15.08.2013, 09:24 Uhr | 0 |

Business Angels Panel 2 2013 Business Angels fliegen auf Dot.coms

Finanzierung: Die informellen Beteiligungsfinan­zierer in Deutschland sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage deutlich zufriedener als Anfang des Jahres. Die Einschätzung der Zukunftsaussichten wird von dieser Euphorie aber kaum erfasst. Das ändert auch der neue „Investitionszuschuss Wagniskapital“ nicht. Den Gründungsförderern fehlt es offenbar an geeigneten Beteiligungsmöglichkeiten. Gern gesehen wären mehr Dot.coms.

Als Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler im Mai den „Investitionszuschuss Wagniskapital“ (IVZ) ins Leben rief, war er sich sicher, damit Gründern und Business Angels in Deutschland Auftrieb zu geben. Hintergrund: Mit dem IVZ erstattet der Staat jedem Start-up-Investor unter bestimmten Bedingungen ein Fünftel seiner Beteiligungssumme. Doch schon kurze Zeit später hagelte es Kritik. Die Deutsche Bank Research attestierte: „Das Instrument riskiert erhebliche Streuverluste und Mitnahmeeffekte.“ Und was sagen die Begünstigten? Laut aktuellem Business Angels Panel erwartet nur eine dünne Mehrheit (53 %), dass der IVZ den informellen Wagniskapitalmarkt spürbar beleben wird.

Gleichzeitig steht die Mehrheit der 21 Umfrageteilnehmer dem Zuschuss offen gegenüber: Gut 40 % wollen ihn künftig beantragen, ebenso viele erwägen es zumindest.

Haben die – in der Regel durchaus wohlhabenden – Gründungsförderer den staatlichen Geldsegen überhaupt nötig? „Ja“, antwortet Ute Günther aus dem Vorstand des Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND). „Es geht dabei aber nicht darum, den vermögenden Business Angels noch mehr Geld zu geben.“ Es gehe alleine um die Unterstützung von Gründern. „Und dazu ist IVZ gut geeignet. Der Zuschuss erlaubt es dem einzelnen Business Angel, sein vorhandenes Kapital auf mehrere Start-ups zu verteilen. Er senkt also sein Risiko und unterstützt zugleich eine größere Anzahl an Teams – eine Win-Win-Situation.“ Außerdem führe die Einführung des IVZ vielleicht dazu, dass sich neue Investoren finden. „Das wäre sehr positiv für den Standort Deutschland.“ In anderen Ländern gebe es überdies nach wie vor weit mehr öffentliche Incentives für private Gründungsförderer.

Die aktiven Business Angels haben trotzdem gute Laune. Laut Umfrage bewerteten sie ihre Geschäftslage im 2. Quartal 2013 mit durchschnittlich 5,38 Punkten. Die Skala reicht dabei von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut). Im Vorquartal lag der Wert noch bei 5,05 Punkten. Positiv entwickelt hat sich auch die Einschätzung der Geschäftsaussichten. Hier stieg das Barometer allerdings nur minimal an – von 5,26 auf 5,3 Punkte.

Die Aussichten werden also schlechter bewertet als die aktuelle Lage. Das ist selten bei den von Berufswegen optimistischen Start-up-Finanzierern. Erklärt werden kann es mit sinkender Aktivität seitens der Gründer: Sie schreiben immer weniger Businesspläne. Die Quantität nahm zum vierten Mal in Folge ab. Durchschnittlich fand jeder Investor im 2. Quartal nur noch gut zehn ausformulierte Geschäftsideen in seinem Postfach. Ein Jahr zuvor waren es noch mehr als doppelt so viele. Niedriger war der Wert zuletzt vor sechs Jahren.

Die Qualität aber scheint vergleichsweise gut gewesen zu sein. Immerhin haben 38 % der Finanzierer investiert und ein neues Unternehmen unter ihre Fittiche genommen.

Auf der Exitseite gab es deutlich weniger Bewegung. Die Panelteilnehmer konnten sich lediglich von drei Beteiligungen trennen. In einem Fall geschah dies auch noch auf dem denkbar ungünstigsten Weg: der Liquidation.

Sichtbar wird das Ungleichgewicht von Einkäufen und Veräußerungen bei der durchschnittlichen Portfoliogröße. Sie stieg von 5,26 auf 6,21 an – jeder Befragte ist statistisch gesehen also an gut sechs Start-ups beteiligt.

Wenig Niederschlag fand die Handelsbilanz auf dem Konto, das ausschließlich für Angel-Investments vorgesehen ist. Die befragten gaben jedenfalls an, aktuell erst 62 % ihrer zweckgebundenen Mittel ausgegeben zu haben – das ist lediglich ein Prozentpunkt mehr als im Vorquartal.

Und wer darf sich Hoffnungen machen auf himmlische Unterstützung? Den 1. Platz in der Hitparade der Investoren belegen die Anbieter von Web-Services und E-Business-Lösungen. Erneut auf Platz 2 schafften es die Umwelttechniker. Auf den Rängen folgen Werkstofftechniker („Neue Materialien“), Experten für Energiefragen und Medizintechniker.

Investiert haben die Finanzierer wenig. Im Durchschnitt machte jeder Investor im 2. Quartal nur 19.000 Euro locker.

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Von Stefan Asche | Präsentiert von VDI Logo
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