16.10.2013, 12:00 Uhr | 0 |

Interview mit dem Business Angel des Jahres „Ich verabschiede mich emotional von meinem Geld“

Das Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) hat den Business Angel des Jahres – Christian Schultz – interviewt. Der Kieferorthopäde aus Neubrandenburg erklärt u.a., nach welchen Kriterien er Beteiligungen auswählt, wie viel Zeit er für seien Küken aufbringt und was er von Förderprogrammen für informelle Wagniskapitalgeber hält. Hier einige Auszüge:

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Christian Schultz, der amtierende Business Angel des Jahres, investiert bis zu vier Arbeitsstunden pro Tag in seine Beteiligungen.

Foto: BAND

BAND: Wann haben Sie angefangen sich als Business Angel zu betätigen und wie verlief Ihre erste Beteiligung?

Schultz: 1998 bin ich meine erste Beteiligung eingegangen – damals aber eher als Investor und nicht als Business Angel. Erst 2002 habe ich mich als echter Angel betätigt, denn zu dieser Zeit bin ich eine Beteiligung eingegangen, bei der das Unternehmen kurz nach meinem Beitritt in unerwartete wirtschaftliche Schwierigkeiten kam. Ich habe mich dann sehr aktiv reingehängt und mich unter anderem um das Thema Folgefinanzierung gekümmert. Letztendlich haben wir das Unternehmen gemeinsam mit den Gründern wieder in die Erfolgsspur gebracht.

 

BAND: Wie kommen Sie zu interessanten Beteiligungsmöglichkeiten? Gibt es Branchen, die Sie besonders interessieren?

Schultz: Aus meiner bisherigen Erfahrung heraus habe ich gelernt, niemals in Unter-nehmen zu investieren, bei denen ich zu wenig von der Branche oder dem Geschäftsmodell verstehe. Wo sollte ich mich denn da auch als Angel einbringen? Meine Interessensschwerpunkte liegen daher eher bei Geschäftsmodellen rund um die Medizintechnik, Cleantech und Internet. Hier kann ich ein Vorhaben hinsichtlich seines Alleinstellungsmerkmals besser einschätzen. Dennoch kann es vorkommen, dass auch Geschäftskonzepte an branchenübergreifenden Schnittstellen interessant sind, so zum Beispiel an der Schnittstelle zwischen Medizintechnik und IT. Hier prüfe ich gerade einen interessanten Vorschlag.

Natürlich bekomme ich immer wieder eine Reihe von Projektvorschlägen aber die meisten Unternehmen, an denen ich mich beteilige, habe ich selber aktiv angesprochen. Ich lese, netzwerke und recherchiere viel über Unternehmen und neue Geschäftskonzepte. Wenn ich etwas Interessantes sehe, kontaktiere ich die Firmen und Frage nach der Geschäftsentwicklung und dem Beteiligungsinteresse.

 

BAND: Welche Kriterien sind für Sie bei der Auswahl Ihrer Beteiligungen am wichtigsten?

Schultz: Jeder weiß, dass ein Businessplan eigentlich niemals so umgesetzt wird, wie er einmal geschrieben wurde. Aber die Idee muss überzeugen, das ist wichtig. Daneben ist das Unternehmer- bzw. Gründerteam für mich das Wichtigste. Das Team muss schon zeigen, dass es Ahnung vom Markt hat. Das optimale Gründerteam umfasst für mich zwei bis drei Personen, die sich fachlich und unternehmerisch ergänzen. Wenn jemand als Einzelkämpfer unterwegs ist, hat er meistens keine Chance. Auch größere Teams mit vier, fünf oder sechs Personen empfinde ich als problematisch.

 

BAND: Business Angels unterstützen ihre Beteiligungen nicht nur mit Kapital sondern auch mit Know-how. Wie viel Zeit investieren Sie in das Coaching und die Unterstützung Ihrer Beteiligungen und welche Themen sind hier besonders relevant?

Schultz: Derzeit habe ich sechs Beteiligungen. Davon betreue ich zurzeit vier sehr intensiv. So ca. drei bis vier Stunden gehen da schon pro Tag drauf. Inhaltlich geht es hier häufig um das Thema Finanzierung und Förderung. Ich kümmere mich aber auch hin und wieder um den Kleinkram, also zum Beispiel, dass mein Start-up einen vernünftigen Steuerberater hat oder mit der richtigen Bank zusammenarbeitet. Dann beschäftige ich mich natürlich auch mit konzeptionellen Dingen. So diskutiere ich mit dem Gründerteam die konkrete Unternehmensplanung oder Dinge wie Mitarbeiterbeteiligungsmodelle. Natürlich frage ich regelmäßig den Stand der Geschäftsentwicklung ab. Hin und wieder nehme ich auch mal gemeinsam mit dem einen oder anderen Gründerteam Kundentermine wahr.

 

BAND: Haben Sie bei Ihren Beteiligungen von Anfang an den Exit im Blick?

Schultz: Ein Exit hängt ganz von der Unternehmensentwicklung ab. Wissen Sie, ich verabschiede mich emotional von meinem Geld, weil ich wirklich nur freies Kapital investiere. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich keine Rendite erwarte. Die muss schon gut sein, aber dass ich da einen konkreten Exit-Termin bereits beim Eingehen einer Beteiligung im Blick habe, ist nicht der Fall. Außerdem gehe ich nur offene Beteiligungen ein. Stille Beteiligungen kommen für mich nicht in Frage.

 

BAND: Nutzen Sie unterstützende Förderprogramme, wie den Investitionszuschuss Wagniskapital (IVZ) oder den European Angels Fund (EAF)?

Schultz: Ja, den IVZ nutze ich. Bei der EN3 GmbH habe ich als Mitgründer und Erstinvestor indirekt vom IVZ profitiert. D.h.: Die EN3 war förderfähig und die sich nun beteiligen-den Investoren konnten in Summe 20% mehr in unser Unternehmen investieren. Das Pro-gramm ist gut, hat aber auch den einen oder anderen kleineren Geburtsfehler. Als Investor bekommt man ja den Zuschuss nachschüssig, also erst dann, wenn man nachweist, dass das Beteiligungskapital in voller Höhe überwiesen wurde. Kommt dann der Zuschuss, überlegt man sich, die 20% auch noch in das Unternehmen zu investieren. Das passt dann aber nicht zu den Angaben im Antrag und führt zu Diskussionen mit dem Fördermittelgeber. Aber alles in allem ist das Programm gelungen.

Was den EAF betrifft, so bestehen für den Antragsteller doch einige Hürden – wohl auch laufende bürokratische, wie man von einigen der derzeitigen Teilnehmer erfährt. Ich habe den Eindruck, dass insbesondere an den einzureichenden Track-Record sehr hohe Anforderungen gestellt werden und dieser Nachweis dann schon über viele Jahre erbracht worden sein muss. Ich befinde mich aber derzeit erst seit zwei bis drei Jahren in Exitprozessen. Somit habe ich den EAF bisher nicht genutzt.

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Von BAND/sta | Präsentiert von VDI Logo
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