19.03.2014, 12:00 Uhr | 1 |

"Horizon 2020" EU-Milliarden für KMU am Horizont

Im 8. Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ wird die EU von 2014 bis 2020 rund 80 Mrd. Euro in Forschung und Innovation investieren. Stärker als bisher sollen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) davon profitieren. Auf sie wird etwa ein Zehntel der Gesamtsumme entfallen. Ein Netzwerk nationaler Kontaktstellen steht Antragstellern mit Rat und Tat zur Seite.

Die Beratung ist kostenlos. Es gibt sie bundesweit in über 30 Städten von Augsburg bis Zittau. Insgesamt sind es knapp 60 Stellen, bei denen Antragsteller das Prozedere der Forschungs- und Innovationsförderung im 8. EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ erfragen können.

Die flächendeckende Beratung ist auch nötig. Denn hinter dem „Horizont“ verbirgt sich ein echter Moloch. War das 1. Rahmenprogramm in den 80er-Jahren noch mit 3,3 Mrd. ECU ausgestattet, und waren es bei der gerade abgelaufenen 7. Phase schon 56 Mrd. Euro, so schwillt das Budget für die Jahre 2014 bis 2020 auf rund 80 Mrd. Euro an. Angesichts dieser Summe ist Unübersichtlichkeit vorprogrammiert. Ausschreibungen laufen parallel. Schwerpunkte verschwimmen. Bei genauerer Recherche beginnen die Augen von Laien vor lauter Verästelungen des Programms schnell zu flimmern.

Die grundsätzliche Struktur des Programms ist vergleichsweise einfach. Es gibt drei Säulen: „Forschungsexzellenz“, „Industrielle Führerschaft“ und „Gesellschaftlicher Wandel“, in denen gefördert wird. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind die Ausschreibungen rund um „Industrielle Führerschaft“ und „Gesellschaftlichen Wandel“ interessant. Denn hier sind 20% der Mittel, und damit über 8 Mrd. Euro für die Förderung innovativer Mittelständer reserviert.

Die Trauben hängen allerdings hoch. Die Erfolgsquoten von Anträgen lagen in bisherigen Rahmenprogrammen zwischen 10% und 20%. Und das trotz des hohen Aufwands für Antragsteller. Immerhin gilt es, in der Fülle von Ausschreibungen die passende zu finden, mit Projektpartnern aus anderen EU-Ländern ein überzeugendes Konsortium zusammenzustellen, die Idee und deren Innovationspotenzial im Antrag ausführlich darzulegen – und sich in die Systematik der Anträge hineinzudenken.

Für die Suche nach Ausschreibungen auf dem Teilnehmerportal (Participant Portal) der EU-Kommission hilft es, etwas tiefer in die Programmstruktur einzusteigen. Die Säule „Industrielle Führerschaft“ ist dreigeteilt. Einerseits werden Projekte in Schlüsseltechnologien gefördert: Informations- und Kommunikationstechnik, Nano- und Biotechnologie, Raumfahrt, Materialforschung und Produktionstechnik. Hier tut sich in den Ausschreibungen eine wahre Fundgrube für KMU auf. Daneben gibt es die Bereiche „Risikofinanzierung“ und „Innovation in KMU“, die ebenfalls auf mittelständische Unternehmen zugeschnitten sind. Zum einen sollen Kredite und Kreditgarantien der Europäischen Investitionsbank und des European Investment Fund sowie Frühphasenfonds für junge Unternehmen den Zugang zu Wagniskapital erleichtern. Zum anderen sollen KMU bei der Entwicklung neuer Produkte in den Genuss einer Dreiphasen-Förderung kommen, die mit 50.000 Euro für ein Konzept und eine Machbarkeitsstudie beginnt und nach einer Demonstrationsphase bis in die Vermarktungsphase reichen soll. Pro Projekt sollen bis zu 2,5 Mio. Euro fließen, bei bis zu 70% Förderquote.

Die Säule „Gesellschaftlicher Wandel“ soll helfen, saubere Lösungen rund um die Themen demografischer Wandel und Gesundheit, Ernährung, Energieversorgung, Mobilität oder Ressourceneffizienz zu entwickeln. Die EU fördert dafür F&E, Demonstrationsprojekte, Schulungen oder auch Reisekosten und Öffentlichkeitsarbeit. Wobei Non-Profit-Organisationen 100% der direkten Kosten erstattet bekommen können.

Bleibt die Frage, wie Unternehmen in den Genuss der Förderung kommen – oder wie sie zumindest ihre Chancen erhöhen können, ein Stückchen vom 80-Mrd.-Euro-Kuchen zu bekommen.

– Erste Ansprechpartner sind die Beratungsstellen des „enterprise europe network“. Praktisch: Ihr „H2020_Emaildienst“, den KMU über http://www.eu-service-bb.de/h2020-emaildienst ordern und dabei gezielt ihre Interessengebiete angeben können.

– Informationen aus erster Hand bietet das Participant Portal der EU-Kommission

http://ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/home.html

Hier finden sich die Ausschreibungsdatenbank und jede Menge praktische Hinweise sowie europaweite Adressen.

– Übersichtlich aufbereitete Infos zu „Horizon 2020“ hat die „Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen“ unter http://www.kowi.de zusammengestellt.

– Auch die Nationale Kontaktstelle vom Bundesforschungsministerium (BMBF) unter http://www.horizont2020.de ist wichtig. Sie erläutert das Antragsverfahren, bietet Checklisten für Antragsteller, erklärt, worauf Gutachter bei Anträgen achten und informiert über Einreichungsfristen.

Ob diese Hilfestellung tatsächlich dazu führen wird, dass sich im großen Stil KMU an den Ausschreibungen beteiligen, werden die kommenden sechs Jahre zeigen. Gerade für kleine Betriebe könnte sich der Aufwand als zu hoch erweisen. Allerdings gibt es für sie auch andere Wege zu internationalen Forschungskooperationen. Etwa die im Artikel oben beschriebenen bilateralen Förderprogramme im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM), bei denen der Bund zumindest den bürokratischen Aufwand der Antragstellung bewusst zurückgefahren hat.

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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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kommentare
22.05.2014, 15:00 Uhr Gründer
Ich habe an einem Workshop des eyIF bzgl. Horizohnt 2020 teilgenommen. Hier ist mein Bericht dazu: http://bit.ly/1oj5zoL

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