27.09.2013, 13:41 Uhr | 0 |

Börsengänge Deutscher IPO-Markt in Europa führend

In den ersten drei Quartalen dieses Jahres wagten in Deutschland insgesamt sechs Unternehmen den Gang aufs Parkett. Vier dieser Transaktionen waren IPOs im engeren Sinn, die ein Gesamtemissionsvolumen von 2,46 Mrd. Euro aufwiesen. Damit ist schon jetzt das IPO-Jahr 2013 – gemessen am Emissionsvolumen – das stärkste seit 2007, als insgesamt 7,85 Mrd. Euro erlöst wurden. Allerdings lag damals die Zahl der Börsengänge mit 68 deutlich über dem aktuellen Wert. Das sind Ergebnisse des aktuellen weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young (E&Y).

Sowohl im ersten als auch im dritten Quartal stellte Deutschland mit den IPOs der Wohnimmobilienkonzerne LEG und Deutsche Annington im Volumen von 1,165 Mrd. Euro bzw. 575 Mio. Euro den jeweils größten Börsengang Europas. Und von den zehn größten europäischen IPOs des Jahres 2013 fanden immerhin drei – LEG, Deutsche Annington und Kion – in Deutschland statt.

Während der deutsche IPO-Markt mit einer guten Bilanz der ersten drei Quartale aufwarten kann, sind die weltweiten IPO-Aktivitäten leicht rückläufig: Insgesamt gingen von Januar bis September weltweit 529 Unternehmen an die Börse – im Vorjahreszeitraum waren noch 637 Börsengänge gezählt worden. Und das Gesamtemissionsvolumen lag mit 88 Mrd. Dollar leicht unter dem Vorjahresniveau (91 Mrd. Dollar). Relativ schwach entwickelte sich vor allem das dritte Quartal mit 160 IPOs (2012: 191), die insgesamt 18,2 (2012:29,6) Mrd. Dollar einbrachten.

Hauptgrund für die weltweit geringeren IPO-Aktivitäten ist allerdings die von der chinesischen Börsenaufsicht verordnete Zwangspause für Börsengänge in China. In den USA hingegen hat sich der IPO-Markt weiter deutlich belebt: In den ersten neun Monaten des Jahres 2013 gingen insgesamt 142 Unternehmen an die US-Börsen – im Vorjahreszeitraum waren es nur 101. Und auch im dritten Quartal lag die Zahl der IPOs mit 47 deutlich über dem Vorjahreswert (27).

Die – gemessen am Transaktionsvolumen – recht gute Entwicklung des deutschen IPO-Marktes findet auch international zunehmend Beachtung, beobachtet Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei E&Y: „Der deutsche Kapitalmarkt mausert sich zum – neben Großbritannien – führenden Standort für Börsengänge in Europa. Im Ausland stößt die insgesamt gute Performance des deutschen IPO-Marktes mit seinen großen Transaktionen auf positive Resonanz. Das Ansehen und die Attraktivität Deutschlands als Kapitalmarktstandort ist in den vergangen Monaten gestiegen.“

Steinbach betont aber auch, dass es bislang vor allem große Unternehmen waren, die den Weg an die Börse fanden – kleinere und mittlere Börsengänge hätten es offenbar deutlich schwerer. Auffallend ist zudem, dass es vor allem Finanzinvestoren sind, die die Höchststände der Aktienmärkte nutzen und ihre Beteiligungen an die Börse bringen. „Hohe Bewertungsniveaus, niedrige Volatilität, ein zunehmendes Investoreninteresse, deutlich verbesserte konjunkturelle Aussichten: Die Rahmenbedingungen für Börsengänge sind derzeit so gut wie lange nicht“, betont Steinbach.

Dass es dennoch vor allem Großkonzerne und Finanzinvestoren sind, die derzeit den IPO-Weg einschlagen, während sich mittelständische Unternehmen weiter zurückhalten, hat aus Steinbachs Sicht mehrere Gründe: „Viele Unternehmen scheinen derzeit keinen dringenden Bedarf an zusätzlichem Eigenkapital zu haben: Angesichts niedriger Zinsen und eines boomenden Bondsmarkts sehen sie derzeit offenbar keine Veranlassung, über eine Verstärkung des Eigenkapitals über einen Börsengang nachzudenken und sich damit externe Mitsprache ins Unternehmen zu holen.“ Möglicherweise spiele aber auch noch zu schaffendes Vertrauen in den Kapitalmarkt seitens der Unternehmer sowie eine gewisse Skepsis gegenüber den damit verbundenen Offenlegungspflichten eine Rolle, so Steinbach.

Ob es im weiteren Jahresverlauf noch größere Börsengänge in Deutschland gebe und es tatsächlich zu den zu Jahresbeginn erwarteten zehn Neuzugängen auf dem deutschen Börsenparkett komme, sei noch unklar, so Steinbach. Das sei auch davon abhängig, ob sich die verkaufswilligen Finanzinvestoren schließlich für den Börsengang oder eine Veräußerung an strategische oder andere Finanzinvestoren entschließen. Positive Überraschungen hält Steinbach auch angesichts der jüngsten Zinsentscheidung der Fed, der anziehenden Konjunktur und dem Wahlausgang in Deutschland für nicht ausgeschlossen: „Gut möglich, dass sich in den kommenden Wochen noch einige IPO-Kandidaten aus der Deckung wagen.“

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