12.07.2013, 08:36 Uhr | 0 |

Mangel an Anerkennung Führungskräften fehlt oft Freiraum, ein motivierendes Arbeitsklima zu schaffen"

In Deutschland wird im Vergleich zum EU-Schnitt laut IW-Studie weniger durch Vorgesetzte motiviert. Ansonsten sei die Arbeitszufriedenheit sehr hoch. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und andere Institutionen und Beratungen widersprechen.

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Mehr Anerkennung und Mitsprache verlangen die Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten und Führungskräften. Deutschland steht hier weniger gut da als andere EU-Länder.

Foto: istockphoto

Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer beim Verband "Die Führungskräfte" in Essen, der selbst vor ein paar Jahren eine Umfrage zum Thema Führungskräfte und Motivation mit gleichem Ergebnis gemacht hat, sagt: "Das Problem ist, dass es den Führungskräften häufig an Freiraum fehlt, ein motivierendes Arbeitsklima zu schaffen."

Das liege zum Teil daran, dass Führungspositionen reduziert worden seien, die Arbeit aber gleich oder sogar mehr geworden sei. "In persönlichen Gesprächen wurde mir von Führungskräften gesagt: ,Ich würde ja gern mit Mitarbeitern kommunizieren, ich bin aber so mit Arbeit zugeschüttet‘." Zudem werde niemand zur Führungskraft ausgebildet. Dies gelte aber auch in anderen Ländern.

Das IW gibt zwar an, dass viele deutsche Unternehmen mittlerweile explizite Weiterbildungsangebote zur Verfügung stellen, doch Goldschmidt gibt zu bedenken, dass das Learning by Doing dann auch wieder eine Frage der Zeit sei. Allerdings habe er im Gespräch mit Personalern den Eindruck gewonnen, dass bei der Auswahl von Führungskräften verstärkt die Softskills des Bewerbers in Augenschein genommen werden. Gerade der Mittelstand fange jetzt erst an, die Bedeutung der Personalentwicklung zu begreifen und Menschen in Führungspositionen hineinzuentwickeln. "Aber so viel können wir in Deutschland auch nicht falsch machen, sonst wären wir nicht so gut aus der Krise herausgekommen", sagt Goldschmidt.

Ein Drittel der Mitarbeiter beklagt zu geringe Wertschätzung

Auch der DGB hat sich mit der Arbeitszufriedenheit auseinandergesetzt. Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied: "Der ,Index Gute Arbeit‘ hat ergeben, dass immerhin ein Drittel der Beschäftigten über die fehlende oder geringe Wertschätzung ihrer Vorgesetzten klagt. Gravierender sind aber die zunehmende Arbeitsintensität, die Arbeitshetze und der Stress. Gut jeder zweite Befragte sieht sich einer starken Arbeitshetze ausgesetzt. Gleichzeitig geben vier von fünf Beschäftigten an, dass sie seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten müssen."

Nur 42 % der Beschäftigten in Deutschland gehen laut Index davon aus, dass sie unter ihren derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zur Rente arbeiten können. Der DGB-Index "Gute Arbeit" beruht auf einer Befragung von 4895 Beschäftigten. "Insgesamt fühlen sich 44 % der Beschäftigten sehr häufig oder oft nach der Arbeit ,leer und ausgebrannt‘", betont Buntenbach. Es bestehe enormer Handlungsbedarf, um Stress am Arbeitsplatz abzubauen, damit die Menschen davon nicht krank werden. Der DGB fordert daher, ein Gesetzespaket für mehr Arbeitsschutz auf den Weg zu bringen.

Eine "Kultur der Angst" am Arbeitsplatz macht die Studie der Personalberatung Rochus Mummert aus. Arbeitnehmer seien in 20 % der hiesigen Unternehmen davon betroffen. Eine Atmosphäre der allgemeinen Unsicherheit ist sogar in 40 % der Firmen anzutreffen. Das sind Ergebnisse der Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung, für die HR-Führungskräfte sowie 1000 Arbeitnehmer befragt wurden.

Fast jeder zweite Mitarbeiter hat Angst vor Fehlern

Defizite der Unternehmenskultur zeigten sich insbesondere im Umgang mit Fehlern: Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland gibt an, Angst davor zu haben, etwas falsch zu machen. Gleichzeitig fürchten 36 % den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Und jeder Dritte scheut Konflikte mit den Vorgesetzten.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft kommt in puncto Arbeitszufriedenheit zu anderen Ergebnissen. Demnach sind hierzulande 88 % der Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden – ein über die Jahre weitgehend konstanter Wert. Deutschland liegt damit unter den 31 untersuchten Ländern an neunter Stelle. Spitzenreiter ist Dänemark, Schlusslicht Albanien. Das Ergebnis für Deutschland deckt sich in etwa mit Befunden der OECD.

Dass laut Krankenkassen mehr Beschäftigte wegen psychischer Erkrankungen in Frührente gehen, führt das Institut darauf zurück, dass Depressionen und andere psychische Leiden häufiger diagnostiziert würden als früher.

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin fühlen sich viele dadurch belastet, dass sie sich um mehrere Aufgaben gleichzeitig kümmern müssen. Termin- und Leistungsdruck sowie ständige Unterbrechungen stressen demnach einen großen Teil der Beschäftigten.

IW: Arbeitsbedingungen haben sich nicht systematisch verschlechtert

"Es kann keine Rede davon sein, dass sich die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren systematisch verschlechtert haben", betonte IW-Direktor Michael Hüther hingegen. Viele Arbeitnehmer hätten gerade unter Stress und Zeitdruck Spaß bei der Arbeit, habe die Institutsstudie ergeben. Das gelte zumindest zeitweise, etwa in Projektphasen, schränkte Studienleiter Oliver Stettes ein. "Stress wirkt sich negativ aus, wenn er auf Dauer zur Überlastung führt."

Geld spielt nach der Untersuchung bei den deutschen Beschäftigten nicht so eine so große Rolle wie in vielen südeuropäischen Ländern. 82 % derer, die meinen, zu wenig zu bekommen, sind dennoch mit ihrer Arbeit zufrieden. Bei denen, die mit ihrem Gehalt zufrieden sind, sind es 95 %. Dieser Unterschied ist in vielen Ländern größer. "Ein hohes Gehalt, gute Karrierechancen und ein sicherer Arbeitsplatz sorgen dafür, dass die Beschäftigten zufrieden sind", sagte Hüther. Wichtig sei nach der Umfrage aber auch, Einfluss zu nehmen, etwa auf die Arbeitsorganisation, die Wahl der Teamkollegen und auf Zielvereinbarungen.

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Von Claudia Burger | Präsentiert von VDI Logo
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