01.05.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Afrika Gründerideen wider Mangel und Misswirtschaft

Afrikanische Start-ups bringen mit ihren Ideen frischen Wind in Energie- und Landwirtschaft sowie ins Verkehrs- und Gesundheitswesen. Eine Auswahl.

Fertilizer Logic
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Das Start-up Fertilizer Logic aus Ruanda entwickelt Lowcost-Bodensensorik, um Phosphor-, Kalium- und ph-Werte von Äckern zu ermitteln.

Foto: CTA-EU

Ikem Okonkwo und Salisu Adeboye schaffen Transparenz im Agrarmarkt. Landwirte, Händler und Käufer können über ihre Plattform Gidifarm wahlweise per Handy oder PC tagesaktuelle Preise für 72 Agrarprodukte abrufen. Ermittelt werden sie von unabhängigen Informanten in ganz Nigeria. Um sicherzustellen, dass diese die Preise tatsächlich auf Märkten ermitteln, müssen sie Geodaten mitliefern. Gidifarm verhilft Bauern nicht nur zu fairen Preisen, sondern auch zu Kunden, denen sie ihre Produkte im Kollektiv anbieten können. So wird das Smartphone zum Agrarmarkt. Das Duo aus Nigeria bietet den Service zielgruppengerecht in den gängigen Landessprachen an.

Gidifarm Ltd. residiert bisher noch im Co-Creation Hub in Lagos. Der Inkubator ist einer von 20 Kristallisationspunkten der wachsenden Gründerszene im Afrika südlich der Sahara. Seit drei Monaten läuft hier auch ein „Social Change Lab für Health“, das 40 E-health-Ideen hervorgebracht hat, von denen zwölf in die Umsetzungsphase gehen. Darunter zwei Apps für Schwangere, eine mobile, webbasierte Plattform zum Abschluss von Krankenversicherungen oder eine Gesundheitshotline, bei der Akut-Patienten kostenlosen Rat von Ärzten einholen oder ermitteln können, wo sie den nächsten Facharzt finden. In den kommenden Wochen werden die Gründer in spe die Ideen zu Prototypen weiterentwickeln und sich jeweils um 5000 Dollar Pre-Seed-Finanzierung der Tony Elumelu Stiftung bewerben.

IT-Lösungen für die Agrar- und Gesundheitsbranche stehen nicht nur bei Nigerias Gründern hoch im Kurs. Im November standen neun Gründerteams aus sechs Ländern im Finale der „Agrihack Championship“, die innovative IT-Lösungen für Landwirte prämiert. Als Sieger strich Ensibuuko, ein Start-up aus dem „Outbox-Hub“ im ugandischen Kampala, 5000 Euro Prämie und eine halbjährige Inkubations-Phase ein. Das Team vermittelt Kleinbauern, die in der Regel keine Konten haben, Kredite von Spar- und Kreditkooperativen (SACCOS) und Mikrokreditinstituten. Über die App des Start-ups können sie diese komplett mobil abwickeln.

Ein weiterer Preisträger der „Agrihack Championship“ kommt aus dem Inkubator kLAB im ruandischen Kacyiru. Das Start-up Fertilizer Logic entwickelt Lowcost-Bodensensorik, um Stickstoff-, Phosphor-, Kalium- und ph-Werte von Äckern zu ermitteln. Der Prototyp überträgt die Messwerte samt Geodaten drahtlos zum PC oder Smartphone des Landwirts.

Effizienter wollen Afrikas IT-Gründer auch die Gesundheitsversorgung gestalten. In ländlichen Gebieten kommen teils über 3000 Einwohner auf ein Krankenhausbett; hierzulande sind es 140. In diesem Umfeld treffen schwere Erkrankungen wie Krebs Patienten noch härter. Fachärzten sind meist weit weg. Die Meinung eines weiteren Spezialisten einzuholen, ist meist illusorisch. Das will die junge Health-E-net Ltd. ändern, indem sie Patienten mit Fachärzten aus aller Welt zusammenbringt.

Ärzten helfen will das ghanaische IT-Start-up Claimsync. Es leitet die Papierflut der Patientenakten in digitale Kanäle. Dabei ist das Team, das aus der Meltwater Entrepreneurial School of Technology hervorgegangen ist, so erfolgreich, dass ein europäischer Wettbewerber zugegriffen hat: Im Oktober 2013 hat der niederländische Digital-Healthcare-Spezialist GenKey das Start-up übernommen, um seine Position in Afrika zu stärken.

Mangelhaft sind in vielen Ländern der Sub-Sahara-Region die Verkehrssysteme und die Energieversorgung. Und auch hier schaffen Start-ups Abhilfe. Ein Vorreiter ist Patrick E. Ngowi, Gründer der Helvetic Group aus Arusha, Tansania. Sie plant und baut Solar-, Wind- und Biomasse-Systeme in ganz Ostafrika. Ngowi startete 18-Jährig mit 1800 $ von seiner Mutter und hat Helvetic binnen zehn Jahren zu einer Multi-Millionen-Dollar schweren Unternehmensgruppe ausgebaut. Mit seiner „Life for Life“-Stiftung teilt er seinen Erfolg nun in Form von Photovoltaik-Anlagen, die er Unternehmerinnen, Start-ups und Schulen stiftet.

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Von P. Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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