09.04.2014, 12:00 Uhr | 0 |

Stiftungen Gestiftete Gründerhilfe

Diverse Stiftungen haben sich hierzulande der Förderung des Unternehmertums verschrieben. Dieses privat finanzierte Engagement für Existenzgründer gerät neben der großen Vielfalt an staatlichen Förderprogrammen leicht aus dem Blick. Zu Unrecht.

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Die Gründer der Fazua GmbH haben gerade eine Seedfinanzierung erhalten, um ihren demontierbaren, im Unterrohr versteckten E-Bike-Antrieb zur Serienreife zu entwickeln. Angeschoben wurde die Gründung von der Falk F. Strascheg Stiftung.

Foto: Fazua

Crowdfunding und die Deutsche Bank? Ein seltsam anmutendes Begriffspaar. Was soll der Bankgigant mit Online-Klingelbeuteln für Gründer zu schaffen haben? Tatsächlich gibt es eine direkte Verbindung. Die Deutsche Bank Stiftung fördert die Crowdfunding-Plattform „Social Impact Finance“, auf der soziale Entrepreneure um Finanzierungen für ihre Projekte werben.

Die Deutsche Bank Stiftung ist beileibe nicht die einzige Stiftung im Lande, die Geld und Know-how zur Förderung von Unternehmensgründern bereitstellt. Nicht immer haben die Stifter dabei „Social Entrepreneurship“ im Blick. Oft geht es ihnen generell darum, die hierzulande unterbelichtete Kultur der Selbständigkeit zu fördern. Hinter den Stiftungen stehen meist erfolgreiche Unternehmer, die ihre unternehmerischen Erfahrungen tradieren und junge Menschen ertüchtigen wollen, sich selbstständig zu machen.

Einer der aktivsten Stifter ist Falk F. Strascheg, der in den 70er Jahren ein europaweit führendes Laserunternehmen aufgebaut und verkauft hat. Den Erlös reinvestierte er gewinnbringend über seine VC-Gesellschaft Technologieholding, die er 2000 an 3i verkaufte. Heute leitet Strascheg mit der Extorel GmbH wieder eine VC-Gesellschaft. Große Teile seines Vermögens verwalten heute die Falk F. Strascheg Stiftung und die Renate und Falk Strascheg Stiftung. Zentrales Ziel beider Einrichtungen ist es, Unternehmertum an deutschen Hochschulen zu etablieren. Dafür unterhalten sie u.a. das 2002 gegründete Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) an der Hochschule München und das 2007 gegründete „Strascheg Institute for Innovation and Entrepreneurship“ (SIIE) an der European Business School.

Neben Strascheg unterhalten auch andere Unternehmer Stiftungen, die teils ideelle, teils auch materielle Starthilfe für Gründer anbieten. Darunter der Berliner Professor und Gründer der Teekampagne Günter Faltin mit seiner Stiftung Entrepreneurship. Sie versteht sich als virtueller Gründercampus. Gründer lernen hier über kostenlose E-Learning-Kurse Techniken und Verfahren zur erfolgreichen Unternehmensführung und können sich mit allen anderen Besuchern des Campus vernetzen. Daneben richtet die Stiftung den jährlichen Entrepreneurship Summit aus, zu dem sich letztes Jahr rund 1700 Gründer und Gründungsinteressierte in Berlin einfanden.

Nicht minder konkret sind die Unterstützungsangebote der Münchener Hans Sauer Stiftung. Sie unterstützt in Kooperation mit Hochschulen und Forschungsinstituten Erfinder bei Forschung und Entwicklung, Prototypenbau und bei ihrem Weg aus dem Labor in den Markt. Das Geld stammt aus dem Vermögen das 1996 verstorbenen Stifters Hans Sauer, der als rastloser Erfinder und Unternehmer entscheidend zum Fortschritt der Relais-Technik beigetragen hat. Mit der Stiftung leistet er über seinen Tod hinaus einen Beitrag zu Innovation und technischem Fortschritt; wobei sein Ziel einer funktionierenden „Ko-Evolution von Mensch und Natur“ im Mittelpunkt steht.

Ratsuchende Existenzgründer und Unternehmensnachfolger aus Niederbayern und der Oberpfalz können sich an die Hans Lindner Stiftung wenden. Die Stiftung der Familie und Unternehmensgruppe Lindner leistet kostenfreie Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie Gründer bei der Konzeption ihrer Geschäfte berät, ihr unternehmerisches Potenzial analysiert und sie mit Rechts- und Steuerberatern sowie Geldgebern zusammen bringt. Daneben hat sie diverse Leitfäden für Gründer zusammengestellt, die auf ihren Webseiten zum kostenlosen Download bereitstehen.

Speziell auf Entrepreneure mit Migrationshintergrund richtet die Peter Fuld Stiftung ihre Gründer-Starthilfe aus. Gemeinsam mit den Wirtschaftspaten und dem Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt berät und schult sie diese vor etwaigen Gründungsvorhaben. Ein Jahr lang können Gründer die Unterstützung kostenlos beanspruchen. Hintergrund des Engagements ist, dass der „Halbjude“ Peter Fuld aus dem nationalsozialistischen Deutschland vertrieben wurde und anschließend rassistische Ausgrenzung in Kanada und England erleben musste. Bevor er 1962 an einem Krebsleiden starb, vermachte er einen Gutteil seines geerbten Vermögens einem Freund. Auflage: Dieser sollte damit eine Stiftung zur Förderung begabter, aber diskriminierter Jugendlicher gründen. Bis heute kommt die Peter Fuld Stiftung diesem Vermächtnis nach – und vergibt neben der Gründerstarthilfe auch Stipendien an junge Migranten.

Eine weitere private Stiftung, die es gut mit Gründern meint, ist die 2010 gegründete gemeinnützige April Stiftung. Ihr Ziel: Zu unternehmerischem Denken anregen und mit Gründer-Erfolgsgeschichten im eigenen Magazin möglichst viele Nachahmer zur Selbstständigkeit motivieren. Im Kreis der Initiatoren und Förderer finden sich Gründer, Mittelständler, Finanzierer und Hochschulprofessoren.

Es sind also keineswegs nur Milliardäre, die sich hierzulande ehrenamtlich und mit privatem Geld für eine Gründerkultur einsetzen.  Mittlerweile mischt auch das ein oder andere Großunternehmen mit eigenen Stiftungen mit. So gehören u.a. die Vodafone Stiftung und die BMW Stiftung Herbert Quandt zu den Förderern der 2010 gegründeten Social Entrepreneurship Akademie in München. Getragen von den vier Münchener Hochschulen bildet diese Gründer mit sozialen Geschäftsideen aus. Gerade hat sie Act for Impact aufgelegt – das nach eigener Aussage höchstdotierte Förderprogramm für Sozialunternehmer im deutschsprachigen Raum. Wer sich in den Bereichen Bildung und Integration selbständig machen möchte, kann auf 51.000 Euro Fördergeld hoffen. Der Act for Impact führt direkt zur Crowdfunding-Börse, welche die Deutsche Bank Stiftung fördert. Denn hinter dieser Börse steckt ein Förderkreis, zu dem eben jene Social Entrepreneurship Akademie gehört. Neben ihr und der Deutsche Bank Stiftung ist auch der Berliner Professor Günter Faltin beteiligt.

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Von P. Trechow / L. Schäfer | Präsentiert von VDI Logo
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