20.11.2015, 00:00 Uhr | 0 |

Business Angels Panel Politik bedroht Business Angels

Business Angels stellen Gründern Geld und Know-how zur Verfügung. Sie kümmern sich also um unternehmerischen Nachwuchs. Die Politik weiß um ihre Bedeutung. Gut gemeinte Fördermaßnahmen könnten nach Expertenmeinung aber „katastrophale Folgen“ haben. Die Stimmung in der Szene ist entsprechend gespannt. Ergebnisse des Business Angel Panels, III/2015.

Eigentlich könnten die Business Angels in Deutschland bester Laune sein. Schließlich verspricht die Bundesregierung im Mitte September verabschiedeten „Eckpunktepapier Wagniskapital“ eine Verbesserung des „Invest“-Förderprogrammes. Ab 2016 soll es demnach einen Zuschuss von 20 % „auf Investitionen von Privatpersonen oder Kapitalgesellschaften in Wagniskapital von bis zu 500 000 € pro Jahr“ geben. Bisher lag die Bemessungsgrenze bei 250 000 €. Vorgesehen ist zudem eine Erstattung der Steuer auf  Veräußerungsgewinne und ein Förderzuschuss für den Ausgleich von Verlusten.

Tatsächlich aber sind die Gründungsförderer gar nicht in Hochstimmung. Laut aktuellem Business Angels Panel, einer quartalsweisen Umfrage der VDI nachrichten, bewerten sie ihre Geschäftslage nur mit mittelprächtigen 5,46 Punkten. Für die Geschäftsaussichten vergaben die 26 Teilnehmer gar nur 5,38 Punkte. Beide Zahlen sind somit zum wiederholten Male geschrumpft. Die Skala reicht dabei von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut).

Woran liegt das? An einem einzigen Wort! Das jedenfalls mutmaßt Roland Kirchhoff, Vorstand des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). Das Eckpunktepapier ziele nämlich explizit ab auf Investitionen „in“ Wagniskapital. Gefördert würden damit also ausschließlich Investitionen in VC-Fonds, nicht aber direkte Kapitalspritzen für Start-ups. Letztere aber sind das Kerngeschäft der himmlischen Gründungsförderer. Dieses Geschäft wird gemäß Kirchhoffs Interpretation explizit nicht gefördert. Hier bliebe alles beim Alten. Direktinvestitionen wären also aus mehreren Gründen künftig vergleichsweise unattraktiv. Nicht nur, dass der geförderte Investitionsbetrag doppelt so hoch ist. Zusätzlich entfiele beispielsweise der Ausschluss von E-Commerce-Geschäftsmodellen aus der Förderung, der beim bisherigen „Invest“-Programm gilt. Wo VC-Fonds gefördert würden, gingen Business Angels also leer aus. Kirchhoffs Fazit: „Das könnte zum Austrocknen der Seedphase führen, zumindest aber zu einer radikalen Reduzierung von klassischen Angel-Investitionen.“ Es drohten „katastrophale Folgen“.

Offenbar teilen viele der Panel-Teilnehmer die Ansicht Kirchhoffs. Jedenfalls wollen nur 13 % ihr persönliches Engagement mit Blick auf das Eckpunktepapier ausbauen. Knapp jeder Dritte (30 %) schließt Mehrinvestitionen aus. Der große Rest ist sich noch nicht sicher.

Aber es gibt auch noch andere Gründe für den Stimmungsknick: Nur gut jeder zehnte Business Angels konnte eine Beteiligung gewinnbringend veräußern. Und jedem einzelnen dieser gelungenen Exits steht eine Abschreibung, also ein Totalverlust, gegenüber.

Eher mau ist auch das, was auf der Investitionsseite passiert. Nur 23 % der Befragten haben Geld in die Hand genommen, um ein Unternehmen anzuschieben. So niedrig war die Quote seit zweieinhalb Jahren nicht. Niedrig ist dementsprechend auch die Summe, die jeder Engel rein rechnerisch locker gemacht hat: Mit knapp 23 000 € ist sie nicht mal mehr halb so hoch wie im Vorquartal. Pro Deal entspricht das einer Summe von nur knapp 54 000 €.

Sehr fraglich ist, ob künftig mehr himmlisches Geld auf Gründer in Deutschland herab regnet. Denn die Befragten Business Angels gaben an, aktuell bereits 70 % ihrer für Beteiligungsinvestitionen vorgesehenen Mittel verplant zu haben. So hoch war die Quote in der knapp 14-jährigen Geschichte des Panels erst ein einziges Mal.

Beste Chancen auf Geld und Know-how haben weiterhin die Anbieter von Internet-Services, wozu etwa auch E-Business-Lösungen zählen. Auch Platz 2 in der Hitparade der Lieblingsbranchen ist erneut unverändert: Hier steht zum dritten mal in Folge die Umwelttechnik. Platz 3 sicherten sich Energiedienstleister. Stark gestiegen in der Gunst der Finanzierer sind Gründer aus dem Bereich Medien und Entertainment (von Platz 12 auf Platz 4). Medizintechniker und Softwareentwickler, die zuletzt gleichrangig mit auf Platz 3 standen, fielen auf die Plätze 5 bzw. 6.

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Von Stefan Asche
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