12.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Messeförderung Mit kleinem Geld groß rauskommen

Förderprogramme von Bund und Ländern erleichtern es Start-ups, ihre Produkte im Rahmen von Gemeinschaftsständen auf Leitmessen im In- und Ausland zu präsentieren. Gerade erst hat der Bund sein mit jährlich 3 Mio. € ausgestattetes Programm bis 2016 verlängert. Geförderte Unternehmen bekommen zwischen 60 % und 80 % der Standkosten erstattet.

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Ein schicker Messestand kostet regelmäßig über 10.000 Euro.

Foto: konfigurator24.de

Angesprochen auf das "Förderprogramm des Bundes zur Unterstützung der Messebeteiligungen junger, innovativer Unternehmen auf internationalen Messen in Deutschland" hellt sich Tolgay Ungans Miene auf. "Super! Wir waren rundum zufrieden", erklärt der Gründer der Freiburger SmartExergy GmbH.

Dank der Förderung konnte das im Frühjahr 2012 gegründete Start-up seine Funksensorik zur Überwachung und Steuerung von Photovoltaik-Anlagen gleich nach seinem Start auf der Leitmesse Intersolar in München zeigen – und dabei wichtige Kundenkontakte knüpfen. Ein Auftakt nach Maß.

3 Mio. € jährlich stellt das Programm bereit, um jungen Unternehmen die Teilnahme an ausgewählten Leitmessen zu erleichtern. Bisher trug der Bund 80 % der Kosten bei den ersten beiden Messeteilnahmen und 70 % ab der dritten Beteiligung, wobei er pro Messe zwei Teilnahmen fördert. Mit der Verlängerung des Programms bis 2016 wurde jüngst die Selbstbeteiligung der Gründer auf 30 % bei den ersten zwei Teilnahmen und anschließend 40 % angehoben. Für welche Messen Start-ups Anträge stellen können, listen der Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft (Auma) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) auf ihren Webseiten (s. u.). Letzteres bearbeitet und bewilligt die Förderanträge.

Als "reibungslos und schnell" beschreibt Ungan das Antragsverfahren. Sein Unternehmen hatte dann die Wahl zwischen verschiedenen Standgrößen im Rahmen eines über 230 qm großen Gemeinschaftsstands. Unter dem Slogan "Innovation Made in Germany" haben außer SmartExergy noch 16 weitere junge Firmen das Angebot wahrgenommen. "Für uns hat das bestens gepasst, weil wir uns klar im Technologie-Kontext präsentieren konnten", so der Gründer. Auch ein Rückzugsraum im Innern des Standes und die gute Betreuung während der Messe hebt er lobend hervor. Einziges Manko: Es fehlte an einem Séparée, um in Ruhe Vieraugengespräche mit Interessenten führen zu können. Doch das hält ihn nicht von der nächsten Teilnahme ab. "Die Standfläche ist schon gebucht", berichtet Ungan.

Das auf internationale Leitmessen zielende Programm soll Gründern den Einstieg ins Exportgeschäft erleichtern. Gefördert werden in der Regel 6 m2  bis 15 m2 Standfläche im Rahmen von Gemeinschaftsständen, an denen sich mindestens zehn Firmen beteiligen sollen. Dabei übernimmt der Bund die Kosten für Standmiete und Aufbau sowie Umlagen für Energie und Entsorgung, sofern Antragsteller alle Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen als selbstständige Unternehmen ihren Sitz im Inland haben, produkt- oder verfahrenstechnische Neuentwicklungen präsentieren, jünger als zehn Jahre sein und dürfen nicht mehr als 50 Mitarbeiter und 10 Mio. € Umsatz haben. Maximal werden pro Messe 7500 € als nicht rückzahlbare Beihilfe gezahlt. Laut EU-Kommission darf das geförderte Start-up in den letzten drei Steuerjahren aber nicht mehr als insgesamt 200 000 € an Beihilfen erhalten haben. Sonst wird es von der Förderung ausgeschlossen.

Auch das Kumulieren der Förderung mit anderen Programmen ist nicht erlaubt. Länder und so manche Kommune fördern KMU mit eigenen Messeprogrammen. So hätte SmartExergy auf der Intersolar zu gleichen Bedingungen auch auf einem Gemeinschaftsstand des Freiburger "GreenCity Cluster" teilnehmen können. Und auch das Land Baden-Württemberg stellt über seine Wirtschaftsförderung regelmäßig große Gemeinschaftsstände auf ausgewählten Leitmessen auf die Beine, auf denen Start-ups vergünstigte Sonderkonditionen genießen. Orientierung über die Programme bietet die Auma auf ihren Webseiten.

Allerdings greifen nicht alle Gründer bei den vergünstigten Angeboten zu. So hat sich die auf Formgedächtnislegierungen spezialisierte Bochumer Ingpuls GmbH bewusst dagegen entschieden. Sie präsentiert sich auf der diesjährigen HannoverMesse (HMI) erneut auf dem etablierten Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Allianz "Adaptronik", weil es für sie thematisch passt und die Marketingbotschaften des Technologie-Unternehmen besser trägt. Als Absage an die Förderprogramme will Mitgründer André Kortmann dies nicht verstanden wissen. "Bisher haben wir keine Förderung in Anspruch genommen, weil es auf der HMI einfach nicht gepasst hat – und uns der Aufwand für eine zweite Messe bisher noch zu hoch war", erklärt er. Für die künftige Ausweitung der Messeaktivitäten seien die Programme sehr interessant.

Möglicherweise kommt dann auch das Auslandsmesseprogramm (AMP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie infrage. Mit diesem Evergreen der Messeförderung unterstützt der Bund bereits seit 1949 kleine und mittlere Unternehmen bei der Teilnahme an Messen in aller Welt. Auch in diesem Programm können sie an Gemeinschaftsständen andocken, welche die Auma koordiniert. Regelmäßige Befragungen zeigen, dass der Service wirkt. Nicht nur, weil sich die Unternehmen ins gemachte Messe-Nest unter dem Slogan "Made in Germany" setzen können, sondern weil 83 % von Ihnen angeben, ihre Exporte damit angekurbelt und abgesichert zu haben. Rund 87 % der Teilnehmer haben unter 500 Mitarbeiter, über 40 % weniger als 50 Beschäftigte. Für sie sind die Gemeinschaftsstände häufig der Eintritt in die Wachstumsmärkte Asiens, Osteuropas, Afrikas oder Südamerikas. Sie auf eigene Faust zu beackern, wäre für die KMU kaum machbar. Doch mit der Förderung gelingt es: Im Schnitt hatten die teilnehmenden Unternehmen zuletzt eine Exportquote von 57 %.  PETER TRECHOW

Das kostet ein Messestand  

  • Ein aufs Nötigste abgespecktes Basis-Paket für einen 12 m2 Eckstand auf der HannoverMesse – inklusive Elektrizität und Service- und Marketingzuschlägen – kostet rund 6600 € (zzgl. MwSt.). Bei der CeBit kostet ein vergleichbarer Stand um die 7200 € (zzgl. MwSt.).
  • Damit ist aber erst die Basis des Messeauftritts gelegt: In die Gesamtkalkulation gehören auch Übernachtungs-, Reise- und Bewirtungskosten, die Kosten für die Standgestaltung, Werbematerial und natürlich Personalkosten.
  • Daneben gibt es jede Menge kleine Kostentreiber, ob Parkscheine, Transportkosten oder Wasser für die Kaffeemaschine, das auf Messen aus Hygiene-Gründen nicht am Wasserhahn gezapft werden darf.
  • Zum Vergleich: Die Beteiligung an einem vom Land geförderten Gemeinschaftsstand auf einer Leitmesse kostet für Gründer bei Bayern Innovativ abhängig von der Standgröße zwischen 1300 € und 3500 € (zzgl. MwSt.). pt
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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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