16.03.2015, 12:00 Uhr | 0 |

Gründerwettbewerb Sechs ausgezeichnete Ideen aus dem IKT-Bereich

Das Bundeswirtschaftsministerium sucht regelmäßig die besten Ideen aus dem Bereich Informations und Kommunikationstechnologie (IKT). Nun stehen die Sieger des jüngsten Wettbewerbs „IKT Innovativ“ fest. Am Montag wurden sie auf der Cebit ausgezeichnet. Sie liefern spannende Konzepte aus den Bereichen Industrie 4.0, Energiemanagement, Augmented Reality, Datensicherheit, Datenübertragung und Big Data. Sie erhalten jeweils 30.000 Euro Preisgeld.

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Dank der Technologie von IOXP sieht der Monteur in seiner Datenbrille, welche Handgriffe er zu tun hat. In sein Sichtfeld werden die erforderlichen Werkzeuge und ihr konkreter Einsatzort eingeblendet.

Foto: ioxp

Das Team Chromosome Industrial aus dem Umfeld der TU München entwickelt eine Plug-and-Play-Lösung für die Industrieautomatisierung. Hintergrund sind die im Zuge der Digitalisierung drastisch steigenden Kosten für die Programmierung von Produktionslinien. Mit der Softwarelösung der Münchner sollen diese Ausgaben deutlich reduziert werden.

Das System erkennt automatisch den Aufbau der Anlage und die mit ihr möglichen Produktionsschritte, sogar wenn eine Komponente erst während des Betriebs hinzukommt. Der Fertigungsingenieur oder -techniker kann so die Anlage jederzeit einfach einrichten und anpassen, ohne ihre technischen Details im Einzelnen kennen zu müssen. Die Entwicklungskosten für die Steuerungssoftware bei Aufbau und Änderung von Fertigungsanlagen werden damit um bis zu 50 % gesenkt. Dank einer Visualisierung der Fertigungslinie lässt sich die Produktion auch von außen überwachen und steuern. Dabei macht das System Vorschläge zur Optimierung des Produktionsplans. Die Software ist geeignet für speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), Industrie-PCs und eingebettete Plattformen.

Das Unternehmen Enit-Systems aus Freiburg macht ebenfalls komplexe Prozesse sicht- und steuerbar. Die Ausgründung aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme widmet sich dem Energiemanagement in mittelständischen Industrieunternehmen. Das von ihr entwickelte System Enit-Agent optimiert die Auswahl der Energiequellen und die Energienutzung im Zeitablauf. Bisher war es immer problematisch, in einem sich verändernden Energiesystem Messdaten zu erfassen und daraus eine Steuerung zu initiieren. Denn vorhandene Zähler und Anlagen konnten nicht miteinander kommunizieren. Doppelt schwierig wurde es, wenn neue Energiequellen oder -nutzer integriert wurden. Die Lösung: OpenMUC. Die Software verbindet die Anlagen aus der Energietechnik, aus dem industriellen Automatisierungsumfeld und der Gebäudeleittechnik. Sie visualisiert zudem in Echtzeit sämtliche Parameter des Stromnetzes. Sollte sich das Energiesystem einmal nicht gemäß der Vorgaben verhalten, kann schnell reagiert werden. OpenMUC ist das Ergebnis von mehr als fünf Jahren Forschung mit einem Fördervolumen von über 10 Mio. Euro.

Zu den Hauptpreisträgern zählt außerdem die IOXP GmbH i.G., eine Ausgründung aus dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das Team aus Kaiserslautern entwickelt ein interaktives Handbuch für Monteure. Dabei kommt die Technologie der Augmented Reality zum Einsatz. Einer Echtzeitaufnahme der realen Umgebung werden also digitale Informationen hinzugefügt. Die Aufnahme kann dabei via Datenbrille, Tablet oder Smartphone erstellt werden. Auf dem Display des jeweiligen Gerätes erscheinen dann Handlungsanweisungen und die zu benutzenden Werkzeuge – etwa ein Schraubendreher, der auf bestimmte Schrauben zeigt und zusätzlich Pfeile, welche die richtige Drehrichtung vorgeben. Das interaktive Handbuch erkennt auch, wenn Handlungen falsch ausgeführt wurden, und warnt den Monteur durch ein visuelles Signal. Die Besonderheit des Handbuchs: Es wird weitgehend automatisiert und ohne zusätzlichen Programmieraufwand aus der Filmaufnahme eines exemplarisch ausgeführten Arbeitsvorgangs erstellt und kann auf allen Endgeräten mit Kamera und Display genutzt werden.

Die Lowotec aus Oldenburg löst den Konflikt, der aus Telearbeit und Datensicherheit resultiert. Die vom vierköpfigen Team entwickelte Hardware-Software-Kombination macht es einfach und sicher, sich im Home-Office oder an einem Arbeitsplatz außerhalb des Unternehmens mit dem Unternehmensnetzwerk zu verbinden. Ein Teil des Gerätes wird dazu im Unternehmensnetzwerk installiert, der andere Teil zwischen externem Computer und Router am jeweiligen Arbeitsort eingesteckt. So entsteht zwischen diesen beiden Stellen eine verschlüsselte Verbindung, ohne dass der Anwender noch etwas einstellen oder konfigurieren muss.

Die Sicoya GmbH i. G. aus Berlin widmet sich der Geschwindigkeit bei der Datenübertragung. Noch setzen viele Rechenzentren auf Kupferverbindungen. Dabei sind Glasfasern schneller und energieeffizienter. Problematisch aber sind deren hohe Kosten. Vor allem die „Transceiver“, also die Sende- und Empfangseinheiten, sind sehr teuer. Die Gründer von Sicoya lösen dieses Problem, in dem sie die elektronischen und optischen Komponenten dieser Einheiten in einen Chip integrieren. Basis dieses Ansatzes sind sechs Jahre Forschung und Entwicklung im Bereich Siliziumphotonik. Im Ergebnis sinken die Stückkosten der Transceiver in hohem Maße, und Rechenzentren können durchgehend auf die optische Datenübertragung umgestellt werden.

Das Unternehmen Teraki, ebenfalls aus Berlin, hat sich hohe Ziele gesteckt: Die Gründer wollen mit ihrem Produkt maßgeblicher Treiber des Internets der Dinge bzw. der Industrie 4.0 werden – etwa so, wie es der MP3-Standard für die Online-Musik-Industrie war. In Echtzeit komprimiert und analysiert ihr Softwaresystem die großen Datenmengen, die in Industrieanlagen mithilfe von Sensoren erfasst werden. Mit speziellen mathematischen Methoden werden diese Daten stark reduziert erfasst und an einen Cloud-Server geschickt. Dort werden sie rekonstruiert und können je nach Bedarf ausgewertet werden.

Diese Reduzierung des Datenvolumens ermöglicht die beschleunigte Übertragung aller Informationen. Zudem werden die Sensoren vor Ort von der Datenspeicherung und -verarbeitung entlastet. Damit sinkt ihr Energieverbrauch, ihre Batterien müssen weniger oft gewechselt und es kann auf weitere Rechenressourcen verzichtet werden, die sonst für eine Kompression der Daten benötigt würden.

http://www.gruenderwettbewerb.de/preistraeger/preistraeger/runde-2-2014

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