05.11.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Förderprogramme Wo Start-ups internationale Netzwerke knüpfen

Deutsche Gründer haben oft nur den Inlandsmarkt im Blick. Damit schmälern sie ihre Umsatzbasis und ihre Chance auf Risikokapital. Denn das sitzt bei Investoren im Ausland oft lockerer als hierzulande. Wettbewerbe und spezifische Förderangebote können den Schritt ins Ausland erleichtern.

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Kuscheliger Sieger: Bei den Start-up Open 2013 gewann ein kroatisches Frauenteam, das einen Teddy voller Sensoren entwickelte. Er misst Fieber, Herzschlag, Sauerstoffgehalt im Blut und übermittelt die Daten drahtlos an ein Tablet oder einen PC.

Foto: Teddytheguardian.com

Das Reich der TraceWave GmbH im Berliner Gründerzentrum Chic besteht aus zwei Reihen Schreibtischen, übersät mit elektronischen Komponenten und Werkzeug. Das ist zumindest der sichtbare Teil. Dahinter spannt sich ein internationales Netz des Start-up-Gründers Cromé van Puijenbroek auf. Er hat schon mehrere Unternehmen wie dieses erfolgreich gegründet.

TraceWave entwickelt Chips und Funktechnik zur relativen Ortung – das heißt ohne Satelliten und andere Infrastruktur. Zwei Mikrochips reichen aus, um die Richtung und Distanz von Objekten zu bestimmen. Wer einen Chip bei sich trägt, findet den Weg zum anderen. Oder er wird gewarnt, wenn der zweite Chip z.B. an einem Demenzkranken oder einem Haustier den Funkbereich verlässt. „Wir werden die Basistechnologie liefern und Kunden bei der Integration in ihre Systeme unterstützen“, erklärt van Puijenbroek.

Und seine Kunden sieht der Niederländer auf der ganzen Welt. Er war über 30 Jahre in Elektronikkonzernen tätig, flog als Berater um den Globus und kann auf erfolgreiche Finanzierungen früherer Start-ups zurückblicken. Die Investoren kamen aus Belgien, Großbritannien, den USA und Taiwan. Auch TraceWave richtet van Puijenbroek konsequent international aus. „Das beginnt mit englischen Webseiten, geht damit weiter, dass ich Neuigkeiten über TraceWave in mein internationales Netzwerk gebe und endet nicht damit, dass ich über Workshops und Wettbewerbe aktiv Kontakt zu Investoren im In- und Ausland suche“, so der Gründer. Er weiß, dass Risikokapital hierzulande knapp ist. Wenn seine Chips in Serie gehen, wird er schätzungsweise 4 Mio. Euro brauchen.

Van Puijenbroek beobachtet, dass deutsche Gründer anders als ihre Kollegen aus Skandinavien sehr aufs Inland konzentriert sind. Das sei angesichts der jeweiligen Binnenmärkte nachvollziehbar. „Aber spätestens, wenn sie Wachstumskapital benötigen, ist die Fokussierung auf einen Markt ein strategischer Nachteil“, warnt er. Nicht nur, weil Risikokapital im Ausland vielfach lockerer sitzt, sondern weil schon angelaufene internationale Geschäfte die Wachstumschancen von Start-ups eindrücklich belegen. „Investoren schauen genau hin, wie ernst Gründer die Übertragung ihrer Geschäftsmodelle auf Auslandsmärkte nehmen“, weiß er. Darum rate er jedem Start-up, frühzeitig internationale Kontakte zu knüpfen.

Puijenbroek selbst hat dafür kürzlich ein Coaching des EU-geförderten European Mobile & Mobility Investment Programme besucht. In Folge der Fortbildung nahm TraceWave an einem Gründerwettbewerb in Thessaloniki teil und setzte sich unter 100 Gründern aus 27 Ländern durch. Van Puijenbroek darf nun im Dezember auf dem European Venture Summit vor 120 VC-Investoren seine Geschäftsidee präsentieren. „Für mich ist das ein weiterer Kanal, um den richtigen Investor zu finden“, erklärt er. Je breiter man die Suche anlege, desto größer sei die Chance, Geldgeber zu finden, mit denen die Chemie stimmt und die neue Türen für die Vermarktung öffnen können.

Founder.org – eine Initiative, die jährlich 50 Technologie-Start-ups aus aller Welt unter ihre Fittiche nimmt, hilft beim Blick über den Tellerrand. Initiator ist der Amerikaner Michael Baum, der bereits mehrere Unternehmen erfolgreich gegründet hat. Seine Kollegen führen die Gründerteams als Mentoren durch ein strukturiertes Ausbildungsprogramm. Mentoren und Teams konferieren wöchentlich per Videochat. Neben der Betreuung gewährt Founder.org zwischen 10.000 Dollar und 100.000 Dollar Startkapital, das die Teams wahlweise gegen Unternehmensanteile tauschen oder zurückzahlen können. Zudem hat die Initiative einen VC-Fonds, der bis zu 2,5 Mio. Euro in die Start-ups investiert. Der Zugang zum Programm läuft über Partnerhochschulen, zu denen hierzulande die TU Berlin sowie die TU München und die LMU München gehören.

Deutsche Gründer, die ihr Geschäftsmodell auf den US-Markt übertragen wollen, sind im „German Accelerator“ im Silicon Valley richtig. Drei Monate können sie hier betreut von Mentoren an ihrer US-Strategie arbeiten und Kontakte zu Kunden und Investoren knüpfen. Anreise und Wohnen müssen sie selbst finanzieren, den Rest tragen das Bundeswirtschaftsministerium und private Sponsoren. Aktuell arbeiten 15 Start-ups im Accelerator, fast 40 haben ihn schon durchlaufen. Weil das Interesse groß ist, heißt es hier: Online bewerben – und hoffen.

Leichter ist der Zugang zum Erasmus-Programm für Gründer. Finanziert von der Europäischen Kommission bringt dieses grenzüberschreitende Austauschprogramm je einen Neugründer und erfahreneren Unternehmer als Gastgeber zusammen, die in derselben Branche arbeiten. Die Gäste bleiben zwischen einem und sechs Monate im Ausland und können die Aufenthalte auch stückeln. Als Beihilfe bekommen die Jungunternehmer je nach Zielland zwischen 530 Euro und 1100 Euro monatlich. Bei den Treffen profitieren aber beide Partner von den Kontakten, Ideen und dem Know-how des jeweils anderen.

Neben Förderangeboten sind internationale Gründerwettbewerbe ein eleganter Weg zur Vernetzung im Ausland. Gründer aus aller Welt lernen hier voneinander, von den jeweiligen Geschäftsmodellen und Ratschlägen international besetzter Jurys. Zudem ziehen die Wettbewerbe viele internationale Investoren an. Beispiele sind die von der amerikanischen Kauffman-Foundation unterstützte Start-up Open, Seedstars World oder die Global Start-up-Battle. Letztere macht in dutzenden Städten auf allen Kontinenten halt, darunter in Dresden, Ludwigshafen und Stuttgart. In den lokalen Wettbewerben qualifizieren sich jeweils drei Teams für Runde zwei, wo sie sich mit den besten Teams ihrer Region messen. Je zwei Teams aus den sechs Regionen qualifizieren sich für die Endrunde, wo der globale Sieger gekürt wird.

Die Wettbewerbe sind ein Anlass für Gründerteams, die nationale Brille abzusetzen und Kontakte zu knüpfen. Und die können sie spätestens dann vergolden, wenn ihre Wachstumsfinanzierung ansteht.

 

Hier können Gründer internationale Netzwerke knüpfen

Initiativen:

www.founder.org

www.germanaccelerator.com/

www.erasmus-entrepreneurs.eu/

 

Wettbewerbe:

www.startupopen.com/

www.seedstarsworld.com/

www.globalstartupbattle.co/

www.emminvest.com/

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Von P. Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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