11.09.2013, 12:00 Uhr | 0 |

„Nationaler Aktionsplan Start-ups“ Bitkom will Start-up-Politik aus einem Guss

Gründer: Pünktlich zur anstehenden Bundestagswahl fordert der Branchenverband Bitkom einen überaus weitreichenden „Nationalen Aktionsplan Start-ups“.

Industrie4.0
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Industrie 4.0, also die Informatisierung der klassischen Industrien, ist ein Themengebiet, in dem deutsche Gründer laut Bitkom weltweit große Chancen haben.

Foto: Siemens

Im internationalen Vergleich hat Deutschland erschreckend wenige Technologie-Gründer. Erfolgsstorys à la Google, Facebook oder Amazon sind erst recht rar. „An den Genen kann es nicht liegen“, sagt Bitkom Vize-Präsident Ulrich Dietz und verweist auf Firmen wie SAP, Software AG oder Giesecke & Devrient.

Dass solche Gründungserfolge trotz des hohen Ausbildungsniveaus, Tugenden wie Fleiß und Ehrgeiz und des starken industriellen Umfelds ausbleiben, hat laut Dietz einen Grund: Es fehle an einem Umfeld, das den Gründergeist fördert. „Es ist gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Politik, es zu schaffen“, stellt er klar. Am Donnerstag erläuterte er in Berlin, wie sein Verband sich das vorstellt.

Im Zentrum steht dabei ein „Nationaler Aktionsplan Start-ups“, um Gründungen an allen Fronten anzukurbeln. Neun Forderungen stellt der Verband: Sie reichen von Technolgiecampi und Clustern, mehr Berücksichtigung von Gründerthemen in Schulen und Unis bis zu steuerlichen Erleichterungen und verbesserten Beteiligungschancen für Gründer in öffentlichen Ausschreibungen.

Vieles davon ist nicht neu. Doch Dietz ist überzeugt, dass es vor allem „auf ein umfassendes, in sich konsistentes Konzept ankommt, um Start-ups in Deutschland nachhaltig zu fördern“. Weg vom unkoordinierten Flickwerk der Förderprogramme auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, hin zu einem zentralen Ausschuss unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums, der die Start-up-Aktivitäten bundesweit koordiniert und sich mit ebenfalls zu schaffenden analogen Gremien auf Länderebene vernetzt.

Durchregieren soll die Politik auch im Bildungsbereich. Sämtliche Lehrpläne sollen auf Möglichkeiten überprüft werden, unternehmerisches Denken und Handeln zu trainieren. Dietz forderte ein Fach „Wirtschaft“ an Schulen. „Es könnte die heutige Sozialkunde ersetzen“, erklärte er. Reformierte Aus- und Fortbildung für Lehrer soll zudem mehr ökonomisches Know-how an Schulen tragen. An Hochschulen fordert der Verband mehr Gründerberatung, mehr Gründerlehrstühle sowie ein Modul „Entrepreneurship“ in sämtlichen Studiengängen.

Der Staat selbst soll verstärkt bei Start-ups kaufen und dafür bei Ausschreibungen die Zugangsvoraussetzungen abmildern.

Daneben will der Bitkom Steuerzahler stärker in die Gründerförderung einbinden. Steuerliche Hürden für Risikokapitalgeber und Gründer sollen fallen. „Deutschland ist bei Venture Capital im internationalen Vergleich ein Entwicklungsland“, stellt der Bitkom-Vize klar. In den USA fließen gemessen am Bruttoinlandsprodukt sieben Mal mehr Risikokapital als hierzulande. Auch Skandinavien, Großbritannien und die Schweiz seien den Zahlen nach bessere Adressen für Investoren. Um das zu ändern, soll der Bund VC-Fonds als vermögensverwaltend anerkennen und damit steuerlich besserstellen. Daneben soll er Business Angels Steuern auf Veräußerungsgewinne stunden, wenn sie das Kapital direkt in neue Start-ups investieren. Abrechnen soll er erst, wenn sie das Kapital nicht mehr reinvestieren. Obendrein fordert der Bitkom steuerliche Absetzbarkeit von Verlusten aus Start-up-Beteiligungen.

Auch Start-ups sollen Verluste leichter absetzen können. Damit sie die schwierige Anfangsphase mit hohen Ausgaben und wenig Einnahmen überstehen und für Investoren interessant bleiben, fordert der Verband dreierlei: Verlustvorträge sollen bei Wechsel des Kapitalgebers erhalten bleiben. Die Option zur Verlustverrechnung, die wegen der Regelungen zur Mindestgewinnbesteuerung bisher nur zeitverzögert geltend gemacht werden kann, soll ausgeweitet werden. Und die steuerliche Forschungsförderung soll her.

Dietz bewertet die Erfolgschancen des vorgeschlagenen Maßnahmenpaketes überaus positiv. Vor allem wenn es gelinge, die Förderung inhaltlich zu konzentrieren. „Industrie 4.0, E-Energy, intelligente Verkehrsnetze, Medizintelematik – hier sehen wir Disruptionen, von denen Start-ups profitieren können und müssen. Dazu müssen wir aber weg vom Gießkannenprinzip, wo alles ein bisschen und wenig richtig gefördert wird“, sagte er. Es gelte jetzt, Gründern in die disruptiven Märkte hinein zu helfen, um das dort entstehende extreme Wachstum zu nutzen. Deutschland habe mit seinem starken industriellen Kern beste Voraussetzung: „Wenn wir die starken Industrieunternehmen mit ihren Entwicklungsabteilungen und die Innovationskraft von Start-ups zusammenbringen, sind wir an den Technologieschnittstellen unschlagbar“.

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