08.04.2005, 18:38 Uhr | 0 |

Gründer Jede Pore ein kleiner Reaktor  

VDI nachrichten, Erlangen, 8. 4. 05 - Promeos Gründer Jochen Volkert hat einen wahren Gründungskrimi erlebt. Immer wieder platzten zugesicherte Finanzierungen. Doch seit zwei Jahren entwickelt er erfolgreich Porenbrenner. Sie sind der üblichen Brennkammertechnologie deutlich überlegen. Mögliche Einsatzgebiete sind etwa der häusliche und industrielle Heizungsbereich.

Der Erlanger Jochen Volkert hat Nehmerqualitäten. Die Schläge, die er beim Aufbau seiner Promeos GmbH einstecken musste, hätten viele andere dauerhaft zu Fall gebracht.

Dabei schien 1998 alles ganz einfach. Am Lehrstuhl für Strömungsmechanik der Uni Erlangen war er mit der Porenbrennerentwicklung seines Mentors Prof. Franz-Josef Durst in Berührung gekommen. Er trieb die Entwicklung voran und wollte die viel versprechende Technik kommerzialisieren. Dafür schrieb er einen Businessplan, nahm am 1. Businessplan-Wettbewerb Nordbayern teil und landete auf dem zweiten Platz. Das Potenzial der Technologie hatte es den Juroren angetan.

"Verbrennt ein Gas-Luftgemisch in einem porösen Keramikkörper statt im herkömmlichen Brennraum, bringt das ein ganzes Bündel an Vorteilen mit sich", erklärt Volkert. Anders als in Brennkammern erlischt die Flamme beispielsweise nicht, wenn der Luftstrom zu stark oder zu schwach ist. In den winzigen Keramikporen herrschen stabile Bedingungen. Dabei ist es egal, ob alle Poren mit Gemisch gefüllt sind, oder nur einige wenige - jede Pore ist ein eigener Reaktor. Das hat den Vorteil, dass sich die Verbrennung exakt regeln lässt. Je nach Menge des hinein geblasenen Gemischs schaffen Porenbrenner eine genau regelbare Leistung z. B. von 2 kW bis 40 kW. "Das entspricht einer Regelbarkeit von 1 zu 20. Im Labor haben wir sogar 1 zu 50 und mehr realisiert¿, so Volkert.

Neben der guten Regelbarkeit ist die Verbrennung effizienter und emissionsärmer als in bisherigen Brennern. Die stabilen Randbedingungen ermöglichen homogene Verbrennungsprozesse, bei denen von vornherein weniger Schadstoffe entstehen. Dazu wird die Hitze besser genutzt. Die im Vergleich zu den Wänden eines Brenners extrem große Oberfläche der Poren nimmt die Hitze sehr schnell auf und leitet sie an Wärmetauscher weiter.

Die Technologie begeisterte nicht nur die Juroren des Businessplan-Wettbewerbs. 1999 wollte ein Kapitalgeber 10 Mio. DM bereitstellen. Der Deal aber platzte, weil in früheren Zeiten schon Teillizenzen für die Technologie an einen Heizgerätehersteller vergeben worden waren. "Dem Investor missfiel, dass ich nicht alle Schutzrechte in der Hand hielt", erinnert sich der Gründer. Der anschließende Versuch einer strategischen Allianz mit einem anderen Heizgerätehersteller scheiterte ebenfalls an der Vorgeschichte.

Die Rückschläge veranlassten Volkert dazu, bei der Vermarktung der Technik enger mit Prof. Durst zusammenarbeiten. Er wurde Geschäftsführer von dessen Invent GmbH, die zu dem Zeitpunkt in arge Bedrängnis geraten war. Hier erwarb der Gründer erste unternehmerische Sporen. Binnen eines halben Jahres schaffte er den Turn-around. "Wir haben akquiriert wie verrückt und dabei auf alle bestehenden Kontakte gesetzt¿, erzählt er.

Nach dem Turn-around begann Volkert, Invent von einem Dienstleister in Sachen Strömungstechnik in einen Technologieentwickler für Porenbrenner zu wandeln. Dafür sammelte er im Familien- und Freundeskreis über 500 000 ? ein. Das Geld reichte, um alle Lizenzrechte zurück zu kaufen. So gerüstet, konnte er einem Unternehmer eine weitere Million entlocken. "In diesem Augenblick dachte ich, wir wären endlich reif für eine VC-Finanzierung¿, so Volkert. Und tatsächlich, er fand einen Großinvestor: Ein Autohersteller wollte die Technologie für seine Motoren nutzbar machen und sagte 10 Mio. ? zu. Doch kurz vor Abschluss des Vertrages verhängte der Konzern einen Investitionsstopp für Europa, weil ihm in den USA Milliardenstrafen wegen einer Unfallserie mit geplatzten Reifen drohten. Damit schien auch Volkerts Traum geplatzt.

Doch er ließ sich nicht entmutigen. 2002 erhielt er erneut eine Finanzierungszusage über 3 Mio. ? von der VC-Sparte eines Energieversorgers. "Die schickten uns dann Wirtschaftsprüfer für die Due Diligence ins Haus." Die Prüfer stießen auf ein extrem kompliziertes Gesellschaftersystem - und machten einen Rückzug.

Eine einfachere Firmenstruktur musste her. Volkert gründete zwei neue Unternehmen und beantragte schweren Herzens Insolvenz für die Invent GmbH. Promeos treibt jetzt die Entwicklung des Porenbrennerverfahrens voran, eine Schwestergesellschaft hält alle Patente. Der radikale Schnitt brachte tatsächlich den ersehnten Erfolg. Nur ein halbes Jahr nach der Insolvenz von Invent stiegen bei Promeos vier VC-Geber mit jeweils 1,2 Mio. ? ein. Volkert und seine 20 Mitarbeiter, die dem Projekt trotz der wiederholten Hängepartien fast komplett treu blieben, können sich seit dem endlich auf die Entwicklung der Technik konzentrieren.

"Jetzt geht es um Strategien für den Markteintritt¿, so der Gründer. Er geht zunächst Nischenmärkte an. Ziel sind Betriebe mit Bedarf an genau temperierter Prozesswärme. Dazu zählen beispielsweise Glashersteller und bestimmte Stahlkocher. Sobald die Porenbrenner dort etabliert sind, will Promeos den Schritt auf Massenmärkte wagen. Hier schweben Volkert vor allem Heizungsanlagen im häuslichen und industriellen Bereich vor.

PETER TRECHOW

www.promeos.com

Verbrennung ist sauberer als in üblichen Brennern

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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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