23.05.2013, 08:42 Uhr | 0 |

Kontroverse um Milliardendeal Kritiker formieren sich gegen Yahoos Tumblr-Kauf

Yahoos geplanter Milliarden-Kauf von Tumblr ist von Analysten und den betroffenen Bloggern mit Skepsis aufgenommen worden.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer
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Glückliches Händchen? Es bleibt abzuwarten, ob der Kauf von Tumblr durch Yahoo-Chefin Marissa Mayer ein Erfolg wird.

Foto: Socialmedia.biz

Während Finanzexperten auf den hohen Preis im Verhältnis zum Umsatz verwiesen, warnten Nutzer der Plattform mit teils drastischen Worten davor, das Wesen der Seite zu ändern. Positive Stimmen verwiesen dagegen auf vergleichbare Übernahmen in der Branche, die sich langfristig durchaus ausgezahlt hätten.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer (Foto) gestand in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters ein, dass ihr Unternehmen nicht immer eine glückliche Hand mit Zukäufen gehabt habe. Der US-Konzern habe jedoch jetzt ein ganz neues Management, beschwichtigte sie. Der schwächelnde Internet-Pionier hatte am Montag angekündigt, Tumblr für 1,1 Mrd. Dollar in bar zu kaufen. Es ist die größte Akquisition von Yahoo, seit die ehemalige Google-Managerin Mayer im Juli 2012 Chefin wurde.

Tumblr wurde vor sechs Jahren gegründet, wartet mit mehr als 100 Millionen Blogs auf und wird pro Monat allein in den USA von Dutzenden Millionen Nutzern besucht. In Medienberichten wird der jährliche Umsatz allerdings nur auf magere 13 Mio. Dollar geschätzt. Damit ist der Kaufpreis einigen Analysten zufolge deutlich zu hoch.

„Selbst wenn der Umsatz 100 Mio. Dollar beträgt, haben sie immer noch das Zehnfache bezahlt“, sagte Colin Gillis von BGC Financial. Das gebe man eigentlich nur für „das schönste Mädchen auf dem Ball“ aus. Mark Mahaney von RBC Markets sprach von einem Schuss ins Blaue. Allerdings könne sich dieser langfristig auszahlen und passe gut in Mayers Strategie. Tumblr könne dabei helfen, Yahoo besser bei sozialen Netzwerken und mobilen Geräten zu positionieren. Andere Experten verwiesen darauf, dass die Tumblr-Nutzer im Schnitt deutlich jünger seien als die von Yahoo.

Viele Tumblr-Nutzer reagierten jedoch entsetzt und mit offener Wut auf den Deal. In dem Blog „Meltdowns About Yahoo Buying Tumblr“ warnten sie zum Teil mit Kraftausdrücken davor, die Website plötzlich familienfreundlich aufzuziehen oder Altersbeschränkungen einzuführen. Bereits am Wochenende, als Gerüchte über den Kauf die Runde machten, hatten Tausende Blogger Tumblr den Rücken gekehrt. Der konkurrierende Dienst WordPress berichtete am Sonntag, man habe in nur einer Stunde 72.000 Tumblr-Blogs in seine Systeme übertragen.

Yahoo hat in der Vergangenheit bereits mehrere Milliarden-Übernahmen vor die Wand gefahren. So wurde 1999 für mehr als 4 Mrd. Dollar Geocities gekauft, damals einer der größten Dienste im Netz. Ein Jahrzehnt später musste man den Stecker ziehen. Und auch nach der Übernahme von Broadcast.com 1999 für mehr als 5 Mrd. Dollar wurde das Geld Experten zufolge nicht wieder hereingeholt.

Mayer verwies darauf, dass Tumblr in New York bleiben werde, damit das Team um den 26-jährigen Gründer David Karp unabhängig agieren könnte. (rtr/sta)

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Von Stefan Asche
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