17.11.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Recht „Kleinanlegerschutzgesetz bedroht Crowdfunding-Branche“

Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes verabschiedet. Das Gesetz soll Kleinanleger künftig besser vor riskanten Anlagemöglichkeiten schützen und zielt dabei eigentlich auf milliardenschwere Finanzinstrumente ab. Trotz der deutlich geringeren Volumina und trotz der Chancen des Crowdfundings für die deutsche Volkswirtschaft soll die Crowdfunding-Branche nun bis auf wenige Ausnahmen nach denselben Regelungen reguliert werden. Das kritisiert die Crowdfunding-Plattform Companisto.

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Das Team von Companisto ist überzeugt: „Auch wenn der Gesetzesentwurf einige Ausnahmen für Crowdfundings vorsieht, gefährden die Regelungen nun ungewollt eine noch junge, deutsche Wachstumsbranche.“

Foto: Companisto

In einer Pressemitteilung heißt es: „Auch wenn der Gesetzesentwurf einige Ausnahmen für Crowdfundings vorsieht, gefährden die Regelungen nun ungewollt eine noch junge, deutsche Wachstumsbranche.“

Nach Angaben von Companisto sind es vor allem drei Elemente des Gesetzes, welche die deutsche Crowdfunding-Branche gefährden:

 

1. Höchstsumme von 1 Mio. Euro zu gering

In Deutschland sollen Crowdfundings auf eine Höhe von nur 1 Mio. Euro beschränkt werden – andernfalls wird die Erstellung eines teuren Vermögensanlagenprospektes nötig. In England liegt diese Grenze bei 5 Mio. Euro, in Frankreich bei 4 Mio. Euro: Ein starker Wettbewerbsnachteil für die deutsche Crowdfunding-Branche, der den Zugang von jungen Unternehmen zu Kapital in Deutschland weiter erschweren wird.

Zudem bietet die Regelung keinen zusätzlichen Schutz, sondern erhöht das Risiko für Verbraucher. Benötigt etwa ein Technologie-Unternehmen 3 Mio. Euro, um eine technologische Innovation zu entwickeln, hilft 1 Mio. Euro dem Unternehmen nicht weiter. Die Erstellung eines Vermögensanlageprospekts (der nötig wäre, um mehr als 1 Mio. Euro einzusammeln) verursacht wiederum selbst hohe Kosten von ca. 50.000 Euro, die von den jungen Unternehmen nicht aufgebracht werden können. Denn diese suchen ja gerade Kapital und können diese Kosten deswegen nicht verauslagen. Die Regelung des Kleinanlegerschutzgesetzes führt dazu, dass junge Unternehmen in Crowdfundings deutlich weniger  Kapital  erhalten werden, als sie eigentlich benötigen. Dadurch sinken die Chancen, dass diese Unternehmen ihre Geschäftsziele erreichen können, was wiederum die Gefahr für ein Scheitern der Unternehmen erhöht. Letztlich führt eine Begrenzung der Höchstsumme für ein Crowdfunding also zu einem größeren Risiko für die beteiligten Investoren.

 

2. Investitionsgrenzen auf Einzelinvestments sind willkürlich

Auch die Regelung einer Grenze von 10.000 Euro pro Einzelinvestment – selbst für Investoren deren Gesamtvermögen 100.000 Euro übersteigt – ist laut Companisto fragwürdig. Für den Erfolg von Crowdfunding-Projekten sei es unerlässlich, dass einzelne wenige, hohe Investments getätigt werden. Hohe Investitionen würden in aller Regel erst nach einer gründlichen Prüfung des Angebots getätigt. Gerade für Kleinanleger bieten sie so eine gute Orientierungshilfe, die durch die Möglichkeiten des Austauschs unter Investoren noch verstärkt werde.

Weiter heißt es: „Zudem ist eine starre Investitionsgrenze ganz grundsätzlich ungeeignet, den Anlegerschutz zu verbessern. Eine starre Investitionsgrenze, unabhängig davon, wie vermögend jemand ist, ist damit wenig mehr als eine Bevormundung. Es ist nicht nachvollziehbar, warum jemand mit einem sehr hohen Vermögen oder einem sehr hohen Einkommen nicht mehr als 10.000 Euro investieren dürfen sollte. Die Höchstgrenze pro Einzelinvestment sollte sich daher nach dem individuellen Vermögen und Einkommen der Investoren richten und nicht pauschal bei 10.000 Euro gekappt werden. Solche individuellen Höchstgrenzen haben sich in europäischen Nachbarländern bereits in der Praxis  bewiesen.“

 

3. Vermögensanlage-Informationsblatt befördert Bürokratie

Der jetzt vorgelegte Gesetzesentwurf sieht des Weiteren vor, dass jeder Investor bei jedem Investment ein sogenanntes Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) unterzeichnen muss, bevor sein Investment wirksam werden soll. Vorgesehen ist, dass ein Investor das VIB ausdruckt, unterschreibt und postalisch an die Crowdfunding-Plattform sendet. Alternativ soll es möglich sein, das VIB auszudrucken, zu unterschreiben, anschließend einzuscannen und der Plattform elektronisch zu übermitteln – wer, wie viele Deutsche, keinen Drucker und Scanner besitzt, muss damit immer noch zur Post gehen. Der Prozess ist somit unnötig bürokratisch und bietet keinen zusätzlichen Schutz der Investoren, denn die digitale Einblendung des VIBs über eine feste Dauer und eine digitale Bestätigung hätte denselben Effekt, ist jedoch weit weniger umständlich. Dieser Medienbruch sollte daher unbedingt vermieden werden und die Wahrnehmung des VIBs stattdessen komplett elektronisch von dem Investor bestätigt werden können.

Eine ausführliche Analyse des Kleinanlegerschutzgesetzes wird in Kürze auf www.companisto.com abrufbar sein.

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Von sta | Präsentiert von VDI Logo
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