08.10.2014, 14:39 Uhr | 0 |

Anwesenheitspflicht aufgehoben Microsofts neue Devise: Arbeitet wo ihr wollt

Bei Microsoft in Deutschland wird es demnächst ganz schön leer: Niemand muss mehr ins Büro kommen, der Software-Riese überlässt es künftig seinen Mitarbeitern, wo sie ihre Arbeit erledigen. Der Softwaregigant will damit sparen und gleichzeitig seine Attraktivität für hoch qualifizierte Fachleute steigern.

Radweg im Google-Büro in den Niederlanden
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So macht arbeiten Spaß: Radweg in der niederländischen Google-Zentrale.

Foto: Google

In der neuen Zentrale von Microsoft in Deutschland, deren Bau gerade in München begonnen hat, gibt es weitaus weniger Büros als Mitarbeiter. Und die dürften auch noch des öfteren leer stehen. Denn jeder der heute 2700 Microsoft-Beschäftigten in Deutschland kann künftig arbeiten, wo er will, sich auch mal einen Tag Auszeit gönnen, wenn Badewetter herrscht, oder sich auf präparierte Pisten locken lassen. Einige Voraussetzung: Er muss sein Pensum schaffen.

Wenige Büros für viele Mitarbeiter

„Anwesenheit sagt nichts über die Qualität der Leistung von Mitarbeitern aus, sondern liefert häufig sogar ein falsches Bild“, sagt Microsoft Personalchefin Elke Frank. Feste Arbeitszeiten hatte Microsoft schon 1998 abgeschafft, jetzt wurde in einer Betriebsvereinbarung auch die Anwesenheit am Arbeitsplatz neu geregelt und die Anwesenheitspflicht durch einen Vertrauensarbeitsort ersetzt.

Für den Softwaregiganten hat das eine Menge Vorteile. Er spart Miete, weil der Raumbedarf sinkt. Seine Strom- und Heizkostenrechnung sinkt, wenn die vorgehaltenen Büros intelligent bewirtschaftet und beispielsweise nur dann beheizt oder gekühlt werden, wenn jemand drin arbeitet.

Künftig kann jedoch kein Mitarbeiter mehr von „meinem Schreibtisch“ sprechen. Wer in der Zentrale erscheint, erhält einen Arbeitsplatz zugewiesen, der gerade frei ist. Alle Informationen, die er benötigt, findet er im Internet oder dem unternehmenseigenen Intranet.

In der neuen Zentrale, die 2016 bezogen werden soll, gibt es neben den Büros auch Konferenzräume und ein Café, damit die Mitarbeiter nicht völlig vergessen, wie ihre Kollegen aussehen.

Klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit entfällt

Das Vermischen von Arbeits- und Freizeit birgt allerdings auch Gefahren. Im – bisher überwiegenden – Normalfall gibt es eine klare Trennung. Sobald ein Mitarbeiter sein Büro verlässt, beginnt für ihn die Freizeit. Wer überall arbeitet, muss sich selbst eine Trennlinie schaffen, um nicht von der Arbeit aufgefressen zu werden. Deshalb appelliert Personalchefin Elke Frank an die Mitarbeiter, Eigenverantwortung für ihre Zeiteinteilung zu übernehmen und Überlastung zu vermeiden.

So weit wie Richard Branson, charismatischer britischer Unternehmer, Abenteurer und Chef des Mischkonzerns Virgin, will Microsoft allerdings nicht gehen. Branson hat seinen Mitarbeitern kürzlich zugesichert, dass sie so viel Urlaub nehmen können wie sie wollen. Auch den Zeitpunkt dürfen sie selbst festlegen. Branson wird allerdings genau kontrollieren lassen, ob alle ihr Pensum schaffen.

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Von Wolfgang Kempkens
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