18.06.2010, 19:47 Uhr | 0 |

Gründer App-Entwickler hoffen auf goldene Nase

Apple hat Software-Entwickler mit iPhone und iPad in einen echten Goldrausch versetzt. Seit es sich herumgesprochen hat, dass mit Apps gutes Geld zu verdienen ist, versuchen immer mehr Programmierer ihr Glück. Doch die Chancen auf finanziellen Erfolg schwinden. In der Flut von über 200 000 angebotenen Apps gehen auch pfiffige Programme leicht unter.

Bei Afrika-Meisterschaften gibt sie den Ton an. Und nun auch bei der WM in Südafrika: die Vuvuzela. Zum Mittröten eignet sich neuerdings auch das iPhone. Je länger und stärker man ins Mikrophon pustet, desto trööööööt.

iVuzela nennt sich die App, die die Kölner Glanzkinder GmbH & Co. KG für das Softwarehaus Arktis gebaut hat. Zehn Entwickler sind bei Glanzkinder damit befasst, die Progrämmchen für iPhone, Android & Co. zu schreiben. "Wir programmieren vor allem im Kundenauftrag", erklärt Firmensprecher Dr. Klaus Reckert. Etwa für Messen, Anbieter und Dienstleister rund um Elektromobilität oder für Unternehmen, die ihre Kundschaft mit Apps beglücken und informieren wollen.

Ursprünglich starteten die Glanzkinder mit Webdesign. "Die Sache mit den Apps hat sich nach und nach ergeben", berichtet Reckert. Mal hier eine Comic-App, mal dort ein kleiner Alltagshelfer. Richtig los ging es erst mit einem Großauftrag aus der Medienbranche, der den Frühstartern eine steile Lernkurve verschaffte.

Davon träumen inzwischen 125 000 aktive App-Entwickler weltweit. Seit Apple Mitte 2008 eine kostenlose Entwicklungsumgebung unters Volk brachte und damit jedermann einlud, sich im iPhone Developer Programm zu registrieren, hat das Unternehmen über 200 000 Apps geprüft und zugelassen. Wie viele es nicht durch die Kontrolle schafften, ist unklar. Doch in Web-Foren steht der Konzern wegen der teils unbegründeten und als willkürlich empfundenen Absagen am Pranger.

Gerade für das ständig wachsende Heer von Einzelkämpfern, die ihr Glück in der App-Entwicklung suchen, kann so eine Ablehnung den Lohn wochenlanger Arbeit kosten. Doch auch wenn ihre Apps zugelassen werden, ist das nur ein Teilerfolg. Denn mit den meist nur wenige Euro teuren Programmen lässt sich nur über massenhafte Downloads vernünftiges Geld verdienen. Zumal Apple 30 % der Erlöse einstreicht – obwohl die Entwickler kostenloses und zielgruppengenaues Marketing für iPhone, iPad und die Marke selbst betreiben.

Dennoch gibt es zahlreiche Erfolgsgeschichten. So mancher freie Entwickler hat sich in den letzten zwei Jahren mit einem guten Einfall ein goldenes Näschen verdient. Wie im Goldrausch steigen jedoch immer mehr Glücksritter in den Markt ein. Und so gibt es inzwischen für Alles eine App – oft dutzendfach in kaum voneinander abweichenden Ausführungen.

"Es wird immer schwerer aufzufallen", weiß Marketingexperte Reckert. Längst reiche es nicht mehr, eine App einfach nur in die Manege zu werfen. Vielmehr müssen sich die Entwickler Gedanken darüber machen, wie ihre Programme im App-Store gefunden werden, oder wie sie es in Medien oder Rankings schaffen. Einige Dutzend Entwickler haben dafür letzten Herbst den Verband der iPhone-Entwickler deutschsprachiger Apps (vieda) gegründet. In erster Linie, so schreibt der Verband auf seiner Homepage, wolle man besser auf die Apps der Mitglieder aufmerksam machen. Unter anderem organisiert vieda dafür "iPhone-sessions" in den Läden von Mobilfunkanbietern.

Während freien Entwicklern oft nur Kreativität und Präsenz in sozialen Netzwerken bleibt, um auf ihre Apps aufmerksam zu machen, treten größere Anbieter mit fetten Marketingbudgets in den Ring. Denn das Geschäft kann sich mehr denn je lohnen. Im September 2008 meldete Apple 1 Mio. Downloads, bis April 2009 schon 1 Mrd. und ein Jahr später hatten iPhone-Nutzer weltweit schon 4 Mrd. Apps heruntergeladen. Wer es heute in die Top-Listen schafft, kann es über Nacht zum Millionär bringen. Glanzkinder Sprecher Reckert vergleicht es mit einem großen Lottospiel, in dem die Entwickler als Einsatz wochenlang arbeiten. "Viele tun das nebenberuflich", hat er beobachtet.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Berliner Brüder Claus und Tobias Jordan. Claus, mit 20 der Ältere, hat gerade sein Abitur gemacht und kümmert sich um die Webseite und das Marketing ihrer Tool Force Software GbR. Tobias ist 17 und erledigt das Programmieren. Ihre erste Software haben sie vor vier Jahren auf den Markt gebracht: Ein Programm, um am stationären Apple-Computer Schnappschüsse oder Fotosequenzen in einem frei definierbaren Zeitintervall aus Videos zu ziehen.

Mittlerweile haben sie zwei weitere Programme im Angebot. Eines zum sicheren Verwalten von Passwörtern, Zertifikaten und Softwareschlüsseln. Und ein anderes, das beim Arbeiten am Mac jede Veränderung aufzeichnet und Nutzer so vor Datenverlusten schützt.

Längst verzeichnen die jungen Gründer Abrufe in aller Welt, geben regelmäßig Updates heraus und kümmern sich um den Support. Was das mit Apps zu tun hat? – "Wir haben jetzt genug Geld zusammen, um eine GmbH zu gründen", erklärt Claus Jordan. Und Tobias sei nach vier Jahren Programmierung fit genug, um auch mobile Applikationen zu entwickeln. "iPhones bieten mit ihren Kameras und Sensoren so unendlich viele Möglichkeiten", sagt der junge Autodidakt, "dass ich hier auf jeden Fall noch viele Chancen und eine Zukunft sehe".   PETER TRECHOW

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Von Peter Trechow | Präsentiert von VDI Logo
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