28.07.2013, 12:00 Uhr | 0 |

Gründungselan im internationalen Vergleich BRICS-Staaten hängen Europa ab

Seit Ausbruch der Finanzkrise haben sich die Volkswirtschaften der BRICS-Staaten weitaus lebendiger entwickelt als die der westlichen Industrienationen. In Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika wurden in den vergangenen Jahren siebenmal so viele Unternehmen neu gegründet wie in den G7-Staaten. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Langzeituntersuchung von RSM, einem weltweiten Zusammenschluss unabhängiger Prüfungs- und Beratungsgesellschaften.

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In Deutschland wuchs die Zahl der Unternehmen im Zeitraum 2007 bis 2011 jährlich um durchschnittlich 0,6%. Das liegt unterhalb des G7-Durchschnitts. 

Foto: RSM

Das Netzwerk hat in 35 Ländern die Zahl der Unternehmensneugründungen mit denen der Unternehmensschließungen verglichen. Für die G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA ergibt sich nach dieser Studie seit 2007 ein Zuwachs von rund 846.000 Unternehmen, was einer jährlichen Wachstumsrate von 0,8% entspricht. Im selben Zeitraum entstanden in den BRICS-Staaten allerdings 4,8 Mio. neue Unternehmen (jährliche Wachstumsrate: 5,8%).

„Die Vergleichsdaten von RSM geben wertvolle Einblicke in globale Business-Trends“, sagt Christian Roller, International Contact Partner von RSM Germany. „Sie zeigen beispielsweise, wie erfolgreich die einzelnen Länder bei der Bekämpfung der Wirtschafts- und Finanzkrise waren. Denn in diesem Zusammenhang wurden verschiedene Initiativen ergriffen, um die Gründung von Unternehmen zu erleichtern.“

Von allen 35 Ländern legte die Zahl der Unternehmen in Hongkong am meisten zu: von 655.000 in 2007 auf 956.000 in 2011. Schlusslicht bildet Südafrika, das als einziges Land der BRICS-Staaten ein Negativ-Wachstum aufweist. Hier wurden in den vergangenen Jahren deutlich mehr Unternehmen geschlossen als neu gegründet. In Europa liegt Zypern an der Spitze (8,4%), ganz am Ende rangiert Portugal (- 0,8%).

Deutschland hat nach den Zahlen eine nur schwach entwickelte Start-up-Kultur. Von 2007 bis 2011 entstanden netto lediglich 75.000 neue Unternehmen. Mit einer jährlichen Zuwachsrate von 0,6% weist die Bundesrepublik einen nahezu stagnierenden Markt auf und liegt damit sogar leicht unter dem Durchschnitt der G7-Staaten. „Vor dem Hintergrund, dass Deutschland zu den wettbewerbsstärksten Volkswirtschaften der Welt zählt, ist dies überraschend“, so Christian Roller. „Allerdings zeigt es auch, welche Potenziale geweckt werden können, wenn Unternehmensneugründungen nachhaltig gefördert werden.“

Insgesamt berücksichtigt die Untersuchung zwölf europäische Länder. Kumuliert verzeichnen diese in den letzten fünf Jahren einen Netto-Zuwachs von 1,2 Mio. Unternehmen. Gegenüber Nordamerika ist dies eine solide Performance. Denn in den USA und Kanada wuchs die Zahl der Unternehmen lediglich um 158.000. RSM-Experte Roller erklärt dies auch mit dem Druck, der momentan auf dem europäischen Bankensektor laste. „Dadurch sehen sich viele Institute in der Pflicht, auch schwächelnde Unternehmen zu unterstützen und nicht fallen zu lassen.“

Innerhalb der G7-Staaten überrascht Frankreich. Hier wurde mit 4,5% der verhältnismäßig höchste Zuwachs an Unternehmen verzeichnet, und das bei gleichzeitig relativ niedrigem Wirtschaftswachstum. Dies, so die Studienexperten von RSM International, lasse sich auf spezielle Wirtschaftsprogramme zurückführen. So wurde in Frankreich 2009 eine Initiative namens „Auto Entrepreneur“ verabschiedet, durch die eine Start-up-Kultur gefördert wurde. Weitere europäische Länder mit überdurchschnittlich hohen Zahlen sind die Schweiz (6,8%), die Niederlande (5,2%) und Malta (3,3%).

Eine Sonderauswertung zeigt auch, dass im Krisenjahr 2008 innerhalb der vergangenen fünf Jahre die meisten Unternehmen geschlossen wurden. Gleichzeitig entstanden zu diesem Zeitpunkt aber auch die meisten Neugründungen. „Diese Entwicklung macht deutlich, dass wirtschaftliche Krisen auch unternehmerische Eigeninitiativen freisetzen“, so RSM-Chairman Warner B.J. Popkes. „Denn dadurch verschieben sich jahrelang gültige Machtverhältnisse und eröffnen neuen Playern bis dato nicht existierende Potenziale.“

Die Studie „The Road to Recovery!“ steht im Internet zum Download zur Verfügung.

http://www.rsmgermany.de/uploads/tx_news/FINAL_The_Road_to_Recovery_July13.pdf

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