11.03.2016, 00:00 Uhr | 0 |

Business Angels Panel Industrie 4.0: Business Angels investieren zögerlich

Zuletzt lief es gut für die privaten Wagnisfinanzierer in Deutschland. Sie konnten viele ihrer Beteiligungen veräußern. Außerdem fanden sie viele Erfolg versprechende Investitionsmöglichkeiten. Zurückhaltend stehen sie dem aktuellen Trend zur Informatisierung der Fertigungstechnik gegenüber. Ergebnisse des aktuellen Business Angels Panels.

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Die Informatisierung der Produktion (Industrie 4.0) nimmt weltweit gerade Fahrt auf. Informelle Wagniskapitalgeber sind aber nur selten an Bord.

Foto: Bosch

Eigentlich sind Business Angels so etwas wie Technologie-Scouts. Sie investieren ihr Geld und Know-how dort, wo morgen die Post abgeht – bzw. abgehen könnte. Umso erstaunlicher ist, dass sie dem derzeitigen Top-Thema „Industrie 4.0“ eher skeptisch gegenüberstehen. Immerhin meinen 31 %, dass Deutschland gut aufgestellt ist, um vom proklamierten Wandel in der Produktion zu profitieren. Nur 17 % sind gegenteiliger Ansicht. Der Rest ist sich noch nicht sicher. Aber: Persönlich investiert hat erst gut jeder Zehnte (11 %)!

Auch zukünftig ist nicht mit großer Aktivität zu rechnen. Nur knapp jeder vierte Investor (24 %) will seine einschlägigen Aktivitäten ausbauen. Der Rest ist sich unschlüssig oder schließt verstärktes Engagement kategorisch aus (je 38 %, s. Grafik oben). Das sind Ergebnisse des jüngsten Business Angels Panels.

Sigrid Rögner, Geschäftsführerin im Venture Forum Neckar e.V. (vfn), Heilbronn, vermutet zwei Hintergründe: „Vielfach sind sehr hohe Investitionssummen im Produktionsumfeld nötig. Außerdem ist der Markteintritt für ein Start-up in diesem Bereich besonders schwierig. Dementsprechend hoch ist das Risiko für den Business Angel.“ Das vfn zählt zu den führenden Investorennetzwerken für Industrie 4.0.

Am liebsten investierten die 29 Panel-Teilnehmer zuletzt in Umwelttechnologien. Auf den Plätzen folgen Web-Services, Energiethemen, Software und innovative Werkstoffe. Die Medizintechnik, in den letzten zehn Jahren fast ausnahmslos in den Top 5 lag, fällt auf Rang 6 zurück. Immerhin auf Platz 7 schafft es die Industrieautomation. Sie lag im Vorquartal noch auf Platz 14.

Am Ende der Hitparade stehen klassische Maschinenbauer, die Anbieter von IT-Hardware sowie Telekommunikationsexperten.

Insgesamt waren die Business Angels mit dem Schlussquartal 2015 sehr zufrieden. Ihre Geschäftslage bewerteten sie mit immerhin 5,66 Punkten. Das ist der vierthöchste Wert in der inzwischen 14-jährigen Geschichte des Panels. Die Skala reicht dabei von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut).

Etwas verhaltener fällt der Blick in die Zukunft aus: Die Geschäftsaussichten bewerteten die Umfrageteilnehmer mit 5,39 Punkten. Das entspricht fast punktgenau den Werten der beiden Vorquartale. Der Vorjahreswert lag allerdings noch spürbar höher, nämlich bei 5,73.

Die Ursachen für die gute Stimmungslage sind schnell ersichtlich. Sowohl die Exitbilanz als auch der Deal-Flow weisen erfreuliche Ergebnisse auf:

Die befragten Finanzierer konnten sechs ihrer Schützlinge gewinnbringend veräußern. Nur zwei Beteiligungen mussten abgeschrieben werden. Für Frühphasenfinanzierer ist das eine gute Quote.

Die Pipeline für neue Deals ist derweil gut gefüllt. Jedenfalls wurden jedem Finanzierer durchschnittlich knapp 27 Geschäftskonzepte angeboten. Das liegt weit oberhalb des langjährigen Mittels von knapp 16.

Die Qualität der Angebote war offenbar hoch. Denn die große Mehrheit der Investoren (62 %) machte Geld locker für eine neue Beteiligung. Diese Quote wurde in den letzten zehn Jahren nur ein einziges Mal übertrumpft.

Gut für Unternehmensgründer: Wo viel verkauft und ebenso viel gekauft wird, ändert sich im Portemonnaie naturgemäß am Ende wenig. So ist es nicht verwunderlich, dass die Befragten aktuell noch 34 % ihrer für Wagnisfinanzierungen vorgesehenen Mittel nicht ausgegebenen haben. Das entspricht dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Auch die Größe des Durchschnittsportfolios bleibt auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Laut Panel hat jeder Business Angel sechs Start-ups unter seinen Fittichen. Werden die zwei Ausreißer, die 20 bzw. 18 Küken im Stall haben, herausgerechnet, so kümmert sich jeder Investor um rund fünf Jungunternehmen.

Die Summe , die jeder Panelteilnehmer durchschnittlich im vierten Quartal 2015 investiert hat, beläuft sich auf knapp 58 000 €. Das ist zwar mehr als doppelt so viel wie im Vorquartal, auf lange Sicht betrachtet aber nur Durchschnitt.

In der Mehrheit der Fälle (70 %) halten die Business Angels maximal 10 % der Firmenanteile. Knapp jede fünfte Beteiligung (18 %) beinhaltet zwischen 11 % und 25 % der Anteile. 12 % aller Portfolioposten umfassen zwischen 26 % und 50 % des Start-ups. Mehrheitsbeteiligungen wurden nicht gemeldet. 

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Von Stefan Asche
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