04.03.2015, 12:00 Uhr | 0 |

Code_n-Award „Beeindruckende Ideen und Technologien“

Der Code_n-Wettbewerb sucht die besten Start-ups der Welt. 50 Finalisten stehen fest. Sie bekommen eine eigene Cebit-Halle. In diesem Jahr dreht sich alles um das Internet der Dinge. Initiator Ulrich Dietz erklärt im Interview, was Besucher erwartet. Der Vorstandschef des IT-Konzerns GFT zeigt außerdem auf, in welchem Bereich Deutschland gut aufgestellt ist.

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Industrie 4.0 im Selbsttest: Beim Projekt „Robochop“ kann jedermann per App eigene Möbel fertigen. Live zu sehen ist die Installation in der Code_n-Halle 16 auf der Cebit.

Foto: Matthias Ziegler

VDI nachrichten: Herr Dietz, was sind Ihre Favoriten für den Code_n- Award?

Dietz: Alle 50 Finalisten bieten beeindruckende Ideen und Technologien rund um das Internet der Dinge. Ich gebe Ihnen mal Beispiele für alle vier Unterkategorien: Im Bereich „Digital Life“ tritt etwa das Unternehmen Ambiotex an. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickeln die Mainzer u. a. ein intelligentes Shirt, welches biometrische Daten wie die Herzfrequenzvariabilität (HRV) misst und den Stresslevel des Nutzers analysiert.

Im Bereich „Smart City“ geht das niederländische Start-up Athom an den Start. Es hat ein sprachgesteuertes System zur Gebäudesteuerung entwickelt. Damit lassen sich Heizungen, Haushaltsgeräte und Lichter ebenso fernbedienen wie verschiedenste Geräte aus der Unterhaltungselektronik. Beim Verlassen des Hauses rät das System bei entsprechenden Wetterprognosen außerdem dazu, einen Schirm einzupacken.

Der Bereich „Industrie 4.0“ wird u. a. repräsentiert von Oden Technologies. Das Londoner Start-up macht Fabriken smart, in dem es vorhandene Maschinen mit Sensoren bestückt. Die gewonnenen Daten fließen in eine Cloud-basierte Software ein. Diese warnt vor drohenden Störfällen, erinnert an Wartungszyklen und optimiert die Kapazitätsauslastung.

Das Unternehmen Ulu aus den Niederlanden tritt im Bereich „Future Mobility“ an. Es ebnet auch älteren Fahrzeugen den Weg in die Welt der Connected Cars. Basis ist ein GPS-fähiger Dongle,           der mit der On-Board-Diagnose-Schnittstelle verbunden wird. Er sammelt beispielsweise Daten zu Geschwindigkeit oder technischen Parametern. Teile der Daten fließen in eine Cloud und werden aggregiert. Der Fahrer erhält im Gegenzug u. a. Echtzeit-Informationen über Unfälle oder Staus auf sein Smartphone. Interessant ist die Lösung natürlich auch für Flottenmanager und Versicherungen.

 

Alle vier Konzepte werfen Fragen zur Datensicherheit auf. Bei vielen Nutzern besteht die Sorge, dass sensible, private Daten in falsche Hände geraten.

Datensicherheit spielt natürlich bei all unseren Start-ups eine große Rolle. Entscheidend ist aber am Ende, ob ich dem Anbieter vertraue. Niemand wird gezwungen, die neue Technologie zu nutzen. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, Chancen und Risiken abzuwägen und die Geräte bzw. Maschinen in seinem Umfeld entsprechend auszuwählen bzw. einzustellen.

 

Wo liegen die Stärken Deutschlands im Internet der Dinge?

Im Bereich Industrie 4.0. Die deutschen Unternehmen aus dem Maschinen-, Anlagen und Fahrzeugbau sind bestens aufgestellt und haben sich des jungen Themas schon früh angenommen. Im internationalen Wettlauf stehen sie an der Spitze des Starterfeldes. Wichtig ist nur, die Nase weiterhin vorne zu behalten. Dabei ist zu beachten: Die Spielregeln in der digitalen Wirtschaft sind andere als in der traditionellen Wirtschaft. Jetzt zählt Geschwindigkeit! Außerdem muss mehr kundenzentriert als produktzentriert gedacht werden.

 

Ist hier neben etablierten Konzernen noch Platz für Start-ups?

Unbedingt! Beide Seiten befruchten einander. Start-ups stoßen in Lücken, die es derzeit häufig noch gibt – etwa die intelligente Nutzung der erfassten Daten. Es gibt in Deutschland zahlreiche engagierte Ingenieure, die in ihren Firmen beobachten, was an Technologie entsteht und welche neuen Möglichkeiten diese bietet. Aus dieser Gemengelage starten sie eigene Firmen – und agieren viel schneller als ihre ehemaligen Arbeitgeber. Gleichzeitig sind sie angewiesen auf die großen Player, etwa als Türöffner bei Kunden. Deshalb ist ein Ziel der Code_n- Initiative, etablierte Firmen und Start-ups miteinander in Kontakt zu bringen.

 

In der Digitaltechnik entstehen die weltweit erfolgreichen Ideen vor allem in den USA. Droht Deutschland hier ins Hintertreffen zu geraten?

Was in Deutschland und Europa noch fehlt, sind integrierte Wirtschaftszentren wie in den USA. Dort ballen sich Wagnisfinanzierer, Entrepreneure und Technik-Nerds. Aus den vorhandenen Bausteinen werden schnell neue Firmen zusammengesetzt. Das müssen wir noch lernen. Und das wird dauern.

 

Warum investiert GFT nicht selbst in die Start-ups?

Wir überlegen das immer wieder. Und schon oft haben wir bereut, das bisher nicht getan zu haben. Aber uns fehlen die nötigen Kapazitäten, um ein Beteiligungsmanagement aufzubauen. Unser Kerngeschäft ist im letzten Jahr um 25 % gewachsen. Außerdem haben wir eine Firma mit 750 Mitarbeitern zugekauft. Genug zu tun also.

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Von sta | Präsentiert von VDI Logo
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