta | Präsentiert von VDI Logo
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