04.03.2015, 12:00 Uhr | 0 |

Förderprogramme Eben gegründet, schon Aussteller auf großer Messe

Start-ups müssen alle Ohren am Markt haben. Erst im Kundenkontakt zeigt sich, ob ihre Innovationen benötigt werden. Messen sind eine gute Gelegenheit, um sich dem Kundenurteil zu stellen – wären da nicht die hohen Kosten. Damit sich Gründer trotz knapper Budgets auf In- und Auslandsmessen zeigen können, gewähren Bund und Länder Fördergelder.

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German Pavilion: Kleine Firmen präsentieren sich im Ausland auf großem Stand.

Foto: Hospitalar Sao Paulo/Messe Düsseldorf

Wohl denen, die ihre Exponate im Handgepäck mitführen können. Denn schon ohne Transportkosten geht eine Messeteilnahme richtig ins Geld. Messestand plus Aufbau und Gebühr, Informations- und Werbematerialien, An- und Abfahrt, Übernachtungen, Verpflegung und oft noch Zuschläge für Beleuchtung, Strom- und Wasseranschluss am Stand – da kommen schnell fünfstellige Eurobeträge zusammen; erst recht bei Auslandsmessen und wenn die Exponate eben nicht ins Handgepäck passen.

Start-ups mit ihren knappen Budgets müssen sich ganz genau überlegen, ob und wo eine Messeteilnahme für sie sinnvoll ist. Klar ist: Wo tausende Branchenkenner und Einkäufer durch die Hallen pilgern, bieten sich reichlich Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen. Gründer können hier direktes Feedback zu ihren Produktentwicklungen bekommen und im Fall negativer Resonanz Hinweise sammeln, was sie anders oder besser machen können. Stoßen sie auf positive Reaktionen, dann können aus solchen Messegesprächen ernsthafte Geschäftsbeziehungen werden.

Dafür lohnt es sich, den Faden nach der Messe aufzunehmen – also im Nachgang aktiv auf Gesprächspartner zuzugehen. Voraussetzung dafür ist es, sich im Trubel der Messe jeweils kurz Zeit zu nehmen, um Gespräche zu protokollieren. Hilfreich bei der Vor- und Nachbereitung ist die kostenlose „Toolbox“ des Auma – Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Das Software-Paket mit diversen Checklisten und einem Tool zum Nutzen-Check steht wahlweise als Online-Version oder auf dem Auma-Webseiten zum Download bereit (s. u.).

Neben dem Softwarepaket finden sich hier praktische Tipps für Aussteller auf In- und Auslandsmessen sowie Hinweise auf Förderprogramme, mit denen Bund und Länder kleinen und mittleren Unternehmen Teile der finanziellen Last von Messeteilnahmen abnehmen. Speziell an junge innovative Unternehmen richtet sich ein Förderangebot des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi): Gemeinschaftsstände für Start-ups auf bundesweit über 60 internationalen Leitmessen unterschiedlichster Branchen, bei denen der Bund Gründern 70 % der Kosten oder maximal 7500 € pro Messe und Aussteller abnimmt. Förderfähig sind Standmiete und Aufbaukosten. Ab der dritten Teilnahme an so einem Gemeinschaftsstand sinkt der Zuschuss auf 60 %. Um in den Genuss der Förderung zu kommen, dürfen Unternehmen maximal zehn Jahre alt sein, ihr Jahresumsatz muss unter 10 Mio. € und die Zahl der Mitarbeiter unter 50 liegen.

Listen der Messen, auf denen 2015 und 2016 geförderte Gemeinschaftsstände geplant sind, gibt es beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) samt den entsprechenden Antragsformularen. (Link: s. u.)

Geförderte Firmen genießen eine „hervorragende Platzierung“

Neben der finanziellen Förderung hat das Programm weitere Vorteile: Unter anderem sind die Messeveranstalter angehalten, jeweils „eine hervorragende Platzierung des Gemeinschaftsstandes sicherzustellen“. Außerdem sollen sie die 6 m2 bis 15 m2 großen individuellen Ausstellungsflächen durch einen gemeinsamen Infostand ergänzen. Das garantiert Aufmerksamkeit, die für Gründer neben den professionellen Prunkständen großer Unternehmen kaum zu erreichen wäre.

Aufmerksamkeit ist auch einer der großen Vorteile geförderter Gemeinschaftsstände auf Auslandsmessen. Allein 2015 wird der Bund auf weltweit 277 Messen Stände unter dem Slogan „made in Germany“ fördern. Wobei sich dieses Angebot an kleine und mittlere Unternehmen wie an Start-ups richtet. In einer aktuellen Befragung von 500 Ausstellern im Auftrag der Auma geben vier Fünftel an, dass sie vor allem die positive Imagewirkung zur Beteiligung an den sogenannten „German Pavilions“ bewogen hat. Die technische und organisatorische Unterstützung wissen satte 71 % zu schätzen. Dagegen geben nur 60 % die finanzielle Förderung als Grund für ihre Teilnahme am Gemeinschaftsstand an.

Die hohe Imagewirkung und Aufmerksamkeit auf den Messen setzt sich im Web fort. Denn im virtuellen German Pavilion (Link: s. u.) sind alle Aussteller der Gemeinschaftsstände mit Kurzporträts gelistet. Daraus geht hervor, dass auch sehr junge Unternehmen wie die 2013 gegründete LightFab UG aus Aachen oder die nur ein halbes Jahr ältere WinWinTec UG aus Arnstadt die Gelegenheit wahrnehmen, sich und ihre Produkte im Ausland zu präsentieren. Während Erstere auf die Herstellung und Strukturierung von transparenten Bauteilen mithilfe von Ultrakurzpuls-Faserlasern spezialisiert ist, vertreibt Letztere vor allem in China und Taiwan Tribometer und Systeme zur 3-D-Oberflächenvermessung per Weißlichtinterferometrie. Junge hoch spezialisierte Start-ups also, die frühzeitig internationale Märkte ins Visier nehmen und dabei gern unter dem Gütesiegel „made in Germany“ ausstellen.

Alle Bundesländer unterhalten eigene Förderprogramme

Neben dem Bund unterhalten alle Bundesländer eigene Programme, mit denen sie Aussteller auf ausgewählten Messen im In- und Ausland fördern. Auch hier sind Gemeinschaftsstände das Mittel der Wahl. Für Start-ups und Forschungsinstitute gibt es dabei in diversen Ländern vergünstigte Konditionen – wobei die Definitionen von Start-ups nicht immer einheitlich sind. So kommen etwa in Baden-Württemberg nur solche Unternehmen in den Genuss der „Start-up-Pakete“, die noch keine fünf Jahre alt sind und die weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen. Einen Überblick über die Länderangebote bietet die Auma im Internet (s. u.).

http://www.toolbox.auma.de

http://bafa.de („Wirtschaftsförderung“)

http://www.german-pavilion.com

http://auma.de/de/TippsFuerAussteller

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Von P. Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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