06.06.2013, 08:00 Uhr | 0 |

Ende eines Hoffnungsträgers Amen vor dem Aus

Die Berliner Start-up-Szene wandelt sich. Verstärkt treten Anbieter mit einer gewissen Substanz in den Vordergrund. Nach Jahren der Euphorie und allgegenwärtiger Seedfinanzierungen für scheinbar jedes beliebige Start-up, das eine mobile App vorweisen konnte, trennt sich die Spreu vom Weizen.

Eine der Fragen, die sich dabei in den letzten Monaten viele Beobachter der Branche stellten: Was wird aus der Meinungsplattform Amen? Das fragt netzwertig.com, ein Blog über die Internet-Ökonomie – und liefert eine mögliche Antwort gleich mit:

„Das unter anderem von Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher und einigen schillernden US-Größen finanzierte Startup gehörte nicht zuletzt dank einer Aufmerksamkeit erregenden, sehr selbstbewussten PR-Strategie zu den Lieblingen der nationalen und internationalen Techpresse und prägte dadurch stark das Bild von Berlin als neuem Standort für junge Web- und Mobilefirmen. Doch auf den anfänglichen Hype folgte der schnelle Fall, nachdem viele User den Sinn und Zweck des Dienstes nicht verstanden. Das Team um die Gründer Felix Petersen, Caitlin Winner und Florian Weber versuchte, sich von dem Stimmungswandel in der Öffentlichkeit nicht beirren zu lassen und tat alles, um das Ruder noch herumzureißen – zuletzt mit einer zweiten App namens Thanks.

Auch wenn Petersen immer betonte, dass Amen ein langfristig orientiertes Projekt sei, so haben die Berliner mittlerweile zu viel verbrannte Erde hinterlassen, um das Vorhaben in der aktuellen Form zum Erfolg zu bringen. Eine einschneidende Veränderung liegt seit längerem in der Luft. Jetzt mehren sich die Anzeichen dafür, dass Amen in den letzten Atemzügen steckt.“

Nach Informationen von netzwertig.com soll Thanks intern als letzte Chance für das Startup gesehen worden sein. Im Blog heißt es: „Wer heute getamen.com aufruft, wird direkt zu Thanks geleitet. Doch die offiziell Anfang März veröffentlichte Anwendung hob nicht ab, wie gerade mal eine Handvoll tendenziell negative Bewertungen im App Store belegen. Es deutet nichts darauf hin, dass sich daran noch etwas ändern wird.

Mittlerweile befindet sich das Team im Auflösungszustand: Amens Lead Developer Ricki Gregersen verließ das Start-up im April. Wie wir aus zwei unterschiedlichen Quellen erfahren haben, ist auch Co-Founderin Caitlin Winner nicht mehr mit an Bord. Eine Nachfrage per Mail blieb unbeantwortet. Auf seinen Social-Media-Kanälen ist das Unternehmen unterdessen verstummt. Die Meldungen zur Veröffentlichung von Thanks sind das letzte zu vernehmende Lebenszeichen.“

Fazit von netzwertig.com: „Man muss kein Hellseher sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass Amen/Thanks keine Zukunft mehr hat. Doch einfach die Pforten zu schließen, würde dem Standort Berlin nicht gerade zuträglich sein. Immerhin wurde Amen speziell von der US-amerikanischen Branchenpresse mit dem Aufstieg von Berlin zu einem Start-up-Mekka verknüpft. Eine Schließung könnte bei den Investoren und Journalisten auf der anderen Seite des Atlantiks zu dem falschen Schluss führen, der deutschen Internethauptstadt gehe die Puste aus. Zahlreiche bei Amen involvierte Business Angels, wie Christophe Maire oder SoundCloud-Gründer Alexander Jung, haben bei vielen anderen Berliner Start-ups ihre Hände im Spiel, Gleiches gilt für Amen-Chef Petersen. Insofern dürften alle Beteiligten daran interessiert sein, Amens Landung so weich wie möglich zu gestalten. Was läge da näher als eine Akquisition?!

Mittlerweile kursieren Übernahmegerüchte in der Berliner Szene. Angeblich hätte man versucht, Amen an Yahoo zu veräußern. Doch auch wenn der US-Konzern in letzter Zeit mit durchgeführten Akquisitionen und angeblichen Kaufabsichten die Schlagzeilen für sich reserviert hat, klingt dieser Gedanke eher nach einem Scherz, der Yahoos ausufernde Kaufsucht aufs Korn nimmt.“

Plausibler erscheint netzwertig.com die Meldung, der ebenfalls aus Berlin stammende Onlinemusiksender tape.tv sei an Amen interessiert. „Es handelt sich hierbei wohlgemerkt nur um ein Gerücht, da es uns nicht möglich war, eine Bestätigung aus einer zweiten Quelle einzuholen. Unser Informant pocht allerdings auf die hohe Verlässlichkeit seiner Informationen. Konfrontiert mit der Behauptung erklärte Amen-CEO Felix Petersen, dass es derzeit nichts zu erzählen gäbe. tape.tv-Chef Conrad Fritzsch dementierte eine Übernahme von Amen. Die These, dass sich zwischen beiden Firmen etwas anbahnen könnte, wird jedoch dadurch genährt, dass Fritzsch selbst ein aktiver Amen-Nutzer ist/war und mit dem in Berlin omnipräsenten Business Angel Christophe Maire einen Investor hat, der auch Amen mit Kapital ausstattete. (sta)

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Von Stefan Asche
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