01.12.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Finanzierung Börsen öffnen sich für Biotechs

Der europäische Kapitalmarkt ist für die Biotech-Industrie wieder eine ernstzunehmende Finanzierungsalternative. Bereits in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres wurden die Vorjahreswerte signifikant übertroffen: 2014 wurden rund 2 Mrd. Euro über die Börse eingesammelt (2013: 1,89 Mrd. Euro). Die Zahl der Börsengänge verdoppelte sich auf 10. Damit sind 144 Biotech-Firmen an den 15 wichtigsten Handelsplätzen in Europa notiert. Die meisten Unternehmen werden in Paris (32) und London (29) gehandelt.

Dies sind die Kernergebnisse einer aktuellen Studie der Biocom AG, die erstmals alle relevanten Börsenplätze in Europa hinsichtlich ihrer Attraktivität für Biotech-Firmen untersucht hat. „Die Durststrecke ist vorbei. Der Kapitalmarkt in Europa hat sich der Biotech-Industrie wieder zugewandt“, sagt Studienleiter Boris Mannhardt.

Nach den Krisenjahren 2011 und 2012 zeigen die wichtigsten Indikatoren über alle Handelsplätze hinweg wieder deutlich nach oben. Einige Börsenstandorte haben besonders profitiert. „Steuerliche Vergünstigungen für innovative Firmen wie in Frankreich oder ein international sichtbares Wachstumssegment wie in London sind maßgeblich für die aktuelle positive Entwicklung verantwortlich“, so Mannhardt. Aber auch kleinere Standorte wie Zürich oder Amsterdam sind wieder attraktiv für Biotech-Firmen, wie die jüngsten, in der Studie noch nicht betrachteten Börsengänge der Molecular Partners AG und der Probiodrug AG zeigen. Die Deutsche Börse in Frankfurt wartet indes seit 2007 auf einen neuen Biotech-Börsengang. Im Vergleich der wichtigsten Börsenstandorte beweist sie sich jedoch als fruchtbarer Boden für Folgefinanzierungen: Seit 2009 fanden hier im Durchschnitt die meisten Finanzierungsrunden je Firma statt.

 Gegenüber den USA befindet sich Europa in einem Aufholprozess. Dies betrifft einerseits die Zahl spezialisierter Investoren und Analysten. „Interessanterweise dominieren heute große Investmentbanken und Pensionsfonds das Investitionsgeschehen, viele Banken haben ihre Biotech-Abteilungen abgeschafft“, sagt Mannhardt. Andererseits ist der Reifegrad der notierten Biotech-Unternehmen gering: Umsatz und Marktkapitalisierung sind in Europa deutlich niedriger als in den USA. Jede zweite Biotech-Firma wird mit weniger als 100 Mio. Dollar bewertet.

Rund 10% der europäischen Firmen überschreiten die Schwelle von 1 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung. Der deutsche Medikamentenentwickler MorphoSys – notiert an der Deutschen Börse Frankfurt – gehört dazu. Firmen wie diese setzen längst nicht mehr nur auf den europäischen Kapitalmarkt, sondern haben es inzwischen auch jenseits des Atlantiks geschafft, Interesse bei Investoren zu wecken. „Für ausländische Unternehmen ist es nicht leicht, in den USA Aufmerksamkeit zu erhalten“, so das Fazit von Jens Holstein, Finanzchef der MorhphoSys AG.

Die Biocom AG hat erstmals die gesamte europäische Börsenlandschaft hinsichtlich ihrer Relevanz für Biotech-Firmen untersucht und alle Listing-Voraussetzungen sowie Folgepflichten der wichtigsten 15 Handelsplätze zusammengetragen. Die vorliegende Studie „Comparative Analysis of European Biotech Stock Markets 2014“ schließt damit eine Lücke. Auf Basis der Biotechnologie-Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurden alle Biotech-Firmen erfasst – vom Medikamentenentwickler bis zum Enzymhersteller. Alle Börsensegmente mit mindestens acht notierten Biotech-Firmen wurden von 2009 bis Ende Q3/2014 in Bezug auf Kapitalverfügbarkeit, Liquidität, Zahl sowie Volumen der Börsengänge und Folgefinanzierungen analysiert. Den Spitzenplatz des Rankings belegt die Mehrländerbörse Euronext – und hier insbesondere der Handelsplatz Paris. Es folgt das Wachstumssegment der Londoner Börse, der sogenannte Alternative Investment Market (AIM). Am Ende der Wertung hat sich die Warschauer Börse positioniert. Die Deutsche Börse in Frankfurt befindet sich im oberen Mittelfeld. Neben dem Börsenvergleich enthält die Analyse eine Auswertung der Hauptanteilseigner der europäischen Biotech-Firmen sowie folgende Fallstudien: Abzena plc (AIM/London); Deinove SA (Alternext/Paris); Mabion SA (Main List/Warschau); MorphoSys AG (Prime Standard/Frankfurt); Newron Pharmaceuticals SpA (Main Standard/Zürich); uniQure NV (Nasdaq/New York); Valneva SE (Euronext/Paris). Ein Download der Studie inklusive umfangreichem Anhang mit allen ausführlichen Daten der einzelnen Börsenstandorte erhalten Sie hier: http://www.biocom.de/analysis2014

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Von sta | Präsentiert von VDI Logo
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